Traum vom Hightech-DeLorean Magnete für Millionen

Der Automotive X-Prize ist das sparsamste Autorennen der Welt: Wer gewinnen will, darf auf 100 Meilen nur eine Gallone Kraftstoff verbrauchen. Air Ship Technologies will einen aufgemotzten DeLorean ins Feld schicken - vorausgesetzt, die mysteriöse Technologie der Nobody-Firma funktioniert.

Von Lasse Hinrichs


Wer den mit zehn Millionen Dollar dotierten Automotive X-Prize gewinnen will, muss ein serientaugliches Fahrzeug entwickeln, das umgerechnet mit maximal 2,35 Liter auf 100 Kilometern auskommt. 116 Teams aus aller Welt haben sich für die Wettfahrt beworben.

Die bislang völlig unbekannte Air Ship Technologies Group aus Oregon möchte gerne mit einem umgerüsteten DeLorean teilnehmen. Bis zum Startschuss im Herbst 2009 in New York soll der windschnittige Flügeltürer aus den achtziger Jahren - besser bekannt als Zeitmaschine aus "Zurück in die Zukunft" - über Magnetantrieb, Luftkissen-Technologie und Lithium-Ionen-Akkus verfügen. Das klingt arg futuristisch, und bisher haben die Tüftler auch nicht mehr als ein paar Bildchen und eine Webseite zu bieten. Das Herzstück des geplanten Antriebs bilden vier sogenannte Track Spheres. Dabei handelt es sich laut Firmenangaben um vier Stahl-Hohlkörper, die mit Hilfe von Elektromagneten ein starkes Kraftfeld erzeugen. Die fungieren gewissermaßen als Räder des 1244,2 Kilogramm schweren Sportwagens und setzen ihn in Bewegung.

Die dafür notwendige Energie soll ein Lithium-Ionen-Akku liefern. Die Reichweite soll bei rund 640 Kilometern liegen. Intelligent im Fahrzeug verteilte Luftkissen sorgen nach Angaben des Herstellers für Stabilität und entspanntes Gleiten ohne Reibungsverluste.

Autos mit Magnetantrieb - ist denn schon wieder April? "Wir arbeiten bereits seit 18 Monaten an der Track-Sphere-Technologie", behauptet Vorstandschef Ben Berry und versucht, Zweifel an seinem obskuren Projekt zu zerstreuen. "Keines der Fahrzeuge, die beim X-Prize erwartet werden, zeigt eine solche Agilität wie der DeLorean ATG."

Spritsparrennen in zwei Klassen

Das mag so sein - der Vorteil vieler der weniger agilen Konkurrenzteams ist allerdings, dass sie bereits ein fahrtaugliches Vehikel und eine Teilnahmebestätigung der Jury haben. Berry hat bislang nur eine exzentrische Idee - Fotos des Prototypen gibt es nicht.

Der Automotive X-Prize gliedert sich in die Kategorien Mainstream und Alternativ. Während sich die Mainstream-Klasse eher an konventionellen Autos orientiert (die Fahrzeuge müssen Platz für vier Personen bieten und über vier Räder verfügen), bietet das Segment Alternativ den Teams die Möglichkeit, Innovationen zu zeigen. Je nach Klassement ist der Sieg mit 7,5 Millionen und 2,5 Millionen Dollar dotiert. Die Qualifikationsrennen starten im Herbst 2009, Mitte 2010 soll das Finale stattfinden.

Mit dem DeLorean zurück in die Zukunft?

"Auch wenn wir das Rennen nicht gewinnen", teilte Berry SPIEGEL ONLINE mit, "werden wir weiter an der Entwicklung und der Markteinführung der DeLorean-ATG-Track Spheres arbeiten." Mit den verrückten Ideen des Wissenschaftlers Emmett "Doc" Brown aus "Zurück in die Zukunft" kann Berrys Konzept allemal mithalten. Der hatte am Ende des Films sogar einen flugfähigen DeLorean DMC-12 - aber das war ja auch Hollywood.

Korrektur: In einer früheren Version dieses Artikel hieß es, der DeLorean ATG schwebe über einem Magnetfeld. Dies ist nicht korrekt. Wir bitten, den Fehler zu entschuldigen.



© SPIEGEL ONLINE 2008
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.