Toyota Prius Plug-in: Virtuelle Aufforstung

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Toyota stellt mit dem Prius Plug-in das erste Hybridauto vor, das auf Kurzstrecken elektrisch fahren kann. Zunächst testen die Japaner das Fahrzeug allerdings nur in einer Kleinserie, denn die Marktchancen sind ungewiss.

Toyota Prius Plug-in: Virtuelle Aufforstung Fotos

Die Pflanzung eines Baums zählt zu den Urmetaphern nachhaltigen Handelns. Sie fand im Lebensmotto Martin Luthers ebenso Ausdruck wie im Werk von Joseph Beuys. Nun erlebt sie eine symbolkräftige Profanierung: durch den Automobilhersteller Toyota.

Im Armaturenbrett des neuen Prius PHV lässt sich ein Monitor mit Baumsilhouetten füllen. Die virtuelle Aufforstung soll "den Beitrag des Fahrers zur Umweltschonung visualisieren", erklärt Chefentwickler Yoshikazu Tanaka. Mit jeder Fahrt im elektrischen Modus wächst der Baumbestand auf dem Bildschirm.

PHV steht für "Plug-in Hybrid Vehicle". Äußerlich identisch mit dem fischig-amorphen Hybrid-Prius, der lediglich Bremsenergie elektrisch nutzt und so Kraftstoff spart, ist dieser Wagen in der Lage, auch Strom aus der Steckdose zu verwerten. Er hat eine deutlich größere Batteriekapazität und kann so nennenswerte Strecken im reinen Elektromodus zurücklegen.

Toyota rüstet den Prius PHV mit drei Lithium-Ionen-Akkus aus, die zusammen 5,2 Kilowattstunden speichern - gut fünfmal so viel wie beim bisherigen Prius. Sie wiegen samt Steuerelektronik 140 Kilogramm. Um sie im hinteren Wagenbereich unterzubringen, musste der Kofferraumboden um drei Zentimeter angehoben werden. Ein Elektromotor soll den Prius auf maximal 100 Kilometer pro Stunde beschleunigen und mit einer Batterieladung im Stadtverkehr bei moderater Fahrweise gut 20 Kilometer weit kommen. Dann springt der Benzinmotor an und übernimmt den Antrieb.

Es ist ein bescheidener Schritt in Richtung Elektromobilität, keine Revolution und auch noch kein Produkt für den Massenmarkt. Eine Kleinserie von 600 Exemplaren - Preise werden nicht genannt - wird zunächst an ausgewählte Kunden verteilt. Erst gegen Ende 2012 soll das Modell regulär in den Handel kommen. Besonders engagierte Ökomobilisten, die nicht mit Kohlestrom pseudo-abgasfrei fahren wollen, können dann sogar einen Solar-Carport als heimische Tankstelle dazuordern.

Keine lohnende Investition

Doch wie viele Menschen werden das sein? Es sind simple wirtschaftliche Eckdaten, die einem raschen Durchbruch solcher Autos im Weg stehen: Lithium-Batterien kosten noch immer etwa 1000 Euro pro Kilowattstunde Speicherkapazität. Die Akkus, mit denen Toyota 20 Kilometer Reichweite sicherstellt, verteuern das Auto um gut 5000 Euro. Toyota sieht hier selbst bei einer ökophilen Zielgruppe die Grenze der Kaufbereitschaft.

Die Anschaffung eines Prius PHV wird keine lohnende Investition sein, die Option, elektrisch durch den Stadtverkehr zu pendeln, also ein Luxus - womöglich aber ein neuer Kult, mit dem auch andere Hersteller rechnen. Mercedes wird mit der kommenden Generation der S-Klasse eine solche Variante anbieten. Auch der Opel Ampera, der im kommenden Jahr in den Handel kommen soll, folgt dem Plug-in-Prinzip mit Verbrennungsmotor als Kraftspender für längere Strecken.

Opel arbeitet allerdings daran, die dreifache Batteriekapazität zu installieren, um einen Elektroradius von rund 60 Kilometern zu verwirklichen. Die Batteriekosten dürften entsprechend bei 15.000 Euro liegen. Dieses Auto wird also sehr teuer. Unter 40.000 Euro dürfte es kaum rentabel vermarktbar sein.

