Tretauto-Kunstprojekt: Porsche mit Pedalen

Von Jürgen Pander

Fahrzeuge abseits der Norm liegen Hannes Langeder am Herzen. Als Hommage an den Porsche 911 hat der Künstler den Ferdinand GT3 entworfen. Anders als sein Zuffenhausener Vorbild kommt der goldene Zweisitzer jedoch ohne Verbrennungsmotor aus.

Porsche-Tretauto: "Es muss noch langsamer werden" Fotos
Michel Mar

Hannes Langeder, hat umgesattelt, gewissermaßen. Der Linzer Künstler baute früher vornehmlich Fahrräder, bizarre meistens, mit Namen wie Mrimfaxi, Skinfaxi und Wurzelsepp. Sein jüngstes Kunstprojekt ist hingegen eine Auto-Fahrrad-Kreuzung. Ferdinand GT3 heißt sein Tandemfahrrad, das in der originalgetreu nachgebildeten Karosserie eines Porsche 911 GT3 RS verborgen ist.

Langeder nennt den mit Goldfolie überzogenen Pedal-Porsche ein "mobiles Art-Mimikry-Objekt". Er wählte einen Neunelfer aus, weil "der Porsche eine Art Archetyp des Autos ist". In Stuttgart-Zuffenhausen wird die überraschende Hommage, die in Österreich übrigens auf öffentlichen Straßen gefahren werden darf, bislang hartnäckig ignoriert. "Ich hätte es ganz nett gefunden, wenn sich Porsche mal gemeldet hätte", sagt Langeder, "denn mein Ferdinand GT3 ist ja kein böswilliger Akt, sondern eher eine positive Vision für die Zukunft."

Während der vergangenen Monate stand der Ferdinand GT3 im Museum in Linz, und einmal pro Woche unternahm Langeder mit einem interessierten Museumsbesucher eine gemeinsame Ausfahrt quer durch die Stadt. "Man ist bei einer solchen Fahrt sehr aufeinander angewiesen, denn nur wenn man gemeinsam in die Pedale tritt, kommt man auch anständig vorwärts", sagt der Künstler, der privat übrigens einen Ford Transit fährt.

Der Ferdinand GT3, keck als langsamster Porsche der Welt gepriesen, soll in Zukunft noch gemächlicher werden. Langeder will die Übersetzung deutlich verkleinern, um auch steilere Anstiege hinauffahren zu können und um das futuristische Ideal der maximalen Geschwindigkeit noch radikaler in Frage zu stellen. "Bei einem normalen Fahrrad fällt man ja um, wenn man ein gewisses Tempo unterschreitet. Beim Ferdinand kann das nicht passieren, denn der ist ja ein Auto mit vier Rädern."

Sehr langsam, sehr goldig, sehr speziell

Wenn der goldfarbene Tret-Porsche durch Linz rollt, ist das natürlich eine Schau. Er sei zunächst skeptisch gewesen, wie wohl Passanten und vor allem andere Autofahrer das schnittige und doch so langsame Kunstobjekt aufnehmen würden. Die Bedenken erwiesen sich jedoch als unbegründet. "99 Prozent der Reaktionen sind positiv", berichtet Langeder, "bisweilen sind die Leute sogar richtig euphorisch."

Langeder ist die Feststellung wichtig, dass der Ferdinand GT3 eben kein weiteres verrücktes Kunstdingsbums ist, sondern der Versuch, sich durch Imitation an das wirkliche Leben anzunähern. Mimikry versteht er eben nicht als Abwehr möglicher Feinde, sondern vielmehr als Lockmittel, um sich beispielsweise mit der Frage nach der angemessenen Geschwindigkeit zu beschäftigen. "Im übrigen", sagt der Mann aus Linz, der die mobile Welt demnächst erneut überraschen will, "wäre es doch überlegenswert, ob wir nicht alle goldene Autos fahren sollten."

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insgesamt 14 Beiträge
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1. Saubere Arbeit
Peter E. Funck 09.11.2010
Einfach genial, das alles!
2. Brilliant!
Pulvertoastmann 09.11.2010
Das Ding hat deutlich mehr Stil als ein echter Porsche, so viel ist sicher...
3. Porsche - bitte melden und Lob aussprechen !
stefanaugsburg 09.11.2010
Und daß Zuffenhausen nicht 'mitspielt' und sich nicht mal meldet, zeigt, daß die Herren bei Porsche offensichtlich keinen 'Stil' haben, typisch Deutsch halt ... ;-)
4. Porsche!
Electricdawn 09.11.2010
Kann mich dem bisherigen Tenor nur anschliessen. Das ist mal eine richtig "heisse" Kiste. Wunderbar! Porsche, da muss ein Lob her! "Imitation is the sincerest form of flattery."
5. Klasse,
George712 09.11.2010
gibts das auch als Ford Mustang? :) Eins sehr schöne Art sich einen Traum zu erfüllen..
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