Studie: TÜV beklagt mangelnde Sicherheit von Bussen

Wartungsarbeiten an einem Bus: "Sicherheit für die Fahrgäste immer an erster Stelle" Zur Großansicht
dapd

Wartungsarbeiten an einem Bus: "Sicherheit für die Fahrgäste immer an erster Stelle"

Laut TÜV haben gut 15 Prozent der Busse in Deutschland so schwere Mängel, dass sie bei der Hauptuntersuchung im ersten Anlauf durchfallen. Das Problem verschlimmert sich seit einigen Jahren - und gewinnt im Hinblick auf den liberalisierten Fernverkehr an Bedeutung.

Defekte Beleuchtung, Rost, Motorschäden - bei der Sicherheit von Bussen wird immer mehr geschlampt. Das geht aus dem nun veröffentlichten Bus-Report des Verbands der Technischen Überwachungsvereine (VdTÜV) hervor. Demnach stieg der Anteil der Fahrzeuge mit erheblichen Mängeln im Vergleich zum Vorjahr von 13,8 auf 15,2 Prozent. In der Auswertung des Jahres 2010 hatte er bei 12,4 Prozent gelegen.

Liegen erhebliche Mängel vor, verweigern die Prüfer bei der Hauptuntersuchung die Vergabe der Plakette. Geringe Mängel, die nicht weiter gravierend sind, wiesen laut Report rund 30 Prozent der Busse auf. Besonders häufig wurden Probleme an der Beleuchtung festgestellt, auffällig waren auch Motormängel, Rostschäden und Probleme an Achsen.

"Verkehrsunsicher" sind nach den TÜV-Kriterien 0,2 Prozent der zur Hauptuntersuchung vorgeführten Busse. Hochgerechnet auf den gesamten Fahrzeugbestand bedeute dies, dass insgesamt 160 der in Deutschland verkehrenden Busse sofort stillgelegt werden mussten, rechnen die Experten vor.

Busverkehr wird zunehmen

Sind die Straßen also voller klappriger Busse? Klaus Brüggemann wiegelt ab: "Rein statistisch" sei der Bus "eines der sichersten Verkehrsmittel überhaupt", sagt der VdTÜV-Geschäftsführer. Er verwies darauf, dass es an 54,6 Prozent der untersuchten Fahrzeuge nichts zu beanstanden gegeben habe.

"Durch die Liberalisierung des Fernverkehrs wird die Bedeutung der Reisebusse noch zunehmen", prognostizierte Brüggemann. Ab 1. Januar 2013 dürfen Busse ohne besondere Genehmigung auf allen Strecken über 50 Kilometer Fahrgäste befördern. Experten erwarten nun einen Preiskampf unter den verschiedenen Anbietern. Brüggemann fordert deshalb, besonders auf den Zustand der Transportmittel zu achten. "Die Sicherheit für die Fahrgäste muss immer an erster Stelle stehen", sagt er.

Für ihren Report werten die TÜV-Experten jährlich rund 50.000 Hauptuntersuchungen von Reise- und Linienbussen aus. Fahrzeuge zur Personenbeförderung ab acht Sitzplätzen müssen jährlich zum Check. Zu Jahresbeginn waren in Deutschland laut Kraftfahrtbundesamt rund 76.000 Kraftomnibusse zugelassen.

cst/dpa/dapd

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1. vielleicht
and_over 14.11.2012
hätte der TÜV-Mensch den verschärften HU-Katalog erwähnen sollen, nach dem seitherige Pillepalle-Mängel zu erheblichen Mängeln wurden. Nicht, dass da die Prüforgiisationen was damit zu tun hätten...
2. Die Politik will es nicht wissen!
Setra22 14.11.2012
In Greiz (Kreisstadt in Ostthüringen) haben in den letzten 4 Jahren 3 Linien-Busse gebrannt, (Totalverluste). Die Aufsichtsratsvorsitzende (=CDU-Landrätin) will nicht davon wissen. Informationen an die Öffentlichkeit: keine. Alles ist perfekt. Anfragen werden abgebürstet, die Fragesteller dumm gemacht. Auch die Landesbehörden von Thüringen sehen bei so einer Häufung keinen Grund zun Handeln. So lang "Geiz ist Geil" regiert, wird sich da nichts ändern!
3.
c.PAF 14.11.2012
Wenn man sieht, welche Mängel jetzt zu einer Verweigerung der Plakette führen (z.B. Nummerschildbeleuchtung defekt), dann wundert mich diese Quote nicht. Der TÜV hat doch selbst dafür gesorgt, daß die Regeln so verschärft werden. Und mal im Ernst, eine defekte Nummernschildbeleuchtung hat definitiv nichts mit Verkehrsscherheit zu tun. Der TÜV ist einfach nur Geldgeil und versucht, mit (teilweise) abstruser Panikmache Lobbyarbeit zu betreiben.
4. optional
JuppZupp 14.11.2012
Noch perfider finde ich eine defekte Nummernschildbeleuchtung aufzuschreiben wenn das Schild selbst leuchtet (von 3M, ganze Fläche mit LEDs hinterleuchtet) und deshalb natürlich keine Birnen mehr in den Fassungen sind.
5.
Harry65 15.11.2012
Wenn 0,2 Prozent der zur Hauptuntersuchung vorgeführten Busse verkehrsunsicher sind, dann sind 99,8% sicher. Der TÜV lanciert bewußt bad news. Es ist schlimm, daß die Presse dem TÜV stets auf den Leim geht.
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