Tuning Versicherer melden "Fotografieren und ordentlich angeben"

Autofahrer, die ihren Wagen getunt oder nachgerüstet haben, sollten den Mehrwert bei ihrer Versicherung angeben. Anderenfalls könnten sie auf dem Schaden sitzen bleiben.


Berlin - Für mehr Leistung, breitere Reifen, eine aufwändige Soundanlage oder schicke Ledersitze greifen die Autofahrer tief ins Portemonnaie. "Gut 4,5 Milliarden Euro geben die Bundesbürger dieses Jahr aus, um ihr Auto optisch oder technisch aufzuwerten", sagt Hans-Jörg Köninger vom Verband deutscher Automobiltuner: "Wir schätzen, dass rund zehn Prozent aller Fahrzeugbesitzer irgendwie ihr Fahrzeug tunen."

Ulrich Brock vom Bundesverband Deutscher Versicherungskaufleute warnt zugleich: "Vor lauter Freude über das aufgewertete Gefährt vergessen viele, dass sie den neuen Mehrwert auch ihrer Versicherung beziffern müssen, sonst kann es im Schadenfall übel ausgehen." Denn ungeachtet allgemeiner Kaufzurückhaltung blättern manche Autoliebhaber schnell sogar einige Tausender zusätzlich hin - zum Beispiel für Dachträger, Aluminiumräder und Sitzheizung. Doch ohne Belege für deren Wert gibt es von der Versicherung für alle Extras nur 500 oder tausend Euro, je nach Vertrag.

Denn nach einem Diebstahl oder Brand des Wagens entscheiden nur Beweise über den Schadenersatz. Eine Behauptung zählt nicht. "Rechnungen aufbewahren, die Ausstattungen fotografieren, vor Bekannten ordentlich angeben", dass sind laut Brock "drei bewährte Beweismethoden, die zu mehr Geld von der Teilkasko führen". Bekannte können beispielsweise Zeugen dafür sein, dass ein teurer Sondersitz tatsächlich eingebaut war.

Rund hundert Zusatz-Ausrüstungen werden von den Versicherungsgesellschaften ohne Beitragserhöhung gedeckt. Sie stehen in der Liste des Teilkaskovertrages, reichen von Abschleppseil und Auspuffblende über Leselampe oder Sitz bis hin zu Zusatz-Armaturen und Zusatz-Tank. Selbst die Freisprecheinrichtung ist mitversichert, nicht jedoch das Handy selber.

Mit Beitragserhöhungen reagieren die Versicherer nur auf etwa drei Dutzend Extras, die im Vertrag festgehalten werden. Oder der Autobesitzer wählt gleich einen Tarif, der auch die Luxusausstattung umfasst - wie eine Bar oder Panzerglas, ein Fernseher oder Höhenmesser, aber auch Radio und Boxen für mehr als 500 Euro.

"Wer die Autoausstattung aufrüstet, sollte den Versicherungskaufmann fragen, ob auch der Vertrag sicherheitshalber geändert werden muss", empfiehlt Brock als Konsequenz aus so mancher enttäuschten Erwartung auf Entschädigung. Auch Mehrleistungen, egal ob per Chip oder aufwändigere Tuningmaßnahmen, müssen in jedem Fall angegeben werden. Sonst drohen im Schadensfall der Verlust des Versicherungsschutzes in der Kasko und Regress in der Haftpflicht.



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