Die vorsichtigere Herangehensweise von Toyota verspricht eher Erfolg; denn Autokäufer zeigen bislang wenig Bereitschaft, für umweltschonende Technik hohe Aufpreise zu bezahlen. Premium-Sparmobile wie die Drei-Liter-Autos von VW und Audi floppten.

Toyota will nicht die Standstreifen mit leergefahrenen Elektroautos schmücken

Toyotas Erfolgsgeschichte mit dem Hybridantrieb funktionierte nur, weil der Hersteller diese Modelle zu unrentablen Kampfpreisen in den Markt drückte und die Produktion rasch auf große Stückzahlen brachte. Fast zweieinhalb Millionen Hybridautos hat der Konzern bereits verkauft und behauptet, inzwischen auch Geld damit zu verdienen. Viele Konkurrenten bezweifeln das.

Zu welchem Preis aber sollten reine Elektroautos einen Massenmarkt erschließen? Um halbwegs gebrauchstüchtig zu sein, brauchen solche Fahrzeuge Batteriekapazitäten um 20 Kilowattstunden. Es müsste also die Bereitschaft bestehen, das Jahresgehalt eines Studienrats auszugeben für ein Auto, das nicht weiter kommt als die städtische S-Bahn - und im Falle des Liegenbleibens auch gleich auf einen Abschleppdienst angewiesen ist, da es Strom nun mal nicht in Reservekanistern gibt. Solche Autos könnten allenfalls mit horrenden Subventionen aus öffentlichen Kassen auf den Markt gebracht werden.

Darauf bauen diverse Konkurrenten, unter ihnen die japanischen Hersteller Mitsubishi und Nissan. Sie haben bis heute kein einziges marktreifes Hybridauto, planen aber den forcierten Einstieg in eine staatlich geförderte Elektromobilität.

Diesem Wettlauf wird sich der Hybridpionier Toyota fürs Erste entziehen. Es gibt bereits Prototypen reiner E-Mobile, aber noch keine Freigabe für eine Serienproduktion. "Wir wollen nicht der Erste sein", sagt Firmensprecher Dirk Breuer, "der die Standstreifen der Autobahnen mit leergefahrenen Elektroautos schmückt."

