Vorfall mit selbstfahrendem Auto Mitarbeiter erheben Vertuschungsvorwürfe gegen Uber

Hat Uber gelogen? Bei einem Test in den USA war eines seiner Robotertaxis über eine rote Ampel geprescht. Die Firma schob den Fehler auf den Fahrer - einem Medienbericht zufolge hatte aber die Technik versagt.

Uber- Chef Travis Kalanick
REUTERS

Uber- Chef Travis Kalanick


Eigentlich wollte Uber im vergangenen Dezember auf den Straßen von San Francisco die Leistungsfähigkeit seiner Robotertaxis unter Beweis stellen. Doch die Aktion entwickelt sich immer mehr zu einem PR-Fiasko für den Fahrdienstvermittler: Jetzt erheben zwei Uber-Mitarbeiter in der "New York Times" schwere Vorwürfe gegen ihr Unternehmen.

Die Vorgeschichte: Ende 2016 schickte Uber eine Flotte von Robotertaxis in San Francisco auf die Straße. Kunden des Unternehmens konnten zufällig einen von 16 selbstfahrenden Volvo XC 90 buchen. Die Wagen steuerten von allein durch den Stadtverkehr, ein Uber-Fahrer saß nur zur Sicherheit am Steuer, um bei Notfällen einzugreifen. Allerdings hatte der Fahrdienstvermittler seine Tests gestartet, ohne sich vorher eine Erlaubnis der kalifornischen Verkehrsbehörde zu holen. Die Behörde entzog den Uber-Robotertaxis daraufhin kurzerhand die Betriebserlaubnis.

In der Zwischenzeit tauchte zudem ein für Uber peinliches Video auf: In dem Clip war deutlich zu sehen, wie einer der selbstfahrenden Volvos bei Rot über die Ampel fährt. Das Unternehmen erklärte damals, der Grund dafür sei ein menschlicher Fehler gewesen - und erweckte den Eindruck, dass zum Zeitpunkt des Verkehrsverstoßes der Uber-Mitarbeiter am Steuer die Kontrolle über das Fahrzeug gehabt und die rote Ampel übersehen habe.

Genau das ist laut einem Bericht der "New York Times" aber falsch.

Der Ampelverstoß im Video:

Kamera One

Die Zeitung behauptet, die Software des Autos habe die rote Ampel nicht erkannt - und der Fahrdienstanbieter habe das mit einer irreführenden Stellungnahme vertuscht. Sie beruft sich dabei auf interne Unterlagen sowie auf Angaben von zwei nicht namentlich genannten Uber-Mitarbeitern.

Fünf weitere Fälle sind angeblich dokumentiert

Demnach habe der Fehler des Fahrers lediglich darin bestanden, nicht schnell genug auf manuelle Steuerung umgeschaltet und gebremst zu haben, nachdem die Software den Wagen nicht am Fußgängerübergang anhielt.

Aus den internen Dokumenten gehe hervor, dass die Uber-Robotertaxis in fünf weiteren Fällen nicht dazu in der Lage waren, eine rote Ampel zu erkennen. Bei dem auf dem Video festgehaltenen Fall "fuhr das Auto bei Rot über die Ampel", heißt es laut "New York Times" in einem Dokument.

Uber hat sich zu den bereits am Freitag erhobenen Anschuldigungen noch nicht geäußert.

Die Zuverlässigkeit von autonom fahrenden Autos ist zwar schon weit vorangeschritten, aber noch längst nicht ausgereift. Besonders im Stadtverkehr ist es für die Software der Wagen noch schwierig, alle Einflüsse von außen korrekt zu erfassen und zu interpretieren. Zahlreiche Autohersteller und Mobilitätsdienstleister führen Testfahrten in verschiedenen Städten und feilen an ihren Technologien für selbstfahrende Autos. Uber erprobt zum Beispiel auch in Pittsburgh seine Robotertaxis - mit Erlaubnis der Behörden.

Zu den Auflagen für die Tests in den USA gehört eine Auflistung von Zwischenfällen: Die Unternehmen müssen dokumentieren, wann der Mensch das Steuer übernehmen musste, weil die Technik überfordert war. Sollte sich herausstellen, dass Uber dieser Pflicht nicht nachgekommen ist, wäre der Glaube an die tatsächliche Fortschrittlichkeit seiner autonomen Flotte erschüttert.

Google-Schwesterfirma verklagte Uber

Der Fahrdienstanbieter hat noch aus anderen Gründen Ärger wegen seiner selbstfahrenden Autos: Die Google-Schwesterfirma Waymo erklärte vergangene Woche in einer Klage, der frühere Mitarbeiter Anthony Levandowski habe massenhaft vertrauliche Informationen zu Uber mitgenommen.

Der Top-Entwickler habe vor seinem Rückzug bei Waymo demnach vor gut einem Jahr rund 14.000 Dateien heruntergeladen. Dabei sei es unter anderem um die Technik eines Schlüsselelements der Roboterwagen gegangen - des Laser-Radars, das die Umgebung der Autos abtastet. Levandowski gründete im vergangenen Jahr das Start-up Otto, das sich auf die Entwicklung selbstfahrender Lastwagen spezialisierte. Es wurde wenige Monate später für 680 Millionen Dollar von Uber gekauft.

Uber wies die Vorwürfe zurück. "Wir haben die Behauptungen von Waymo geprüft und betrachten sie als einen unbegründeten Versuch, einen Wettbewerber zu bremsen", sagte ein Uber-Sprecher. Das Unternehmen werde sich vor Gericht vehement dagegen verteidigen.

cst/dpa



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