Unfallstatistik Radler häufiger berauscht als Autofahrer

Radfahren ist in - und nicht ganz ungefährlich: Einer neuen Untersuchung zufolge sind Radler im Straßenverkehr deutlich stärker gefährdet als Autofahrer. Allerdings sind die Pedalisten an vielen Unfällen selbst Schuld, oft ist Alkohol im Spiel.

Teilnehmer einer Fahrrad-Sternfahrt (in Berlin): Hohes Unfallrisiko für Biker
DPA

Teilnehmer einer Fahrrad-Sternfahrt (in Berlin): Hohes Unfallrisiko für Biker


Stuttgart - Eine vom Auto Club Europa (ACE) veröffentlichten Untersuchung zufolge sind Radfahrer im Straßenverkehr seit Jahren deutlich stärker gefährdet als andere Verkehrsteilnehmer. Für seinen Bericht hatte der Club Zahlen des Statistischen Bundesamts (Destatis) ausgewertet.

Innerhalb der vergangenen zwölf Jahre habe die Zahl der mit dem Rad Verunglückten um nahezu zwölf Prozent zugenommen, sagte ACE-Sprecher Rainer Hillgärtner. Knapp 14 Prozent aller im Straßenverkehr Verletzten seien auf einem Fahrrad zu Schaden gekommen.

Sehr hoch ist bei schweren Unglücken der Kinderanteil. Jeder dritte Junge unter 15 Jahren, der bei einem Verkehrsunfall starb, war auf einem Fahrrad unterwegs, so die ACE-Unfallbilanz. Grundsätzlich sind Männer ungleich häufiger in schwere Fahrradunfälle verwickelt als Frauen. Und jeder zweite im Jahr 2009 auf dem Fahrrad tödlich Verunglückte sei über 65 Jahre alt gewesen.

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Cross oder Fixie: Was für ein Radtyp sind Sie?
Besonders häufig kamen Radfahrer im Nordwesten der Republik zu Schaden: In Bremen wurden 187 Radler pro 100.000 Einwohner verletzt oder getötet, in Berlin waren es 155. Deutlich über dem deutschen Durchschnitt von 97 pro 100.000 Einwohner lagen die Opferzahlen auch in Hamburg und Schleswig-Holstein.

Rund 42 Prozent der schweren Radunfälle wurden laut der Untersuchung von den Pedalisten selbst verschuldet. Die Gründe hierfür lagen in falscher Straßenbenutzung (36 Prozent), gefolgt von falschem Abbiegen (16,2 Prozent) und Vorfahrtmissachtung (14,5 Prozent).

Besonders bedenklich: Während nur jeder 22. Pkw-Unfall auf Alkoholeinfluss zurückzuführen war, stand etwa jeder achte in einen Unfall mit Personenschaden verwickelte Radfahrer unter dem Einfluss von Alkohol oder anderen Rauschmitteln.

Bei Unfällen, die von Radfahrern verschuldet wurden, waren sogar in jedem vierten Fall Alkohol oder Drogen im Spiel.

