Tödlicher Uber-Unfall Standardsoftware des Autos war deaktiviert

Ein Zulieferer gibt Uber die Schuld am tödlichen Unfall in Arizona. Die ursprünglichen Sicherheitssysteme des Volvo hätten die Fußgängerin entdeckt und den Crash verhindert - diese seien aber abgeschaltet gewesen.

Der Unfallwagen
REUTERS

Der Unfallwagen


Ein selbstfahrendes Auto mit Uber-Software an Bord tötet in Arizona eine Frau - beim Wagen handelt es sich um einen Volvo XC90. Doch die Schweden treffe am Unfall keine Schuld, erklärte nun der Zulieferer Aptiv, der die Radar- und Kamerasysteme für die Sicherheitsassistenten des XC90 fertigt: Die normalen Sicherheitssysteme des Wagens, die solche Unfälle verhindern sollen, seien deaktiviert gewesen, erklärte ein Sprecher der Firma gegenüber "Bloomberg". Die Systeme von Volvo hätten mit denen von Uber "nichts zu tun".

Der verwendete Volvo ist standardmäßig mit einem Notbremsassistenten ausgerüstet. Das Auto kann - anders als in der Version von Uber - nicht autonom fahren, bremst aber bei erkannten Hindernissen selbstständig.

Ein anderer Volvo-Zulieferer ging sogar noch weiter: Die normale Volvo-Technik hätte die Fußgängerin erkannt, so der Zulieferer Mobileye. Man habe die eigene Software überprüft, und zwar anhand des Unfallvideos, das auf einem Fernseher wiedergegeben wurde. Dabei habe die Software die Frau eine Sekunde vor dem Zusammenstoß erkannt, und das trotz der laut Mobileye deutlich schlechteren Bildqualität, verglichen mit den normalen Systemen an Bord eines Autos.

Video zeigt Sekunden vor Unfall mit Uber-Auto:

REUTERS

Mobileye ist eine Tochterfirma des Chiphersteller Intel und fertigt Chips und Sensoren, die auch in den Sicherheitssystemen von Aptiv verwendet werden. Diese Sensoren liefern unter anderem dem Notbremsassistenten des Volvo XC90 die notwendigen Daten, um Hindernisse rechtzeitig zu erkennen und das Auto abzubremsen.

Ein Firmensprecher von Aptiv erklärte gegenüber Bloomberg, man wolle nun verhindern, dass Leute glauben, die Sicherheitstechnik des Volvo habe versagt. Uber wollte den Unfall dem Nachrichtenportal gegenüber nicht weiter kommentieren. Der Fahrdienstleister hatte im November verkündet, 24.000 Volvo-SUV zu kaufen, um darin eigene Sensoren und Software zu installieren. Der US-Bundesstaat Arizona untersagte Uber jedoch mittlerweile die Tests autonomer Fahrzeuge auf öffentlichen Straßen.