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 17 Beiträge
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1. Subvention von Elektromobilität
steschu 30.04.2010
Als Fußgänger, Radfahrer, ÖPNV-Nutzer und nur gelegentlich Fahrer von Miet-, oder Carsharing-Fahrzeugen bin ich gegen jegliche staatlich Subventionierung von Individualmobilität. Das Geld sollte besser in verbesserte Nahverkehrssysteme investiert werden. Allenfalls kann die Förderung von vermeintlich ökologisch vertretbareren Fahrzeugen durch eine höhere Belastung von Spritschleudern oder durch Straßenbenutzungsgebühren ausgeglichen werden. Mir fehlen allerdings überzeugende Belege, dass die Ökobilanz von Elektroautos tatsächlich besser ist, solange weltweit im großen Stil fossile Brennstoffe verfeuert werden.
2. Wachsende Bäume
matthias.spiegel 30.04.2010
Beim Toyota Pius wachsen Bäumchen im Display, wenn man sparsam fährt. Das absurde hieran ist, das gerade ein hoher CO2-Ausstoß zum Pflanzenwachstum beiträgt. Man muss sich nur den Pflanzenbestand an Autobahnen ansehen.
3. Pflanzenwachstum
matthias.spiegel 30.04.2010
Wenn man im Toyota Pius sparsam fährt, wachsen Bäumchen im Display. Das absurde hieran ist, dass gerade ein hoher CO2-Ausstoß zum Pflanzenwachstum führt. Man muss sich nur den Baumbestand an Autobahnen anschauen.
4. Bitte geben Sie einen Titel für den Beitrag an!
KobiDror 30.04.2010
Zitat von matthias.spiegelWenn man im Toyota Pius sparsam fährt, wachsen Bäumchen im Display. Das absurde hieran ist, dass gerade ein hoher CO2-Ausstoß zum Pflanzenwachstum führt. Man muss sich nur den Baumbestand an Autobahnen anschauen.
Ja nee, ist klar! Hier geht es darum, dass der Kohlenstoff vor Millionen von Jahren im Erdboden gebunden wurde. Das was wir verballern ist also das, was Mutter Natur eigentlich im Keller einschließen wollte. Nur irgendwie haben wir den Schlüssel geklaut und bedienen uns nun der Vorräte, die im Keller liegen. Wir wissen noch zu wenig über die Balance aller Elemente im Klima um die Folgen des derzeitigen Handelns vorherzusehen. Klar brauchen Pflanzen CO2 zum wachsen, aber das schafft das System auch ohne menschliche CO2 Zugaben. Nebenbei gesagt: Pflanzen emittieren auch CO2. Nämlich nachts in deren Erholungsphasen. Deswegen soll man in Schlafzimmern auch keine Pflanzen stellen...
5. Hybrid und virtuelle Aufforstung
burghard42 30.04.2010
Zitat von sysopToyota stellt mit dem Prius Plug-in das erste Hybridauto vor, das auf Kurzstrecken elektrisch fahren kann. Zunächst testen die Japaner das Fahrzeug allerdings nur in einer Kleinserie, denn die Marktchancen sind ungewiss. http://www.spiegel.de/auto/aktuell/0,1518,691479,00.html
Das ist ja nun mal ein, aus meiner Sicht,realistischer Beitrag zu der Problematik Plug-in Hybridautos. VW,Daimler,Opel usw. werden ja ebenfalls anbieten. Nun bleibt abzuwarten,wie sich die Preise entwickeln,denn Kampfpreise sind auf Dauer ruinös. Die Akku-Technik ist das eigentliche Hindernis für eine schnellere Umsetzung der Plug-in Technologie : zu schwer,zu teuer Die Display-Bäumchen sind eher für schlichte Gemüter sinnvoll.
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Förderung umweltfreundlicher
Autos in Europa
Hintergrund und Berechnungsgrundlage
Weltweit subventionieren etliche Länder saubere Autos. In China winken umgerechnet 6500 Euro, in den USA zwischen 1800 und 5300 Euro und in Japan sogar bis zu 11.500 Euro. In Deutschland gibt es bislang keine Förderung. Wie und wo in Europa Autos mit besonders geringem CO2-Ausstoß bezuschusst werden, zeigt die Zusammenstellung von SPIEGEL ONLINE. Als Referenzmodell bei Steuervergleichen diente ein Mercedes B 180 mit einem CO2-Ausstoß von 152 g/km.

Österreich
Österreich: Befreiung von der einmaligen Verbrauchsabgabe (1602 Euro) und der Kfz-Steuer (403 Euro pro Jahr).
Norwegen
Fahrer von Elektroautos dürfen die Bus- und Taxispuren benutzen, und zudem sind alle Parkplätze kostenfrei.
Italien
1500 Euro Zuschuss für ein privat genutztes Elektroauto. Bei gewerblichen Fahrzeugen steigt der Bonus auf 4000 Euro. Stufenweiser Rabatt auf Kfz-Steuer in den ersten fünf Jahren (219 Euro pro Jahr).
Irland
50 Prozent Steuernachlass oder 2500 Euro Zuschuss für Fahrzeuge mit Hybrid- oder Flexfuel-Antrieb.
England
Ab 2011 sollen Käufer von Elektroautos mit einer Summe zwischen umgerechnet 2300 und 5000 Euro unterstützt werden - zunächst ist die Subvention begrenzt bis 2016.
Frankreich
2000 Euro Bonus für Hybrid-, Erd- oder Flüssiggasantrieb mit weniger als 140 g/km CO2-Ausstoß. 5000 Euro für alle Fahrzeuge mit weniger als 60 g/km. Gewerbliche Fahrzeuge werden zudem von der Dienstwagensteuer befreit (1250 Euro pro Jahr).

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