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Überhöhte Geschwindigkeit: Tempomessungen oft fehlerhaft

Einer Studie zu Folge kommt es bei Geschwindigkeitsmessungen im Straßenverkehrs zu gravierenden Fehlern. 80 Prozent der untersuchten Fälle seien mangelhaft. Geblitzte Autofahrer sollten Bußgeldbescheide im Zweifel prüfen - solange sie noch nicht bezahlt wurden.

Frankfurt am Main - Die große Mehrheit der wegen zu schnellen Fahrens eingeleiteten Bußgeldverfahren sei technisch oder formal mangelhaft. Das ist das Ergebnis einer am Mittwoch vom Automobilclub von Deutschland (AvD) vorgestellten Untersuchung der Verkehr-Unfall-Technik-Sachverständigengesellschaft (VUT). In fünf Prozent der untersuchten Fälle waren die Mängel so gravierend, dass kein Bußgeldbescheid hätte erlassen werden dürfen.

Geschwindigkeitsmessung: Ein Polizeibeamter demonstriert ein neues digitales Laser-Messgerät
DDP

Geschwindigkeitsmessung: Ein Polizeibeamter demonstriert ein neues digitales Laser-Messgerät

Die VUT hatten in den vergangenen zwei Jahren 1810 Ordnungswidrigkeits-Vorgänge untersucht. Dabei wurden Messungen mit Video- und Radargeräten sowie mit Laserpistolen berücksichtigt. Korrekt waren lediglich knapp 15 Prozent der untersuchten Fälle. In mehr als 80 Prozent entdeckten die Sachverständigen der VUT hingegen technische oder formale Fehler.

Die Bandbreite reiche laut AvD von unvollständigen Verfahrensakten über unkorrekten Messgeräteaufbau bis hin zu Fahrzeugverwechslungen. In fünf Prozent der untersuchten Fälle seien die Messergebnisse nachweislich falsch beziehungsweise den geblitzten Autofahrern falsche Messwerte zugeordnet worden.

Nach Ansicht von AvD-Verkehrsrechtsexpertin Dorothee Lamberty mangelt es oft einer kritischen Überprüfung der Ergebnisse. Das eingesetzte Mess- und Auswertungspersonal sei häufig technikgläubig und nicht ausreichend geschult. Außerdem müssten Autofahrer spätestens im Widerspruchsverfahren durch Vorlage einer vollständigen Messakte und Vorlage aller Beweismittel in die Lage versetzt werden, um die gegen sie erhobene Vorwürfe prüfen zu können.

Für Autofahrer, die bereits eine Geldbuße gezahlt haben, ergeben sich dennoch keine Konsequenzen. "Wenn der Bußgeldbescheid rechtskräftig ist, kann man nichts mehr machen", sagt Lamberty. Sie empfiehlt allen Autofahrern, die einen neuen Bescheid erhalten, kritisch zu prüfen, ob der Vorwurf stimmen kann. Wer sich sicher ist, dass ein Fehler der Behörden vorliegt, sollte einen Verkehrsrechts-Anwalt hinzuziehen. Nur dieser erhalte vollständigen Einblick in die Akte und könne sicher beurteilen, ob ein Einspruch Aussicht auf Erfolg hat.

rom/dpa/AFP

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