Urteil in Schleswig-Holstein: Fahrradfahrerin ohne Helm trägt Mitschuld an Unfall

Radfahrern steht es frei, ob sie einen Helm tragen oder nicht. Aus Sicht der Richter des schleswig-holsteinischen Oberlandesgerichts müssen sie die Konsequenzen für ihr Verhalten jedoch selbst tragen. Eine Frau muss deshalb nach einem Unfall Krankenhausaufenthalt und Reha teilweise selbst zahlen.

Radfahrerin in Berlin (Archivbild): Ohne Helm kann es bei einem Unfall Mitschuld geben Zur Großansicht
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Radfahrerin in Berlin (Archivbild): Ohne Helm kann es bei einem Unfall Mitschuld geben

Schleswig - Fahrradfahrer tragen bei einem Zusammenstoß mit einem anderen Verkehrsteilnehmer Mitschuld, wenn ein Helm ihre Kopfverletzungen verhindert oder gemindert hätte. Dies gilt auch bei verkehrswidrigem Verhalten des Unfallgegners, wie am Montag der 7. Zivilsenat des schleswig-holsteinischen Oberlandesgerichts entschied (Aktenzeichen 7 U 11/12). Dem Urteil zufolge muss die Frau 20 Prozent ihres aus dem Unfall entstandenen Schadens selbst bezahlen.

Im konkreten Fall war die Klägerin mit ihrem Fahrrad auf der Straße an einem am Straßenrand parkenden Auto vorbeigefahren. Die Autofahrerin öffnete unmittelbar vor der Fahrradfahrerin die Tür. Die Radlerin konnte nicht mehr ausweichen und stürzte. Dabei zog sie sich eine schwere Schädel-Hirn-Verletzung zu und verbrachte anschließend zwei Monate im Krankenhaus, eine langwierige Reha-Behandlung schloss sich an.

Für Radfahrer bestehe zwar keine Helmpflicht, heißt es in der Begründung. Sie seien im täglichen Straßenverkehr aber einem besonderen Verletzungsrisiko ausgesetzt. Es sei unzweifelhaft, dass ein Helm vor Kopfverletzungen schütze, auch sei die Anschaffung wirtschaftlich zumutbar. "Daher kann nach dem heutigen Erkenntnisstand grundsätzlich davon ausgegangen werden, dass ein verständiger Mensch zur Vermeidung eigenen Schadens beim Radfahren einen Helm tragen wird."

Die Begründung hält René Filipek jedoch für schwer nachvollziehbar. "Die Schutzwirkung eines Fahrradhelms ist in Fachkreisen höchst umstritten", erklärt der Sprecher des Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs ADFC. Daher könne man auch nicht sagen, dass diese oder jene Verletzung hätte vermieden werden können, wenn die Betroffene einen Helm getragen hätte.

mik/dpa

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insgesamt 220 Beiträge
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1. Dieses Urteil
bloßmolwassage 18.06.2013
Zitat von sysopRadfahrern steht es frei, ob sie einen Helm tragen oder nicht. Aus Sicht der Richter des schleswig-holsteinischen Oberlandesgerichts müssen sie die Konsequenzen für ihr Verhalten jedoch selbst tragen. Eine Frau muss deshalb nach einem Unfall Krankenhausaufenthalt und Reha teilweise selbst zahlen. Unfall: Richter geben Fahrradfahrerin ohne Helm Mitschuld - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/auto/aktuell/unfall-richter-geben-fahrradfahrerin-ohne-helm-mitschuld-a-906194.html)
ist an Schwachsinn kaum zu überbieten.
2. Helmpflicht durch die Hintertür?
tripleeight 18.06.2013
Dieses Urteil ist politisch motiviert. Anders ist es nicht zu erklären, wie man zu der Ansicht kommen kann, dass es auch ohne Helmpflicht in den Gesetzen zu einer Helmpflicht aufgrund des gesunden Menschenverstandes kommen sollte. Weiterhin sind Fahrradhelme so unterschiedlicher Qualität, das ggf. auch noch danach abgeworgen werden müsste, ob der getragene Helm denn ausreichend war. Das Urteil ist Unsinn. Solange es keine Pflicht zum Tragen eines Helmes nach DIN XXXX gibt, kann man es auch nicht verlangen irgendeinen Helm zu tragen, damit man im Schadensfall keine Nachteile ertragen muss.
3.
archidamus 18.06.2013
Mit dem Helm wäre sehr wahrscheinlich das Gleiche passiert. Entweder gibt es eine gesetzliche eindeutige Regelung dafür oder es gibt sie nicht. Dann müssen aber auch alle Kosten übernommen werden.
4. optional
winlen-bay 18.06.2013
Wo soll das hinführen! Jogger mit Airbag, Sicherheitsgurte im Bett? Juristischer Blödsinn kennt kein Ende
5. Einführung der Helmpflicht über die Hintertür
sailor60 18.06.2013
Dieses Urteil wird hoffentlich schnell wieder kassiert - Richter werden hier im Lande immer wieder schnell zu Gesetzesmachern. Das muss ein Ende haben. Es ist wie schoin gesagt gar nicht klar ob eine Helmpflicht zur Senkung der Verletzungsrate führt oder nicht. Genausowenig ist in diesem Fall klar ob ein Helm geholfen hätte. Aber der Richter weiß es offensichtlich besser.... Er ist ja Richter...
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