Tödlicher Unfall mit Roboter-Uber Automatische Notbremsung war nicht eingeschaltet

Rund zwei Monate nach dem tödlichen Unfall eines selbstfahrenden Autos des Taxi-Dienstes Uber, hat die US-Verkehrsbehörde den Unfallbericht veröffentlicht. Die automatische Notbremsfunktion war ausgeschaltet.

Selbstfahrendes Uber-Auto
REUTERS

Selbstfahrendes Uber-Auto


Nach dem tödlichen Unfall eines Uber-Roboterwagens im März ist nun klar: Die automatische Notbremsung des Wagens war nicht eingeschaltet. Das hat die US-Verkehrsbehörde NTSB mitgeteilt. Im Selbstfahrmodus sei diese Funktion bei Uber grundsätzlich abgeschaltet gewesen. Zudem habe die Software des Wagens das Unfallopfer schlecht erkennen können.

Das Opfer, eine Fußgängerin, die beim Überqueren der mehrspurigen Straße ein Fahrrad schob, sei zwar sechs Sekunden vor dem Zusammenstoß von den Sensoren des selbstfahrenden Autos bemerkt worden, erklärte die US-Behörde NTSB in einem vorläufigen Unfallbericht am Donnerstag.

Die Software habe sie aber zunächst als unbekanntes Objekt, dann als Fahrzeug und schließlich als Fahrrad eingeordnet - und sei sich unsicher gewesen, in welche Richtung sie sich überhaupt bewegt.

Sicherheitsfahrer sollte in Notsituation selbst in Aktion treten

Erst 1,3 Sekunden vor dem Aufprall sei das Uber-Programm dann zu dem Schluss gekommen, dass eine Notbremsung notwendig sei, erklärten die NTSB-Experten weiter. Doch diese Entscheidung blieb folgenlos: "Uber zufolge sind Notbremsmanöver abgeschaltet, wenn das Fahrzeug vom Computer gesteuert wird, um ein unberechenbares Verhalten des Fahrzeugs zu vermeiden."

Stattdessen setzte Uber darauf, dass der Sicherheitsfahrer in Aktion tritt. Der muss sich aber auf seine Augen verlassen: "Das System sieht keine Warnmeldungen an den Operator vor."

Screenshot einer Außenkamera des Uber-Wagens, kurz vor dem Unfall
REUTERS

Screenshot einer Außenkamera des Uber-Wagens, kurz vor dem Unfall

Fahrerin schaute auf Bildschirm von Roboter-System

Der Hergang des Unfalls im US-Bundesstaat Arizona warf die Frage auf, warum der Wagen weder abbremste noch auswich, obwohl die Sensoren die Fußgängerin erkannt haben müssten. Auch der Mensch am Steuer des Fahrzeugs reagierte nicht und schien laut Videoaufnahmen aus dem Innenraum vor dem Unfall abgelenkt gewesen zu sein.

Die NTSB-Experten erklärten, dass die Sicherheitsfahrerin nach eigener Aussage auf einen Bildschirm des Roboterwagen-Systems schaute. Ihre Smartphones seien nicht in Betrieb gewesen. Die Uber-Wagen waren zunächst mit einem Sicherheitsfahrer und einem Ingenieur, der die Systeme überwachte, unterwegs - später wurde auf den Techniker verzichtet.

Uber zieht selbstfahrende Autos aus Arizona ab

Die Uber-Roboterwagen stehen seit dem Unfall still. Am Vortag kündigte Uber an, die Selbstfahrenden würden komplett aus Arizona abgezogen werden und ihre Entwicklung in Pittsburgh und San Francisco gebündelt. Zugleich halte der Fahrdienst-Vermittler an der Entwicklung von Technologien für autonomes Fahren fest und wolle die Testfahrten "in naher Zukunft" wieder aufnehmen, betonte eine Sprecherin. Ubers Umsatz stieg einem Medienbericht zufolge zuletzt um 70 Prozent.

Die NTSB (National Transportation Safety Board) ermittelt bei Flugzeugunglücken und anderen Unfällen, die grundsätzliche Bedeutung haben könnten. Sie ist sehr einflussreich, obwohl sie formell nur Empfehlungen abgeben kann. Aktuell untersuchen NTSB-Experten auch mehrere Unfälle mit Fahrzeugen des Elektroautobauers Tesla. Dabei geht es um Batteriebrände und die Arbeit des Fahrassistenzsystems Autopilot.

ans/dpa



TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.