Umstellung auf WLTP Neuer Abgastest sorgt für Lieferengpässe - das können Autokäufer tun

Mehrere Autohersteller haben derzeit Probleme mit einem neuen Abgastest. Die Folge: Lieferengpässe. Was können Kunden tun, die nun länger auf ihren Neuwagen warten müssen als geplant?

WLTP-Test im Labor
Volkswagen

WLTP-Test im Labor


Bei der Zulassung von Neuwagen gelten ab dem 1. September neue Regeln für die Abgasmessung. Im Labor löst der Worldwide harmonized Light vehicles Test Procedure-Zyklus (WLTP) den sogenannten Neuen Europäischen Fahrzyklus (NEFZ) ab. Der WLTP soll endlich realistischere Werte für den Spritverbrauch liefern, indem er das Fahrverhalten auf der Straße besser simuliert. Zuletzt verbrauchten Autos im Schnitt 40 Prozent mehr als von den Herstellern im Verkaufsprospekt angegeben.

Die Umstellung auf den neuen Testzyklus bringt die Hersteller in die Bredouille, viele Modelle sind plötzlich nicht mehr lieferbar. So müssen Kunden beispielsweise auf die BMW SUV-Modelle X5 und X6 mit Benzinmotor bis 2019 warten. Auch bei Daimler, Audi, VW und vielen anderen Herstellern können Kunden ihr Wunschmodell nicht mehr bestellen - oder warten monatelang auf die Auslieferung.

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Neuer Abgastest WLTP: Bei diesen Modellen müssen Kunden warten

Die Einführung des WLTP wurde im Juni des vergangenen Jahres beschlossen. Der damalige VW-Chef Matthias Müller kritisierte die kurze Zeit zwischen Inkrafttreten der neuen Regeln und dem Erlass. "Es gab viel zu wenig Zeit für die Autohersteller, um zu reagieren", sagte Müller damals. "Es ist ein Gerangel um die Prüfstände im Gange." Dabei kam die Umstellung auf den WLTP nicht überraschend für die Autoindustrie, lange hatten die Konzerne versucht, strengere Verbrauchsprüfungen zu verhindern. Leidtragende sind nun die Kunden - was können sie tun?

Wie verbindlich ist der Liefertermin?

In der Regel geben Händler keine exakten Lieferdaten an, sondern unverbindlich einen Zeitraum, etwa eine Kalenderwoche, sagt Verkehrsrechtsexperte Christian Janeczek. Ein unverbindlicher Zeitraum kann als genaues Datum - etwa "unverbindlicher Liefertermin 03.10.2018" angegeben werden, oder aber auch mit Ablauf einer Kalenderwoche: "unverbindliche Lieferung bis Ende 30 KW/18" oder auch monatsweise mit unverbindlicher Lieferung bis Ende 10/18. "Fällig wird dann jeweils die Lieferung mit Ablauf des Datums", sagt der Rechtsanwalt.

Der Autohändler hält den Liefertermin nicht ein - welche Handlungsmöglichkeiten gibt es?

Der Kunde kann den Händler zur Lieferung auffordern. Diese Frist sollte zwei bis sechs Wochen betragen. Beim Neuwagengeschäft kommen häufig Musterbedingungen zum Einsatz, die für den unverbindlichen Liefertermin nicht vorrätiger Neuwagen noch eine sechswöchige Schonfrist vorsehen. Das bedeutet: Mit Ablauf des unverbindlichen Liefertermins muss der Käufer den Verkäufer zur Lieferung innerhalb der sechswöchigen Schonfrist auffordern. "Ist diese Frist dann abgelaufen, muss der Käufer nochmals zur Lieferung innerhalb von mindestens zwei Wochen auffordern und kann erst dann vom Vertrag zurücktreten", sagt Janeczek.

Gibt es eine Möglichkeit, vom Vertrag zurückzutreten?

Teilt der Verkäufer bereits vor dem Liefertermin ernsthaft und endgültig mit, nicht zu liefern oder erst deutlich später, dann kann der Kunde bereits vor Ablauf des Termins vom Vertrag zurücktreten. "Die Übernahme einer Garantie für die Lieferung ist in der Praxis quasi nie bei Neuwagen anzutreffen, die nicht vorrätig sind". Etwas anderes gelte, wenn höhere Gewalt oder Betriebsstörungen wie etwa Streik, Aussperrung, Maschinenausfall beim Lieferanten oder Verkäufer die Lieferung verzögern", sagt der Rechtsanwalt. Dann könne sich der Lieferpflicht um die Zeit dieser Hindernisse bis maximal vier Monate hinausschieben. Allerdings: "Dass der Hersteller sein Fahrzeug nicht WLTP-konform bekommt, dürfte keine Betriebsstörung oder höhere Gewalt sein", erklärt Janeczek.

