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14. November 2012, 12:40 Uhr

Studie

TÜV beklagt mangelnde Sicherheit von Bussen

Laut TÜV haben gut 15 Prozent der Busse in Deutschland so schwere Mängel, dass sie bei der Hauptuntersuchung im ersten Anlauf durchfallen. Das Problem verschlimmert sich seit einigen Jahren - und gewinnt im Hinblick auf den liberalisierten Fernverkehr an Bedeutung.

Defekte Beleuchtung, Rost, Motorschäden - bei der Sicherheit von Bussen wird immer mehr geschlampt. Das geht aus dem nun veröffentlichten Bus-Report des Verbands der Technischen Überwachungsvereine (VdTÜV) hervor. Demnach stieg der Anteil der Fahrzeuge mit erheblichen Mängeln im Vergleich zum Vorjahr von 13,8 auf 15,2 Prozent. In der Auswertung des Jahres 2010 hatte er bei 12,4 Prozent gelegen.

Liegen erhebliche Mängel vor, verweigern die Prüfer bei der Hauptuntersuchung die Vergabe der Plakette. Geringe Mängel, die nicht weiter gravierend sind, wiesen laut Report rund 30 Prozent der Busse auf. Besonders häufig wurden Probleme an der Beleuchtung festgestellt, auffällig waren auch Motormängel, Rostschäden und Probleme an Achsen.

"Verkehrsunsicher" sind nach den TÜV-Kriterien 0,2 Prozent der zur Hauptuntersuchung vorgeführten Busse. Hochgerechnet auf den gesamten Fahrzeugbestand bedeute dies, dass insgesamt 160 der in Deutschland verkehrenden Busse sofort stillgelegt werden mussten, rechnen die Experten vor.

Busverkehr wird zunehmen

Sind die Straßen also voller klappriger Busse? Klaus Brüggemann wiegelt ab: "Rein statistisch" sei der Bus "eines der sichersten Verkehrsmittel überhaupt", sagt der VdTÜV-Geschäftsführer. Er verwies darauf, dass es an 54,6 Prozent der untersuchten Fahrzeuge nichts zu beanstanden gegeben habe.

"Durch die Liberalisierung des Fernverkehrs wird die Bedeutung der Reisebusse noch zunehmen", prognostizierte Brüggemann. Ab 1. Januar 2013 dürfen Busse ohne besondere Genehmigung auf allen Strecken über 50 Kilometer Fahrgäste befördern. Experten erwarten nun einen Preiskampf unter den verschiedenen Anbietern. Brüggemann fordert deshalb, besonders auf den Zustand der Transportmittel zu achten. "Die Sicherheit für die Fahrgäste muss immer an erster Stelle stehen", sagt er.

Für ihren Report werten die TÜV-Experten jährlich rund 50.000 Hauptuntersuchungen von Reise- und Linienbussen aus. Fahrzeuge zur Personenbeförderung ab acht Sitzplätzen müssen jährlich zum Check. Zu Jahresbeginn waren in Deutschland laut Kraftfahrtbundesamt rund 76.000 Kraftomnibusse zugelassen.

cst/dpa/dapd

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