Vorläufer des Tesla Hier hat Elon Musk geklaut

E-Autos gelten als wegweisende Neuschöpfung. Dabei ist die Idee von vorgestern - der Elektroantrieb hatte bis 1911 eine Vormachtstellung im Autogeschäft. Jetzt zeigt eine Ausstellung alte Teile, die mal Zukunft waren.

Matthias Kriegel

Von Matthias Kriegel


Sagt Ihnen der Flocken Elektrowagen was? Das kutschenähnliche Gefährt gilt als erstes deutsches Elektrofahrzeug - es wurde im Jahr 1888 gebaut. Drei Jahre, nachdem Karl Benz sein Patent auf seinen benzingetriebenen Motorwagen erhielt - das erste Automobil der Welt. Damals wurde in der Maschinenfabrik A. Flocken in Coburg das Elektrovehikel "Flocken Phaeton" auf die Räder gestellt. Ein originalgetreues Replikat des 450 Kilogramm schweren Elektrowagens wird derzeit zusammen mit vielen anderen legendären und aktuellen Stromern in der Sonderausstellung "Unter Strom" im PS.Speicher in Einbeck gezeigt.

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E-Auto-Ausstellung "Unter Strom": Neuer Trend - seit 130 Jahren

Was nämlich viele nicht wissen: Bis 1911, es war das Jahr, in dem der elektrische Anlasser für die Benzinkutschen erfunden wurde, genoss die umweltfreundlichere Antriebsart E-Motor eine Vormachtstellung in der Autowelt. Weltweit gab es 565 Marken, die Elektroautos herstellten. Die Argumente gegen das mit Benzin betriebene Automobil waren damals nahezu die gleichen wie heute: zu laut, zu stinkend, zu gefährlich. Erst der elektrische Anlasser, der dafür sorgte, dass die schweißtreibende und nicht selten riskante Startprozedur per Handkurbel überflüssig wurde, machte die Benziner massenkompatibel. Dazu kamen niedrige Ölpreise.

Aber auch nachdem der Benziner den E-Antrieb sozusagen überholt hatte, gab es immer wieder Versuche, das E-Auto zu etablieren. Von den teils obskuren, teils faszinierenden Erfindungen erzählt die Ausstellung im niedersächsischen Einbeck und gibt einen Einblick in die Historie der Fahrzeuge. "Wir wollen nicht den ökologischen Zeigefinger erheben", sagt Museumssprecher Alexander Kloss, "sondern wir wollen auch kritisch beleuchten. Etwa was den Abbau von seltenen Erden oder die fehlende Infrastruktur für die E-Mobilität angeht." Eine möglichst objektive Rekonstruktion der fast vergessenen Geschichte der Elektromobilität solle die Sonderausstellung sein. Beginnend mit dem ersten deutsche E-Fahrzeug bis hin zu aktuellen Modellen.

Weltweit einzigartige Ausstellung

Bis Oktober warten auf rund 1500 Quadratmetern 35 Elektroautomobile sowie E-Zweiräder aus den vergangenen 130 Jahren auf Besucher. Einige Autos sind sogar älter als die Hallen, in denen sie präsentiert werden. Der PS.Speicher im niedersächsischen Einbeck wurde 2014 eröffnet und befindet sich in einem denkmalgeschützten und restaurierten Kornspeicher aus dem Jahre 1899. Trägerin ist die Kulturstiftung Kornhaus, initiiert wurde das Projekt von Karl-Heinz Rehkopf. Der Kaufmann und Sammler brachte nicht nur seine private Sammlung deutscher Motorräder in die Stiftung ein - weltweit die größte - , sondern auch viele der nun ausgestellten E-Exponate. Er wolle mit einem modernen und lebendigen Ausstellungskonzept Besucher faszinieren und seine Freude an der Sammlung mit anderen Technikbegeisterten teilen, sagte Rehkopf im Vorfeld. "Unseres Wissens ist das der weltweit erste Versuch, die Geschichte des E-Autos auf diese Art darzustellen", sagt Museumssprecher Kloss.