Was passiert, wenn der Verkäufer dem Kunden einen Liefertermin garantiert hat?

Bei einem garantierten Liefertermin kommt der Verkäufer sofort ohne Fristsetzung in Verzug. Dann können Kunden vom Kaufvertrag zurücktreten und auch Schadenersatz etwa für einen Mietwagen verlangen. "Die erforderlichen Mietwagenkosten können mit Eintritt des Verzuges verlangt werden", sagt der Rechtsanwalt.

Was gilt, wenn der Hersteller zugleich Verkäufer ist?

"Er wird es schwerer haben, die Nichtmöglichkeit rechtzeitiger Leistung zu beweisen", sagt Janeczek. Das ist dann etwa der Fall, wenn der Hersteller auch Betreiber des Autohauses ist. "Was dadurch erkennbar ist, dass diese Häuser als Niederlassungen fungieren". Manchmal ist es auch so, dass der Händler nur als Vermittler auftritt und der Vertrag zwischen Hersteller und Kunde geschlossen wird.

mhu/dpa



insgesamt 35 Beiträge
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Seite 1
zynischereuropäer 12.06.2018
1.
Bevor wieder die Schuld bei der EU bzw Politik gesucht wird und die Hersteller als Opfer dargestellt werden: die in der EU mit tatkräftiger Lobbyhilfe ausgehandelten Grenzwerte sind seit 2010 bekannt, der Testzyklus WLTP seit 2014. Zitat:"Die Phase 1 der Entwicklung des WLTP wurde im Prinzip im März 2014 in einer ersten sogenannten Phase 1a abgeschlossen. Mit dem Abschluss dieser Phase sind der WLTP-Zyklus und die Testprozedur für konventionelle Fahrzeuge anwendbar." Quelle: https://www.vda.de/de/themen/umwelt-und-klima/abgasemissionen/wltp-weltweit-harmonisierter-zyklus-fuer-leichte-fahrzeuge.html Die Hersteller haben es einfach vermasselt und sich drauf verlassen, dass es die Politik schon für sie regelt.
hansglück 12.06.2018
2.
aber 4 Jahre sind doch auch keine Zeit, um etwas zu unternehmen :) Bisher denken die Konzerne in 8 Jahres Schritten, und selbst dann bekommt der Kunde nur ein etwas verändertes Design mit bisschen neuer Technik. Aber gleichem, schlechten Verbrenner Motor, null Zeichen von Innovation.
eh100091 12.06.2018
3. Einige können liefern, andere wiederum nicht ...
Sind es nicht jene Hersteller, die seit Jahren die Schlagzeilen treiben, welche die größten Lieferschwierigkeiten haben??
jupp78 12.06.2018
4.
Zitat von zynischereuropäerBevor wieder die Schuld bei der EU bzw Politik gesucht wird und die Hersteller als Opfer dargestellt werden: die in der EU mit tatkräftiger Lobbyhilfe ausgehandelten Grenzwerte sind seit 2010 bekannt, der Testzyklus WLTP seit 2014. Zitat:"Die Phase 1 der Entwicklung des WLTP wurde im Prinzip im März 2014 in einer ersten sogenannten Phase 1a abgeschlossen. Mit dem Abschluss dieser Phase sind der WLTP-Zyklus und die Testprozedur für konventionelle Fahrzeuge anwendbar." Quelle: https://www.vda.de/de/themen/umwelt-und-klima/abgasemissionen/wltp-weltweit-harmonisierter-zyklus-fuer-leichte-fahrzeuge.html Die Hersteller haben es einfach vermasselt und sich drauf verlassen, dass es die Politik schon für sie regelt.
Zwar weiß man seit 2014 bzw. 2015 "im Prinzip" schon wohin die Reise geht, aber erst mit in Kraft treten der Gesetzgebung und aller Randbedingungen ist man auch in der Lage zu homologieren und das war leider erst Mitte 2017 der Fall. Auch wenn das manch einem Ideologen schwer vermittelbar ist, vorher waren die Hände den Herstellern gebunden.
cindy2009 12.06.2018
5. @hansglück
"----- hansglück heute, 17:11 Uhr 2. aber 4 Jahre sind doch auch keine Zeit, um etwas zu unternehmen :) Bisher denken die Konzerne in 8 Jahres Schritten, und selbst dann bekommt der Kunde nur ein etwas verändertes Design mit bisschen neuer Technik. Aber gleichem, schlechten Verbrenner Motor, null Zeichen von Innovation-----" Wie kommen Sie auf 4 Jahre? Und es war nie das Ziel neue Motoren deswegen zu präsentieren.
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