Unfallstatistik Alle 72 Sekunden verunglückt ein Mensch

Einerseits zeigt die Unfallstatistik für das vergangene Jahr einen positiven Trend: Die Zahl der Verkehrstoten ist gegenüber dem Vorjahr um acht Prozent gesunken und ist damit so niedrig wie seit 50 Jahren nicht mehr. Andererseits sind immer öfter Kinder unter den Opfern.


Berlin – Im Jahr 2005 kamen laut offizieller Zählung 5361 Menschen im deutschen Straßenverkehr ums Leben, 8,2 Prozent weniger als 2004. Umgerechnet wurden damit pro Tag 15 Personen auf den Straßen getötet und weitere 1188 verletzt. Die Polizei nahm durchschnittlich pro Tag 6175 Unfälle auf. An Samstagen ist das Risiko in Deutschland am höchsten, durch einen Verkehrsunfall ums Leben zu kommen, an Sonntagen am geringsten. Die meisten Unfälle passierten innerhalb von Ortschaften (67 Prozent), die meisten Toten gab es aber auf Landstraßen (60 Prozent). Auf Brandenburgs Straßen ist es am gefährlichsten.

Unfall auf der A 3 bei Duisburg (Archivbild): Die Zahl der getöteten Kinder steigt
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Unfall auf der A 3 bei Duisburg (Archivbild): Die Zahl der getöteten Kinder steigt

"So wenig Verkehrstote gab es seit 50 Jahren nicht mehr", kommentierte der Präsident des Statistischen Bundesamtes, Johannes Hahlen, das Gesamtergebnis heute in Berlin. Trotzdem seien einige Aspekte der Statistik besorgniserregend. So starben mehr Kinder auf Deutschlands Straßen. Heranwachsende auf dem Fahrrad sind besonders gefährdet. Junge Fahranfänger stellen immer noch einen überproportional hohen Anteil an den Verkehrstoten.

Allerdings erscheinen auch die anderen Zahlen der Statistik alarmierend:

- Alle 14 Sekunden ereignete sich ein ein Verkehrsunfall.
- Alle 72 Sekunden verunglückte ein Mensch.
- Alle zwei Minuten verunglückte ein Pkw-Insasse.
- Alle sechs Minuten verunglückte ein 18- bis 24-Jähriger.
- Alle sieben Minuten gab es einen Schwerverletzten.
- Alle zehn Minuten ereignete sich ein Unfall unter Alkoholeinfluss.
- Alle 14 Minuten verunglückte ein Kind unter 15 Jahren.
- Alle 98 Minuten starb ein Mensch im Straßenverkehr.
- Alle drei Stunden wurde ein Pkw-Insasse getötet.
- Alle acht Stunden starb ein 18- bis 24-Jähriger.
- Alle zehn Stunden kam ein Motorradbenutzer ums Leben.
- Alle 13 Stunden wurde ein Fußgänger getötet.
- Alle 15 Stunden verlor ein Fahrradfahrer sein Leben.
- Alle 15 Stunden ein Toter nach einem Alkoholunfall.

Weniger Schwerverletzte

Insgesamt gab es laut Bundesamt im vergangenen Jahr 2,25 Millionen Verkehrsunfälle, das sind 0,3 Prozent weniger als im Vorjahr. Bei 330.000 Unfällen (minus 0,8 Prozent) kamen Personen zu Schaden. Die Zahl der Leichtverletzten sank um 0,8 Prozent, die der Schwerverletzten um 4,8 Prozent. Um 4 Prozent auf 159 Fälle stieg dagegen die Zahl der getöteten Kinder.

Am meisten gefährdet sind aber nach wie vor junge Erwachsene im Alter von 18 bis 25 Jahren. Zwar gab es unter ihnen 15 Prozent weniger Tote, aber sie sind immer noch mit 20 Prozent an der Gesamtbilanz beteiligt, obwohl ihr Anteil an der Bevölkerung nur 8 Prozent ausmacht. Bei den Kindern sind es neben den im Auto Getöteten vor allem heranwachsende Radfahrer im Alter von 10 bis 14 Jahren.

Im Regionalvergleich wurden in Niedersachsen und Brandenburg steigende Unfallzahlen registriert; in Thüringen und Bayern gingen sie dagegen zurück. Berlin ist laut Bundesamt das Land mit dem geringsten Verkehrstod-Risiko. Es gab dort 20 Tote pro einer Million Einwohner. Gleich hinter der Landesgrenze steigt die Lebensgefahr auf der Straße aber drastisch: 105 Tote pro einer Million Einwohner verzeichnete Brandenburg.

Die Zahl der Alkoholunfälle ging laut Bundesamt um vier Prozent zurück. Diese Fälle machen aber nach wie vor einen Anteil von elf Prozent an den tödlichen Unfällen aus.

In einer Reaktion auf die Statistik forderte der Deutsche Verkehrssicherheitsrat (DVR) mehr Gurtdisziplin für Kinder und eine Helmpflicht für Radfahrer. Laut Darstellung des Autoclub Europa könnte die Todesrate bei jungen Fahranfängern gesenkt werden, wenn in allen Bundesländern das "begleitete Fahren ab 17" praktiziert würde. Das Konzept führe nachweislich zu einer Minderung des Unfallrisikos um bis zu 40 Prozent. Der Verkehrsclub Deutschland forderte in Ortschaften Senkungen der Höchstgeschwindigkeiten.

Thomas Rietig, ap/rtr



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