ene

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RalfHenrichs 28.03.2018
1. Verständlich
dass Volvo sagt: Uber ist schuld. Würde gerne wissen, was Uber dazu sagt. Am Ende bleibt es dabei: autonomes Fahren ist Schwachsinn und rausgeschmissenes Geld, das nur Technikfreaks und Nerds wie damals der Transrapid begeistert, der heute auch Technikmüll ist. Würde das Geld in energiesparendere Motoren und alternative Antriebe reingesteckt werden, hätte die Menschheit viel mehr davon.
Oetzmann 28.03.2018
2. Volvo
Aber natüüüüüürlich hätten die Volvo-Systeme gebremst (ich könnte wetten, davon ist Uber auch ausgegangen)... ;) Vor dem Hintergrund bitte mal diese Videos gucken - ist lustig (Suchbegriff Volvo Auto Break Fail) https://www.youtube.com/watch?v=jClxcSBNwcw https://www.youtube.com/watch?v=_47utWAoupo https://www.youtube.com/watch?v=BHw9aFbxzFs Und keine Frage, das Uber-System hat vollkommen versagt - aber nach dem Unfall zu sagen, das könnte einem nicht passieren ist unglaubwürdig. Da haben drei gepennt: - die Uber-Entwickler, deren System nicht annähernd funktioniert hat - die Testfahrerin, die vollkommen abgelenkt war - die Fußgängerin, die dem Auto die Vorfahrt nimmt
decebalus911 28.03.2018
3. Autonomes Fahren?
Nachdem ich das Video sah, hatte ich nur Fragen bzw. vor allem Eine. Das soll autonomes Fahren sein? Da läuft jemand über den (zugegebenermaßen) dunklen Highway und kein Sensor am Auto registriert da eine Bewegung? Klar kann da kein Mensch mehr reagieren, so spät wie man die Frau erst wahrnimmt. Aber dann zu sagen, da kann auch kein autonomes System was machen! Ähm, entschuldigung, es geht nicht darum, dass autonomes Fahren "so sicher"" ist wie wenn eine reale Person fährt. Eigentlich soll doch gerade so ein Unfall verhindert werden können. Naja, zumindest scheint da jetzt doch noch was so nicht zu stimmen...
emil_erpel8 28.03.2018
4.
Zitat von OetzmannAber natüüüüüürlich hätten die Volvo-Systeme gebremst (ich könnte wetten, davon ist Uber auch ausgegangen)... ;) Vor dem Hintergrund bitte mal diese Videos gucken - ist lustig (Suchbegriff Volvo Auto Break Fail) https://www.youtube.com/watch?v=jClxcSBNwcw https://www.youtube.com/watch?v=_47utWAoupo https://www.youtube.com/watch?v=BHw9aFbxzFs Und keine Frage, das Uber-System hat vollkommen versagt - aber nach dem Unfall zu sagen, das könnte einem nicht passieren ist unglaubwürdig. Da haben drei gepennt: - die Uber-Entwickler, deren System nicht annähernd funktioniert hat - die Testfahrerin, die vollkommen abgelenkt war - die Fußgängerin, die dem Auto die Vorfahrt nimmt
1. Das Notbremssystem des Wagens ist schon deswegen deaktiviert gewesen, weil Uber es durch die *eigenen* Systeme ersetzt hat, um diese zu *testen*. 2. Der Wagen hätte entweder selbst vernünftig reagieren müssen, oder die Sicherheitsfahrerin warnen müssen, daß er mit der Situation nicht klarkommt. Beides ist unterblieben. Nach den Unfallexperten, die den Fall untersuchen, trifft die Fußgängerin keine Schuld. (Und Menschen, die die Strecke fahren, wissen, daß dort oft Fußgänger queren.) Die Quellen dazu finden Sie hier: https://www.mobilegeeks.de/artikel/toedlicher-unfall-autonomes-auto-uber/
747-LR 28.03.2018
5.
Zitat von decebalus911Nachdem ich das Video sah, hatte ich nur Fragen bzw. vor allem Eine. Das soll autonomes Fahren sein? Da läuft jemand über den (zugegebenermaßen) dunklen Highway und kein Sensor am Auto registriert da eine Bewegung? Klar kann da kein Mensch mehr reagieren, so spät wie man die Frau erst wahrnimmt. Aber dann zu sagen, da kann auch kein autonomes System was machen! Ähm, entschuldigung, es geht nicht darum, dass autonomes Fahren "so sicher"" ist wie wenn eine reale Person fährt. Eigentlich soll doch gerade so ein Unfall verhindert werden können. Naja, zumindest scheint da jetzt doch noch was so nicht zu stimmen...
Ich habe mir das Video einige male angeschaut: Wer da als Fahrer nicht vorher zum Stehen kommt, oder ausweichen kann, benötigt tatsächlich etwas Autonomeres, und zwar ein Taxi, U-/Bahn, Bus, etc. Bei einer Geschw. von knappt 60 km/h da ungebremst in die Frau zu Fahren, ne!
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