Trabant als Youngtimer Das Auto

Vor 25 Jahren wollte keiner mehr Trabi fahren. Heute ist der DDR-Wagen ein Sammlerstück. In Ostbrandenburg ist ein Trabant im Neuwagen-Zustand aufgetaucht. Für 13.999 Euro ist er zu haben.

Haiko Prengel

Von Haiko Prengel


Manchmal kann ein Haufen Schrott eine hübsche Summe Geld bringen. Man muss nur lange genug warten - und sich mit Konservierung auskennen. "Viele denken, Pappe kann nicht rosten", sagt Christian Käßler und streicht über die Kunststoff-Karosserie seines panamagrünen Trabants. Doch so ein Trabi kann sehr wohl rosten. Denn unter der Karosserie ist ein Grundrahmen aus Metall. Und da blüht oft die braune Pest.

Bei Käßlers Modell 601, Baujahr 1989, werden dagegen selbst Pedanten mit der Lupe keinen Krümel Rost finden. Denn der Autohändler aus Ostbrandenburg besitzt einen Trabi, der in seinem Zustand wohl einzigartig ist: Bei dem Auto handelt es sich praktisch um einen Neuwagen, denn er war nie zugelassen. Exakt 24 Kilometer hat er auf dem Tacho. In makellosem Lack steht das Ost-Mobil im Verkaufsraum der "City Automobile" in Seelow, einer Kleinstadt nahe der polnischen Grenze.

Käßlers Trabi ist ein Wendekind. Als einer der letzten verließ der Wagen 1990 den Lagerplatz der Automobilwerke Zwickau und wurde sofort eingelagert. Ein Vierteljahrhundert stand er vor Witterung und Sonnenlicht geschützt in einem beheizten Keller.

Trabis hatten nur noch Schrottwert

25 Jahre nach der Wiedervereinigung ist aus dem Haufen Schrott eine solide Wertanlage geworden. Und Käßler wäre kein Autohändler, wenn er seinen Besitz nicht zu Geld machen wollte: "Ich biete hier eine absolute Rarität, sozusagen ein Museumsstück, zum Kauf an", schwärmt er. 13.999 Euro soll der Wagen kosten. Dafür bekommt man schon einen besser ausgestatteten VW Polo, Baujahr 2015.

Dabei hätten die meisten Leute für Käßlers Trabant lange Zeit keinen Pfifferling gegeben. Nach dem Mauerfall waren Trabis die ersten Autos, die über die innerdeutsche Grenze Richtung Westen fuhren. Die emotionsgeladenen Bilder gingen in die Geschichtsbücher ein. Doch dann wollte die skurrilen Ost-Mobile niemand mehr haben. Die befreiten DDR-Bürger waren heiß auf Mercedes, BMW und die anderen West-Fabrikate, die sie jahrzehntelang nur im Fernsehen bewundern durften. Die Gebrauchtwagenpreise stiegen und stiegen, selbst die abgerocktesten Karren konnten West-Händler an die Ostdeutschen verkaufen.

Die Trabis indes hatten nur noch Schrottwert. Die Technik war hoffnungslos veraltet, das Image der Fahrzeuge schlecht. Viele von den Ost-Wagen wurden auf dem Müll oder im Wald entsorgt. Nur einige Liebhaber und pfiffige Spekulanten stellten sich ein Exemplar weg. Die Geduld zahlt sich aus: Heute kosten gut erhaltene beziehungsweise restaurierte Trabanten 10.000 Euro und mehr.

Der Wagen stand in einer klimatisierten Lagerhalle

Der Trabi aus Seelow ging 1990 in ein Autohaus nach Mellrichstadt in Unterfranken, direkt hinter der thüringischen Grenze. Der Inhaber sammelte in einer unterirdischen, klimatisierten Lagerhalle historische Fahrzeuge, darunter alte NSU, Horch und Opel-Fahrräder. Der panamagrüne Trabant war eines der Fahrzeuge.

Erst als die Autos einen gewissen Wert erlangt hatten, wollte sich der Besitzer von ihnen trennen. Durch Insider habe er davon erfahren, berichtet Christian Käßler. Prompt fuhr er mit dem Hänger nach Mellrichstadt und überführte den Trabant nach Seelow.

Er habe eine Trabi-Macke, sagt der 39-Jährige. Zehn Jahre sei er mit einem Trabant-Tourenwagen im Rennsport unterwegs gewesen. Darüber hinaus besitzt Käßler ein alltagstaugliches Exemplar von 1982. Schon seine Eltern fuhren Trabant - aber nur gebrauchte, denn auf einen neuen musste man in der DDR 10 bis 15 Jahre lang warten. Jetzt besitzt der Sohn einen Trabi im Neuwagen-Zustand. "Meine Eltern hätten sich über solch einen Wagen gefreut", sagt er.

Der Trabant wurde mit "Elaskon" konserviert

Um den Status Quo zu erhalten, hat Käßler den panamagrünen Trabant mit Elaskon konserviert - einem Rostschutzmittel, das es schon zu DDR-Zeiten gab. Im Osten hat es einen guten Ruf, es soll zuverlässig vor Korrosion schützen. Die Fachzeitschrift "Oldtimer Markt" kam in einem Langzeittest allerdings zu weniger guten Ergebnissen.

Verkaufen will Käßler das gute Stück nur an Liebhaber. Ein Zahnarzt aus Düsseldorf hat Interesse bekundet und ein Spediteur aus Tschechien, ansonsten hält sich die Nachfrage in Grenzen. "Viele können sich den guten und präzisen Zustand nach so vielen Jahren schwer vorstellen", sagt er. Den einzigen ernsthaft interessierten Käufer lehnte wiederum der Autohändler ab: Der Mann habe den Trabi unter einen Carport stellen wollen, sagt Käßler kopfschüttelnd. Ein Trabi an der frischen Luft, unvorstellbar.

Kultobjekt made in DDR - Der Trabi



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insgesamt 56 Beiträge
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Seite 1
pirx64 01.10.2015
1.
nur weil 25 Jahre alt und im Zustand neu wird die Karre nicht besser, stinkender Zweitakter
Dieter Sonnenschein 01.10.2015
2. Zweitakter oder nur noch der Viertakter?
Das ist hier die Frage...
Dieter Sonnenschein 01.10.2015
3. Rätsel gelöst
...mit Wartburg verwechselt... ;-)
c.PAF 01.10.2015
4.
Noch nie zugelassen? Na prima, dann wird es auch nichts mehr mit einer Zulassung werden, da die Kiste die erforderlichen Abgaswerte bei Erstzulassung nicht einhalten kann. Dumm gelaufen. Eine Tageszulassung im Jahr 1989 wäre die Lösung gewesen...
Ekatus Atimoss 01.10.2015
5. Knuffig...
...aber ist der Wagen überhaupt noch zulassungsfähig? 2Takt Vergaser...
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