Als Jaguar 1961 den E-Type vorstellte, stand die Autowelt augenblicklich Kopf. Einen Sportwagen wie diesen hatte es noch nicht gegeben - vor allem nicht in dieser Form. Die Motorhaube war so unverschämt lang, dass der Wagen unverzüglich als Phallussymbol galt und praktisch aus dem Stand zur Automobil-Ikone wurde.
Roy Orbison fuhr einen, Brigitte Bardot, Tony Curtis und Steve McQueen ebenso. Für Enzo Ferrari, der sonst kein gutes Haar an Produkten der Konkurrenz ließ, war der britische Sportwagen gar "das schönste Auto der Welt". Tausend Exemplare sollten ursprünglich gebaut werden, die britische Marke Jaguar fertigte bis 1974 mehr als 72.000 E-Type in etlichen Versionen bis hin zum Zwölfzylindermodell.
Wiedergeburt am Computer
Seither gibt es unter Sportwagenfans - und ganz besonders unter den Jaguar-Enthusiasten - nur eine Frage: Wann erlebt der E-Type ein Comeback? Vor ein paar Tagen gab es eine Antwort darauf, denn Jaguar veröffentlichte erste Bilder eines neuen Sportwagenmodells namens F-Type, das im nächsten Jahr auf die Straße kommen soll. Doch bis auf die Namensgebung, die im Alphabet einfach um einen Buchstaben weiter gerückt ist, ähnelt der Sportwagen der Vollgas-Legende aus den Sixties kaum.
Das ist bei einer aktuellen Computerstudie aus Ungarn ganz anders. Designstudent Laszlo Varga von der Universität für Technologie und Wirtschaft in Budapest, der bislang Lampenschirme, Wasserhähne und einen Stuhl entwarf, hat sich des Allzeitklassikers angenommen. Jaguar E-Type Concept nennt Varga die Renderings, die den E-Type optisch in die Jetztzeit beamen, und ein Auto zeigen, dessen Anblick bei den Allermeisten einen "Den will ich haben"-Reflex auslösen dürfte.
Inspiration Oldtimertreffen
Schon als kleiner Junge machte Varga Bekanntschaft mit der Kultkarre aus den sechziger Jahren. "Damals nahm mich mein Vater häufig mit zu Oldtimertreffen in ganz Ungarn", sagt er. "Da habe ich auch einen E-Type zum ersten Mal gesehen." An eine Neuinterpretation der Sportwagen-Ikone habe er sich gemacht, weil deren Design zeitlos und auf gewisse Weise bisexuell sei. "Die Proportionen sind männlich, die Form jedoch ist eindeutig weiblich."
Kontakt zwischen Varga und Jaguar gibt es bislang noch nicht. Der Nachwuchsdesigner will in den nächsten Wochen eine Tonskulptur seines E-Type-Entwurfs im Maßstab 1:5 modellieren. Und dann? Vielleicht hofft er auf einen Anruf des aktuellen Jaguar-Designchefs Ian Callum. Denn auch wenn es am klassischen E-Type in Sachen Stil eigentlich nichts mehr zu verbessern gab - die Übersetzung der unwiderstehlichen Form ins neue Jahrtausend ist Varga, das muss man ehrlich sagen, schon ziemlich gut gelungen.
jüp
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