Die Entwicklung der Elektromobilität selbst scheint indes vor rund 100 Jahren stehen geblieben zu sein. Auch wenn der Elektromotor gegenüber dem Verbrenner anfangs triumphierte, konnte er schon bald den Ansprüchen nicht mehr gerecht werden. Zu geringe Reichweiten, zu lange Ladezeiten und ein zu hohes Gewicht der Akkus - die damals erkannten Nachteile sind auch heute noch vorhanden. Mit dem ab 1911 einsetzenden Siegeszug der Benziner wurden nicht nur die Tankstellennetze ausgebaut und das Auto mehr und mehr zum Massenprodukt, sondern es wurde auch die Forschung am Elektroantrieb nahezu komplett eingestellt. Wie weit die E-Mobilität heute wäre, hätte sich die Entwicklung fortgesetzt, lässt sich nur erahnen.

Stadttauglich waren E-Autos schon immer

Detroit Electric aus dem Jahr 1915
Matthias Kriegel

Detroit Electric aus dem Jahr 1915

Das älteste Original-Modell in der Ausstellung ist ein Detroit Electric aus dem Jahre 1915. Das zweisitzige Kutschenmobil der Anderson Electric Car Company aus Detroit verfügte über eine Reichweite von 130 Kilometern und kam auf eine Höchstgeschwindigkeit von 32 km/h. Das in Einbeck gezeigte Auto ist fahrtüchtig und befindet sich in einwandfreiem Zustand. Noch bis in die Siebzigerjahre kutschierte eine ältere Dame mit dem E-Oldie durch den Stadtverkehr von New York.

Einen Auftrieb für Elektroautos gab es während der Kriegs- und Nachkriegsjahre in Europa, weil Benzin für Verbrennungsmotoren ebenso knapp und teuer war wie Hafer für Pferde. So ließ die in Berlin ansässige Wittler-Brotfabrik - damals der größte Brothersteller Europas - ab 1942 Pferdefuhrwerke für den Backwarenverkauf durch Elektro-Lkw ersetzen. Insgesamt zehn solcher elektrisch angetriebenen Brottransporter lieferte die Maschinenfabrik Esslingen in die damalige Reichshauptstadt.

Ein anderes spektakuläres Exponat ist das zwischen 1974 und 1979 in Florida gebaute Sebring-Vanguard Citicar. Die damalige Ölkrise hatte ein Umdenken erfordert und das Citicar wurde zu einem - im Vergleich zu anderen E-Modellen - riesigen Erfolg. 4444 Exemplare wurden abgesetzt. Damit war der Zweisitzer das meistverkaufte Elektroauto. Der Rekord wurde erst 2011 geknackt, und zwar vom Tesla Model S. Ein Auto, von dem man jetzt schon festhalten kann, dass mit ihm ein neues Kapitel in der Geschichte der Elektromobilität begann. Mit dieser Ära wird sich dann vermutlich irgendwann in Zukunft eine Ausstellung über Elektroautos beschäftigen.

Die Ausstellung "Unter Strom" ist voraussichtlich bis Ende Oktober 2018 im PS.Speicher in Einbeck zu sehen.