hil/ddp

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insgesamt 31 Beiträge
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Rainer Girbig 04.08.2010
1. Kein Wunde
Zitat von sysopRadfahren ist in - und nicht ganz ungefährlich: Einer neuen Untersuchung zufolge sind Radler im Straßenverkehr deutlich stärker gefährdet als Autofahrer. Allerdings sind die Pedalisten an vielen Unfällen selbst Schuld, oft ist Alkohol im Spiel. http://www.spiegel.de/auto/aktuell/0,1518,710075,00.html
Kein Wunder, so wie die fahren. Der hohe Anteil von Männern dürfte auf die besonders rücksichtslose Spezies der Fahrradkuriere zurück gehen, die kennen überhaupt keine Regeln.
Tastenhengst, 04.08.2010
2. Hintergrund betrachten!
Klar, bei Autofahrern ist der Verfolgungsdruck größer. Will man betrunken nicht zu Fuß heimtorkeln, nimmt man deswegen lieber Fahrrad als Auto, weil man dort nicht so leicht erwischt wird. Außerdem hält sich das Gerücht, daß man als Fahrradfahrer sich mehr Promille leisten könne, ohne den Kfz-Führerschein zu verlieren, wenn man alkoholisiert ertappt wird. ---Zitat--- Rund 42 Prozent der schweren Radunfälle wurden laut der Untersuchung von den Pedalisten selbst verschuldet. Die Gründe hierfür lagen in falscher Straßenbenutzung (36 Prozent), gefolgt von falschem Abbiegen (16,2 Prozent) und Vorfahrtmissachtung (14,5 Prozent). ---Zitatende--- "Falsche Straßenbenutzung" ist oft sicherer. Die Verkehrsführung für Radfahrer provoziert provoziert dieses Verhalten. Radwege enden im Nichts, häufige Straßenseitenwechsel werden erzwungen, Radwege sind durch Verschmutzung (nasses Laub und v.a. Glasscherben, weil Autofahrer im Fahren ihre Flaschen illegal entsorgen müssen) unbenutzbar. Besonders schlecht geeignete Radwege werden dann von den Kommunen als Fußwege mit "Radfahrer frei"-Schild deklariert. Leider wissen nicht mal alle Polizisten, daß man diese Wege als Radler gar nicht benutzen muß und wenn, dann darf man nur in Schrittgeschwindigkeit fahren. Deswegen fühlen sich Autofahrer bemüßigt, durch gefährlich dichtes Überholen oder Hupen den Schulmeister spielen zu müssen.
cjheigl, 04.08.2010
3. Radfahrer die besseren Verkehrsteilnehmer?
Immerhin geht aus der Statistik hervor, dass Fremdverschulden die häufigste Unfallursache ist. Eine Quote von 42% Selbstverschuldung heisst ja, dass zu 58% Fremdverschuldung die Ursache ist. Da in einem Unfall Fahrrad gegen Fahrrad die Quote 50% sein muss, sind es in erster Linie die anderen Verkehrsteilnehmer, die die Radfahrer gefährden und nicht umgekehrt.
saul7 04.08.2010
4. ++
Zitat von sysopRadfahren ist in - und nicht ganz ungefährlich: Einer neuen Untersuchung zufolge sind Radler im Straßenverkehr deutlich stärker gefährdet als Autofahrer. Allerdings sind die Pedalisten an vielen Unfällen selbst Schuld, oft ist Alkohol im Spiel. http://www.spiegel.de/auto/aktuell/0,1518,710075,00.html
Wahrscheinlich denken einige Radler, die gene mal einen guten Tropfen zu sich nehmen, dass es gefahrloser sei mit dem Fahrrad unterwegs zu sein. Dass dabei auch der Führerschein auf dem Spiel stehen kann, daran denken sie offenbar nicht....
malocher7 04.08.2010
5. "DIE" Radfahrer
DEN Radfahrer gibt es genau so wenig wie DEN Autofahrer, DIE Frau oder DEN Mann. Die Frage ist: Was will uns der Autor sagen? Er beschreibt lediglich statistische Befunde und sagt unterschwellig: Radfahrer sind irgendwie gefährlich Ein Fehlverhalten der radfahrenden Verkehrsteilnehmer kann viele Ursachen haben. Bequemlichkeit, schlechte Radverkehrsanlagen, Trunkenheit und vieles mehr. Fakt ist, dass ich in meinem Radler-Leben in 90% aller Fälle von Autofahrern gefährdet worden bin, z.B. an Radwegfurten im Bereich von Kreuzungen und Einmündungen mit Vorfahrt für mich. Diese Beinahe-Unfälle fließen natürlich in keine Statistik ein. Fakt ist weiterhin, dass ich mich in meinem Radler-Leben schon x-Mal über diese unseligen Anforderungstaster an Ampeln geärgert habe, die einen geradezu dazu zwingen, gelegentlich bei rot zu fahren. Fakt ist, dass ich mich gelegentlich in der falschen Richtung auf einem Radweg bewege, dabei aber selbstverständlich Rücksicht auf andere Verkehrsteilnehmer nehme. Fakt ist, dass Radfahrer maximal sich selbst gefährden und nicht andere, so wie es Autofahrer tun. P.S. ich bin AUCH Autofahrer kenne die Windschutzscheibenperspektive und nicht ideologisch verstrahlt, aber dieses peramanente auf dem Rüpel-Radler rumhacken hängt mir zum Hals raus...
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