Liefermoped Tripl Hier fährt ein Kofferraum

Halb Cargobike, halb Moped: Das dänische E-Lastenmoped Tripl soll Pakete umweltfreundlich an die Haustüre liefern. In Hamburg kommt es bereits zum Einsatz - erfolgreich, aber nicht ganz ohne Probleme.

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Die Hamburger Elbphilharmonie ist für Touristen uninteressant - zumindest, wenn Marcel Löscher in der umliegenden Hafencity arbeitet. Dann richten sich die Blicke der Passanten nicht auf das Konzerthaus, sondern auf den Paketzusteller, was an seinem ungewöhnlichen Gefährt liegt. Löscher fährt einen von acht Tripl des Paketdienstes DPD.

Dieses Elektromoped kommt aus Dänemark und erinnert an die dreirädrigen Fahrräder, mit denen früher der Eismann seine Runden am örtlichen Badesee gedreht hat. Die Aufmerksamkeit, die Löscher erregt, ist ähnlich: "Mit 'nem DPD-Ferrari würden mich weniger Leute ansprechen", sagt er lachend.

Eigentlich ein Roller

In einen Ferrari würden auch deutlich weniger Pakete passen: Die Zuladung des Kleinkraftrads liegt bei 200 Kilo, die Höchstgeschwindigkeit bei 45 km/h. Für dicht besiedelte Wohngebiete mit vielen einzelnen Zustellungen ist er ideal, vor allem wegen der Zulassung als Kleinkraftrad: "Im Endeffekt ist das ein Roller. Also kann ich auf dem Gehweg stehen, solange noch ein Kinderwagen und ein Radfahrer aneinander vorbeipassen", erklärt Löscher.

Während seine Kollegen die Pakete bis zu 100 Meter vom Transporter bis zum Kunden schleppen müssen, rollt Löscher mit dem Tripl in der Hafencity bis vor die Haustür - ganz ohne Abgase. Bei den Empfängern trifft der E-Antrieb offenbar einen Nerv: "Ich bestelle nicht bewusst anders, weil manche Paketboten elektrisch fahren, aber finde das super. Das sollte langsam selbstverständlich sein", sagt eine Kundin.

Endgegner Kopierpapier

Das ist jedoch nicht einfach umzusetzen. Zwar ist die Tour durch die Hamburger Hafencity eigentlich perfekt für den Tripl, weil viele Stopps auf kurzer Strecke zu absolvieren sind. Immer mehr Kunden bekommen jedoch einfach zu viele Pakete für den kleinen Laderaum - oder eben zu sperrige: "Sobald jemand eine Ladung Kopierpapier bekommt wird's schwierig, das packt der Tripl nicht", so Löscher. Solche Lieferungen erledigt deshalb immer noch ein Kollege mit einem Transporter.

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Tripl: Elektrisch geliefert

Trotzdem entlastet der Tripl die Straßen des Viertels, denn Löschers Kollegen in Kleintransportern müssen jetzt nur noch das ausliefern, was der Tripl nicht schafft. Dadurch steht nicht alle paar Meter ein Paketbote in zweiter Reihe und es entstehen auch weniger Abgase. Einmal, weil der Tripl lokal emissionsfrei fährt - und weil die Diesel-Transporter durch die längeren Strecken zwischen den einzelnen Lieferadressen deutlich seltener unter Volllast anfahren müssen.

Paketdienste müssen Erfahrung sammeln

Trotzdem ist das E-Moped bei DPD immer noch in der Testphase, erklärt Firmensprecher Peter Rey: "Uns fehlt bisher noch die Erfahrung, wie viele Tripl einen Van ersetzen. Aber in manchen Gegenden kann ein Lastenrad den Transporter eins zu eins ersetzen." Und damit rund fünf Tonnen CO2 einsparen.

Kleine Zustellfahrzeuge wie der Tripl verbessern nicht nur die Umweltbilanz der Logistikbranche, sie könnten sie auch zum Innovationstreiber der Verkehrswende machen. So betreibt beispielsweise die Deutsche Post mit rund 6000 Streetscootern sowie rund 12.000 E-Bikes die größte elektrisch angetriebene Fahrzeugflotte in Deutschland - und möchte die alternativen Antriebe auch bei der Pakettochter DHL weiter ausbauen: "Bis zum Jahr 2025 sollen 70 Prozent der Zustellung mit sauberen Alternativen erfolgen", erklärt Markus Reckling, Geschäftsführer von DHL Express.

"Der Markt für Citylogistik verändert sich rapide", meint auch Bernd Heid, Experte für Nutzfahrzeuge bei der Unternehmensberatung McKinsey. Die E-Mobilität und das autonome Fahren machen rasante Fortschritte, so Heid: "Diese Faktoren zusammen sorgen dafür, dass der Markt für Citylogistik in zehn Jahren fundamental anders aussehen wird als heute." Chancen für größere Marktanteile der kleinen Lieferfahrzeuge wie dem Tripl sieht er in engen Innenstädten. Außerdem könnte das autonome Fahren den kleinen Nutzfahrzeugen einen zusätzlichen Wachstumsschub verleihen - denn dadurch werden die Lieferungen deutlich billiger.

