Von Jürgen Pander
Das Geräusch klang so ähnlich wie "Krautsch!" - nur viel lauter. Jedem Autofahrer fährt da der Schreck durch die Glieder und er hält sogleich an. So war es auch an diesem Sonntag in einer beschaulichen Wohnstraße in Hamburg Eimsbüttel. Ein Smart - ausgerechnet! - hatte mit seinem Außenspiegel den Außenspiegel des entgegenkommenden Kompaktwagens touchiert. Kaputt ging an beiden Autos nichts, nach ein bisschen Kopfschütteln und Schulterzucken fuhren beide weiter.
Szenen wie diese sind alltäglich auf den Straßen. Denn die werden immer enger - weil die Autos immer breiter werden. Der VW Golf etwa, der Urmeter im Fuhrpark der Deutschen, ging von der ersten Baureihe aus dem Jahr 1974 bis zum aktuellen Modell um stolze 17 Zentimeter auseinander. Heute ist ein Golf 1,78 Meter breit, inklusive der Außenspiegel sind es sogar 2,05 Meter.
Ungewöhnlich ist so ein Zuwachs nicht, denn praktisch alle Autos legen von Generation zu Generation ein paar Zentimeter zu. Der Porsche 911 etwa war 1963 noch 1,61 Meter breit, der gerade frisch vorgestellte Porsche 911 der Baureihe 991 misst jetzt 1,87 Meter - und ist damit sogar noch ausladender als der berühmte Mercedes Typ 300 aus den fünfziger Jahren, in dem sich Bundeskanzler Konrad Adenauer chauffieren ließ.
Der Nebeneffekt: Nicht nur gefühlt wird es auf den Straßen immer enger. Wenn links und rechts auch noch Autos längs der Fahrbahn parken, verwandeln sich ehedem ruhige Nebenstraßen in kollisionsträchtige Hindernistrecken. Fahrende Wagen kommen nur noch im Schritttempo aneinander vorbei. Besser, man bleibt in einer Lücke stehen und lässt den Entgegenkommenden erst einmal passieren. Selbst ein Mini lädt inzwischen 1,68 Meter weit aus (Original-Mini: 1,41 Meter), ein Audi Q7 misst gar 1,98 Meter, ein Hummer H2 2,06 Meter.
Offizielle Messung? Augenwischerei!
Wohlgemerkt ohne Außenspiegel. Denn die ISO-Norm 612 aus dem Jahr 1978 sieht vor, dass Fahrzeugbreiten ohne Spiegel und andere Anbauteile gemessen werden - dieser Wert ist im Fahrzeugschein vermerkt. Für die Außenspiegel links und rechts kann man allerdings locker 20 bis 30 Zentimeter addieren. Und diese Gesamtbreite wiederum ist entscheidend dafür, ob man beispielsweise die linke Spur einer Autobahnbaustelle befahren darf.
Die Mindestbreiten der Fahrstreifen in Baustellenbereichen sind in den Richtlinien für die Sicherung von Arbeitsstellen (RSA) geregelt. Danach darf der linke Fahrstreifen bis zu 2,50 m schmal sein und dann nur von Fahrzeugen befahren werden, die weniger als zwei Meter breit sind. Der rechte Fahrstreifen muss dagegen 3,25 Meter messen, auf kurzen Abschnitten sind auch mal drei Meter erlaubt.
Weder ein aktueller Ford Focus (Gesamtbreite 2,01 Meter), ein BMW 5er (2,09 Meter), eine A-Klasse von Mercedes (2,04 Meter), ein Opel Astra (2,01 Meter), ein VW Passat (2,06 Meter) noch ein Porsche Panamera (2,11 Meter) dürften also auf der linken Spur fahren. Täten sie es doch, wäre es eine Ordnungswidrigkeit, die 20 Euro Bußgeld nach sich ziehen würde. Der Autoclub Europa ACE bezeichnet die schmalen Baustellenfahrstreifen deshalb als "tückische Crash-Fallen" und fordert, die Mindestspurbreite von derzeit zwei auf 2,50 Meter zu erhöhen.
Breitere Fahrbahnen also sollen das Problem lösen. Auf Autobahnen könnte das klappen, in eng bebauten Städten nicht. Doch dort sind breite Autos mindestens ebenso hinderlich - und vor allem überflüssig. Das gern vorgebrachte Argument, Autos müssten in die Breite gehen, um die Anforderungen an die Crash-Sicherheit zu erfüllen, ist Unsinn. "Aus technischer Sicht gibt es keine Notwendigkeit, ein Auto breiter zu machen", sagt Frank Volk, Sprecher des TÜV-Süd. Dass Pkw zulegen, sei einzig dem optischen Auftritt sowie der Statussymbolik geschuldet. Volk: "Dazu kommen natürlich gestiegene Komforterwartungen der Autokäufer, die möglichst viel Platz im Innenraum haben möchten."
Zu wenig Platz in Parkhäusern - zu viel Widerstand beim Fahren
Die Breiten-Problematik wird übrigens nicht nur beim Fahren zum Problem. Bei einem Test von bundesweit 50 Parkhäusern im vergangenen Jahr stellte der ADAC fest, dass in zahlreichen Gebäuden die Parklücken schlicht nicht mehr groß genug für heutige Autos sind. Mindestens 2,50 Meter seien nötig, so das Fazit der ADAC-Tester; und selbst dann dürfte es beispielsweise mit einem normalen Audi A6 (Breite 1,87; mit Spiegeln 2,08 Meter) ziemlich eng werden, wenn man nach dem Einparken auch noch beulenfrei aussteigen will.
Schließlich kann die Fahrzeugbreite auch eine Rolle für den Verbrauch des Autos. spielen. Wird ein Auto breiter (und nicht zugleich entsprechend flacher), vergrößert sich die Stirnfläche - also jene Fläche des Wagens, die sich dem Fahrtwind entgegen stellt. Und die Stirnfläche wiederum ist ein wichtiger Faktor bei der Berechnung des Luftwiderstands eines Autos, der Einfluss hat auf den Verbrauchswert. Wer sich breit macht, muss halt zahlen.
Mitarbeit: Markus Bruhn
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