insgesamt 26 Beiträge
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Byrne 20.04.2018
1. Ja ja
E-Autos gelten auch heute nur bei deren Jüngern als wegweisende Neuschöpfung. Die mangelnde Reichweite und die langen Ladezeiten sind zwar die meist diskutierten, aber bei weitem nicht die elementarsten Probleme, die dieser Antrieb verursacht. Viel größere Probleme dürfte die nicht vorhandene bzw. zu bauende Infrastruktur zum Laden der Fahrzeuge bereiten. Die Kosten werden enorm sein und natürlich stellt sich die Frage: wer soll das bezahlen? Eigentlich kommen dafür nur die Netzbetreiber resp. die E-Autobesitzer über den Strompreis an den Ladesäulen dafür in Frage, das Tankstellennetz wurde/wird ja auch nicht vom Steuerzahler gebaut oder unterhalten. Hinzu kommt, dass diese enormen Investitionen in die Ladeinfrastruktur auch in den Sand gesetzt sein könnten, da es unter Experten keinesfalls unumstritten ist, welche Energieform in Zukunft zur Fortbewegung eingesetzt werden wird.
lobivia 20.04.2018
2. @#1
Natürlich wird im ersten Beitrag gleich wieder gemeckert und mit längst widerlegten Vorurteilen argumentiert. Wenn man sich die zukünftigen EU-Verbrauchsgrenzwerte ansieht, die in gut zehn Jahren Gesetzeskraft haben werden (bitte nicht wieder aus allen Wolken fallen), dann erklärt sich von selbst, dass der Verbrenner nur noch Beiwerk ist und es ohne Elektromobilität nicht gehen wird. Und jetzt bitte nicht wieder mit der Brennstoffzelle anfangen, wir heizen im Winter ja auch nicht bei offenen Fenstern und Türen.
Byrne 20.04.2018
3. Na klar
Zitat von lobiviaNatürlich wird im ersten Beitrag gleich wieder gemeckert und mit längst widerlegten Vorurteilen argumentiert. Wenn man sich die zukünftigen EU-Verbrauchsgrenzwerte ansieht, die in gut zehn Jahren Gesetzeskraft haben werden (bitte nicht wieder aus allen Wolken fallen), dann erklärt sich von selbst, dass der Verbrenner nur noch Beiwerk ist und es ohne Elektromobilität nicht gehen wird. Und jetzt bitte nicht wieder mit der Brennstoffzelle anfangen, wir heizen im Winter ja auch nicht bei offenen Fenstern und Türen.
Welche "Vorurteile" sollen das denn sein, die längst widerlegt wurden? Bezüglich der Probleme für die Netzinfrastruktur gibt es übrigens eine neue Studie der TU München, die eben gerade diese großen Probleme anspricht und bestätigt. Wem zur Fortbewegung nur Batterien und die Bennstoffzelle einfallen, ist übrigens sowieso technisch nicht auf dem neuesten Stand.
lobivia 20.04.2018
4. #3 @byrne
Natürlich gibt es das Fischer-Tropsch Verfahren, welches noch ineffizienter ist, es werden Redox-Flow Akkus projektiert, welche man betanken könnte (man beachte den Konjunktiv), es könnte Algensprit geben, fragt sich nur woher....usw. Die schrittweise Abschaffung des Verbrenners ist beschlossen und das kann man nachlesen. Probleme mit der Ladeinfrastruktur gibt es noch vor allem dort, wo Autofahren ohnehin Unfug ist, das sage ich als ehemaliger Großstadtbewohner. Es muss übrigens nicht alles so bleiben, wie es ist, das gilt auch für die Mobilität. Ich freue mich so lange an meinem Elektroauto.
litholas 20.04.2018
5.
Zitat von ByrneWelche "Vorurteile" sollen das denn sein, die längst widerlegt wurden? Bezüglich der Probleme für die Netzinfrastruktur gibt es übrigens eine neue Studie der TU München, die eben gerade diese großen Probleme anspricht und bestätigt. Wem zur Fortbewegung nur Batterien und die Bennstoffzelle einfallen, ist übrigens sowieso technisch nicht auf dem neuesten Stand.
Nur zu - bringen Sie uns auf den neuesten Stand. Tatsächlich wäre zum Personentransport und für leichte Frachten das Fahrrad optimal. Allerdings ganz neu gedacht, mit aerodynamischer und vor Witterung schützender Verkleidung (die Barrieren gegen Seitenwind ratsam macht) und Elektrounterstützung bei Gegenwind und bergauf. Auf neu zu bauenden kreuzungsfreien hochwertigen Wegen kann so selbst von gering Trainierten eine Dauergeschwindigkeit von 40km/h erreicht werden, was beim gegenwärtigen Verkehrskonzept nur auf sehr langen Strecken überschritten wird. Wegen der geringen Dimensionen der Fahrzeuge könnte man das Wegenetz so grosszügig bauen, dass man nonstop fahren könnte. Hielte uns gesund und verbrauchte sehr wenig Ressourcen. Aber das ist selbst den Grünen zu visionär.
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