Umfrage zu Dienstwagen Der Chef taugt nicht als Vorbild

Viele Firmenbosse verordnen ihren Angestellten sparsamere Autos - und gönnen sich selbst weiterhin stark motorisierte Wagen. Das hat eine Umfrage der Deutschen Umwelthilfe ergeben. Die meisten Unternehmen rückten allerdings gar nicht erst mit Antworten raus.

Dienstfahrzeuge: "Wenig persönliche Einsicht"
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Dienstfahrzeuge: "Wenig persönliche Einsicht"


Hamburg - Wenn es um Nachhaltigkeit und Umweltschutz geht, preisen viele Unternehmen in Deutschland ihr grünes Gewissen. "Aber wer das hinterfragen will, erntet vielsagendes Schweigen", sagt Jürgen Resch, der Geschäftsführer der Deutschen Umwelthilfe (DUH). Der Grund für seinen Ärger: Für einen sogenannten Dienstwagen-Check hat sein Verband insgesamt 166 Firmen in Deutschland nach dem Verbrauch ihrer Dienstwagenflotte befragt, darunter alle Dax-Konzerne. Nur 54 haben geantwortet.

Die Befragung hat trotzdem ein interessantes Ergebnis hervorgebracht: Denn die durchschnittlichen Emissionswerte der Flotten bei den teilnehmenden Firmen sind laut der Befragung der DUH gesunken - lag der Wert etwa vor zwei Jahren noch bei 156 Gramm CO2 pro Kilometer, sind es nun nur noch 142. Ganz im Gegensatz dazu steigen die Unternehmensbosse aber immer noch am liebsten in Spritschlucker. Laut dem Test blasen ihre Limousinen im Schnitt 186 Gramm CO2 pro Kilometer in die Luft.

Bestes Beispiel dafür ist die Deutsche Wohnen AG. Mit einem durchschnittlichen Flottenwert von nur 116 Gramm CO2 pro Kilometer ist das börsennotierte Wohnungsunternehmen laut DUH besonders vorbildlich, was die Sparsamkeit angeht. Der Chef des Konzerns fährt dagegen einen BMW X5 mit einem Emissionswert von 198 Gramm CO2 pro Kilometer.

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Rangliste: Das sind die beliebtesten Dienstwagen
Für DUH-Geschäftsführer Resch sind solche Unterschiede ein Beweis dafür, dass sich beim Umweltbewusstsein der Unternehmen nicht viel getan hat: Die Entscheidung zu sparsameren Autos wird seiner Meinung nach nur aus finanziellen Gründen getroffen, in den Chefetagen sieht er dagegen nur "wenig persönliche Einsicht", was die Zurückhaltung beim Dienstwagen angeht.

Trotzdem setzt die DUH große Hoffnungen auf den Trend zu umweltfreundlicheren Firmenflotten. Schließlich wurden laut Angaben des Kraftfahrt-Bundesamts (KBA) im vergangenen Jahr mehr als die Hälfte der neuangemeldeten Wagen gewerblich genutzt - steigt also die Nachfrage nach sparsamen Modellen versprechen sich die Umweltschützer davon "weitreichende Signalwirkungen" auf den gesamten Fahrzeugmarkt.

Von den Vorständen und Geschäftsführern fordert die DUH in dieser Hinsicht eine Vorbildfunktion. "Denn wenn sich Chefs für sparsame Modelle entscheiden", so lautet ihr Argument, "können nachgeordnete Mitarbeiter kaum hochmotorisierte Spritschlucker für sich beanspruchen."

Hier sind die Ergebnisse der Befragung mit den einzelnen Unternehmen in einem PDF aufgeführt.

cst/dpa



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insgesamt 85 Beiträge
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Seite 1
Crom 18.07.2013
1.
Da haben wir ja wieder ein schönes Neidthema. Der Chef fährt also einen dickeren Dienstwagen, wer hätte es gedacht.
the_rover 18.07.2013
2.
Wer ist eigentlich die Deutsche Umwelthilfe?
founder 18.07.2013
3. 14 bis 35 kWh / 100 km
14 kWh / 100 km mit extremer Sparsamkeitsfahrt um 600 km Reichweite aus 85 kWh Akkus zu bekommen. 35 kWh / 100 km wenn man das Auto maximal im Fahrstil deutscher Premiumautos über die Autobahn tritt. 4,2 Sekunden von 0 auf 100. Wenn man so die Gebrauchtwagenpreise ansieht, dann sind Premiumautos mit Verbrennungsmotor nach 7 Jahren und 200.000 km meist nur noch 10 bis 15 Tausend wert. Bei einem Tesla S ist ein deutlich höherer Wiederverkaufswert zu erwarten. Jede Firma die auf umweltfreundlich macht, sollte der Chefetage dies als Dienstwagen verpassen. Natürlich preiswert geladen mit dem Strrom vom eigenen Firmendach.
Captain Israel 18.07.2013
4.
Zitat von sysopDPAViele Firmenbosse verordnen ihren Angestellten sparsamere Autos - und gönnen sich selbst weiterhin stark motorisierte Wagen. Das hat eine Umfrage der Deutschen Umwelthilfe ergeben. Die meisten Unternehmen rückten allerdings gar nicht erst mit Antworten raus. http://www.spiegel.de/auto/aktuell/umfrage-der-deutschen-umwelthilfe-bei-unternehmen-nach-dienstwagen-a-911865.html
Mein knapp 9 Jahre alter 1.9l-TDI aus dem VW-Hause liegt bei ca. 190g/km. Wenn der Schnitt also tatsächlich bei 185g liegt(was man natürlich bezweifeln kann, wenn 1/3 der Befragten die Aussage verweigert) bin ich persönlich mehr als positiv überrascht. (kann natürlich auch sein, dass ich nur niedrige Ansprüche habe)
JeeperWH 18.07.2013
5.
Zitat von CromDa haben wir ja wieder ein schönes Neidthema. Der Chef fährt also einen dickeren Dienstwagen, wer hätte es gedacht.
Mein Chef hat: - einen Mercedes S 350 BlueTec (läuft gleichzeitig als Mietwagen) - einen BMW X5 35d (gehört seiner Frau) - einen Porsche 911 Cabrio - einen Ferrari 360 - eine Harley (keine Ahung welche, interessiert mich weniger) Hab ich was dagegen? Keineswegs. Der Typ sitzt 12-14 Stunden am Tag in der Zentrale oder betreibt Kundenaquise, damit wir was zu tun haben. Mein Nachbar (65) hat: - einen Touareg V8 TDI (Arbeitstier, 250.000 km auf dem Zähler) - einen Mercedes ML 500 (nagelneu, Urlaubsauto) - einen BMW M5 (E60, Wochenendflitzer) Hab ich was dagegen? Keineswegs. Der Typ hat(te) 'ne Gerüstbaufirma, die er seit 1993 aufgebaut hat. Angefangen hat er mit einem schrottreifen VW T3 und einem alterschwachen Lada. Inzwischen hält 25 Leute in Lohn und Brot und hat bis vor kurzem auf der Baustelle noch selber mit angepackt. Mit dem Touareg zieht er einen 3-Tonnen-Lastenhänger und die Karre wurde vermutlich seit Übernahme nicht gewaschen ... Leben und leben lassen ...
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