Kleine Depots fehlen

Kleinere Lieferfahrzeuge brauchen jedoch auch eine Veränderung der gesamten Logistik: Denn die Zustellrouten von Tripl, Lastenrad und Co. sind deutlich kürzer als die eines Diesel-Transporters. Die kleinere Reichweite von etwa 144 Kilometern, vor allem aber der kleinere Stauraum, begrenzen die Länge ihrer Routen. Das klassische Paketdienstmodell mit großen Transportern und riesigen Depots auf billigen Flächen im Nirgendwo lässt sich auf Tripl und Lastenrad nicht übertragen. Der entscheidende Baustein für eine umweltfreundliche Zustellung sind deshalb kleine Depots im Zustellgebiet, in denen der Tripl mehrmals aufgefüllt wird. In diesen dicht besiedelten Gebieten ist der Platz jedoch meistens knapp und dementsprechend teuer. Bei der Einrichtung solcher Mikrodepots sind die Firmen daher auf die Unterstützung der Städte angewiesen, erklärt Markus Reckling.

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Elektrolieferwagen: Einladen, ausladen, aufladen

Auch in der Hafencity fehlt ein solches Depot, der Tripl muss bisher in einem rund zehn Kilometer entfernten Lager beladen werden. Dann geht es für Marcel Löscher ins Zielgebiet. Sobald der Laderaum nach rund 80 Kilometern leer ist, geht es zurück. Trotzdem vermisse er im Vergleich zum klassischen Transporter nichts, erklärt er - außer dem großen Ladevolumen.

Mehr Fahrspaß als ein Transporter

Auf der Fahrt vom Depot ins Zustellgebiet kann der Tripl seine zweite große Stärke ausspielen: Denn er macht - im Gegensatz zum Transporter - trotz der geringen Höchstgeschwindigkeit jede Menge Spaß: "Der geht richtig gut, vor allem, wenn man den Boost-Knopf drückt. Da hat vorhin einer im Porsche überrascht geguckt, als ich ihn an der grünen Ampel stehen gelassen habe." Der Tripl leistet zwar nur 4,6 PS - mobilisiert auf Knopfdruck aber stolze 194 Nm Drehmoment.

Der Fahrspaß sei auch ein Vorteil für DPD, erklärt Sprecher Peter Rey: "Nicht jeder fährt gern Lastenrad. Tripl begeistert wirklich alle unsere Zusteller." Auch Marcel Löscher möchte das Lastenmoped auf keinen Fall tauschen - selbst wenn der Transporter eines Tages elektrisch werden sollte. "Wenn das Ding 80 km/h schnell wäre und ein bisschen mehr Reichweite hätte, würde ich es sogar privat fahren", sagt er. Ein großes Kompliment für ein 12.300 Euro teures Liefermoped.



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Fragende_Leere 17.10.2018
1. Fundamental anders?
Früher (heute weiß ich es einfach nicht) gab es in GB schon den elektrisch ausliefernden Milchmann. Aber gut: euphorisch geschriebener Bericht, ich lasse mich anstecken vom Elektrohype: habe mir direkt ein ZUSÄTZLICHES E-Fahrrad bestellt, Segway in Planung für Strecken, die ich donst gelaufen wäre und am besten nur noch elektrisch bestellen, wenn ich sonst selbst eingekauft hätte. Meine Heckklappe, Sitze und Außenspiegel sind auch elektrisch, hurra, ich bin Teil der E-Community!
scxy² 17.10.2018
2. Auf den Gehweg parken?
Darf kein Motorfahrzeug. Dass das mancherorts geduldet wird, ändert nichts daran. Mit solchen Brocken wird die Geduld von Ordnungshütern und Passanten deutlich stärker strapaziert als mit einem Motorroller.
fatherted98 17.10.2018
3. Unsere Straßen...
...sind für solche Fahrzeuge nicht ausgelegt. Für den normalen Verkehrsfluss ein Hindernis....werden wohl hauptsächlich dann auf Geh- und Radwegen abgestellt und behindern dadurch wiederum Fußgänger und Radler. Diese Konzepte bedürfen einer vorherigen Stadtplanung....so ergibt das nur mehr Chaos und Unmut beim Bürger.
Bell412 17.10.2018
4. Einziger Nachteil:
Wenn demnächst das Novemberwetter tatsächlich zuschlagen sollte und eine ganze Schicht im kühlen Regenwetter gefahren werden muss, wird es doch etwas unangenehm. Bei Kälte würde mich zudem der Leistungs- und Kapazitätseinbruch der Akkus interessieren, da ist sicherlich deutlich vor den nominell 144 km Reichweite Schluss.
plesseland 17.10.2018
5.
Um Lithium zu gewinnen, das dann die ganzen Umweltfreundlichen E-Flotten antreibt, zerstören wir im Lithium-Dreieck zwischen Bolivien, Argentinien und Chile die empfindlichen Ökosysteme und beuten Menschen mit unsagbaren Arbeitsbedingungen aus.. Die Politiker, die den Rodungsstop im Hambacher Forst als Sieg des Umweltschutzes feiern, fordern zugleich mehr E-Mobilität! Zur Erinnerung, Frau Künast feierte schon die deutschen Landwirte als Ölscheichs Deutschland um sich heute bitterlich über die Monokulturen der gefeirten Ölscheichs bitterlich zu beklagen.
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