Tunnel-Rettungswagen: Flucht nach vorn - und hinten

Wenn in einem Tunnel ein Feuer ausbricht, wird er oft zur tödlichen Falle. Auch, weil es keine geeigneten Rettungsfahrzeuge gibt - denn wie die Menschen brauchen auch Verbrennungsmotoren Luft zum Atmen. Ein neues Einsatzfahrzeug verspricht nun Mobilität in allen Gefahrenlagen.

Tunnel-Rettungsfahrzeug: Der Elektro-Retter Fotos
Ziegler

Autourlauber, die in diesem Sommer auf der Autobahn A8 in Kroatien durch den fünf Kilometer langen Ucka-Tunnel (zwischen Rijeka und Istrien) fahren, werden sich womöglich über ein seltsames Fahrzeug wundern: den Tunnel-Rettungswagen Merkur des schwäbischen Hersteller Ziegler. Das erste Modell dieses Typs wird nämlich in diesen Tagen vom kroatischen Autobahnbetreiber Bina Istra in Dienst gestellt; und zwar am Ucka-Tunnel, der im ADAC-Straßentunneltest von 2004 durch die Note "mangelhaft" auffiel, weil es kaum Rettungswege oder Lüftungseinrichtungen gab.

Die Situation hat sich seither nicht grundlegend verändert, doch nun wird immerhin das erste spezielle Tunnel-Rettungsfahrzeug dort stationiert. Es handelt sich um ein Auto mit Elektroantrieb und zwei identischen Fahrerkabinen an jedem Ende; so fährt der Wagen auch noch bei akutem Sauerstoffmangel, wie er bei einem Brand im Tunnel herrscht, und er lässt sich problemlos hinein- und herausfahren, ohne dass man das Fahrzeug in der Röhre wenden müsste. Der Fahrer muss einfach nur die Kabine wechseln, schon lässt sich der Merkur von da steuern, wo vorher noch das Heck war.

Orientierung per Wärmebildkamera

Im Rettungsauto Merkur finden, neben dem Fahrer und ein oder zwei Rettern, zwölf Menschen Platz, und natürlich gibt es ebensoviele Sauerstoffmasken, die von insgesamt 14 Flaschen mit je 50 Liter Druckluft gespeist werden. Je ein Eingang auf jeder Seite steht zur Verfügung. Ein leichter Überdruck in der Kabine soll das Eindringen von Rauch verhindern, ebenso PVC-Vorhänge vor den Eingängen.

Die Herstellerfirma sagt, der Wagen könne bis zu einem Meter an den Brandherd heranfahren, da ein Sprühsysstem einen Sprühnebel um das gesamte Auto verteilt. Eine Technik, die übrigens auch bei Spezialeinsatzfahrzeugen für Waldbrände installiert ist.

Um das Fahrzeug auch im dichten Qualm sicher lenken zu können, kann sich der Fahrer auch per Wärmebildkamera orientieren. Die beiden E-Motoren des Fahrzeugs leisten je 95 kW (125 PS) und mit vollen Akkus wäre es möglich, vier Stunden lang mit der Höchstgeschwindigkeit von 60 km/h zu fahren. Das wird bei einem Rettungseinsatz kaum nötig sein. Das erste Merkur-Modell, das jetzt in Kroatien in Dienst gestellt wird, kostete übrigens laut Herstellerangaben rund 800.000 Euro.

jüp

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insgesamt 25 Beiträge
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1. PVC-Vorhänge vor den Eingängen
k-3.14 08.06.2012
Also irgendwie kommt mir da der Einsatz von PVC etwas seltsam vor. Da sollte es doch Besseres geben.
2. vorausgesetzt,
Aözer 08.06.2012
daß je ein Motor für Vorwärts- und Rückwärtsfahrt genutzt wird, müssen die Batterien immerhin noch eine Kapazität von mind. 380 kWh haben. Erstaunlich, daß in dem relativ kleinen Fahrzeug, daß auch noch Platz für die Menschen bieten muß, soviel Batterieraum vorhanden ist ;-) Und: 14 Flaschen mit je 50 Liter = 700l Luft unkomprimiert - das wäre nur ein kleiner Bruchteil der im Fahrzeug sowieso vorhandenen Luft.
3. vorausgesetzt,
Aözer 08.06.2012
daß je ein Motor für Vorwärts- und Rückwärtsfahrt genutzt wird, müssen die Batterien immerhin noch eine Kapazität von mind. 380 kWh haben. Erstaunlich, daß in dem relativ kleinen Fahrzeug, daß auch noch Platz für die Menschen bieten muß, soviel Batterieraum vorhanden ist ;-) Und: 14 Flaschen mit je 50 Liter = 700l Luft unkomprimiert - das wäre nur ein kleiner Bruchteil der im Fahrzeug sowieso vorhandenen Luft.
4. Äh
vhe 08.06.2012
Zitat von Aözerdaß je ein Motor für Vorwärts- und Rückwärtsfahrt genutzt wird, müssen die Batterien immerhin noch eine Kapazität von mind. 380 kWh haben.
Was hat die Anzahl der Motoren mit der Speicherkapazität der Akkus zu tun?
5. Kann der Tunnel-Rettungswagen verbessert werden?
MrStoneStupid 08.06.2012
Klasse aber hat der Tunnel-Rettungswagen wirklich PVC-Vorhänge vor den Eingängen? Was ist eigentlich mit den Reifen? Die sollten nicht platt werden können - Tunnel sind doch meist eben und wenn das Fahrzeug max. 60 km/h fährt, dann sollte man kaum brennbare Spezialreifen ohne Luftdruck verwenden können. Wie ist das mit dem (möglichst schnellen) Auftanken von Luft und Wasser im Falle wiederholter Rettungsfahrten? (imho)
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