US-Verkehrsminister: Autofahrer, lasst eure Toyotas stehen

Es ist ein beispielloser Aufruf: US-Verkehrsminister Ray LaHood hat Millionen Toyota-Besitzern geraten, ihre Wagen stehenzulassen. Die Fahrzeuge sind nach Einschätzung des Politikers wegen defekter Gaspedale grundsätzlich nicht mehr fahrtüchtig.

Toyota-Gaspedal: Der Imageschaden für das Unternehmen wird immer größer. Zur Großansicht
REUTERS

Toyota-Gaspedal: Der Imageschaden für das Unternehmen wird immer größer.

Washington - "Wenn irgendjemand solch ein Auto besitzt: Nicht mehr fahren und zu einem Toyota-Händler bringen", sagte LaHood am Mittwoch vor einem Ausschuss des US-Abgeordnetenhauses. "Wir müssen das Problem in den Griff bekommen, damit sich niemand darüber Gedanken machen muss, eventuell den Motor auszustellen, auf die Bremse zu steigen oder auszukuppeln."

Der japanische Hersteller hatte wegen klemmender Gaspedale Millionen von Autos zurückgerufen - mit verheerenden Folgen fürs Geschäft. Die monatlichen Verkäufe in den USA sind mittlerweile auf den niedrigsten Stand seit mehr als zehn Jahren gefallen. Toyota verkaufte im Januar nur noch 99.000 Autos in den USA, ein Absturz um 16 Prozent verglichen mit dem Vorjahr.

Nach dem Debakel um Gaspedale sieht sich der erfolgverwöhnte japanische Autoriese nun auch mit Beschwerden über Bremsen bei der neuen Generation seines Verkaufsschlagers, dem Hybridwagen Prius, konfrontiert. Nach Angaben des Verkehrsministeriums in Tokio vom Mittwoch liegen in Japan 14 Klagen vor. Hinzu kommen mehr als hundert ähnliche Beschwerden in den USA, so die Nachrichtenagentur Kyodo.

Eine Ursache für die Bremsprobleme soll die mögliche Fehlfunktion eines Sensors sein, wenn das Bremskontrollsystem einen Schlag erhält. Das japanische Transportministerium wies Toyota nach eigenen Angaben vom Mittwoch an, den Fall zu untersuchen. Toyota hatte die dritte Generation des Prius im Mai vergangenen Jahres in Japan und den USA herausgebracht. Das Modell wird in Japan hergestellt und ist nicht von den jüngsten massiven Rückrufaktionen wegen fehlerhafter Gaspedale betroffen.

Bei den nun gemeldeten Prius-Problemen soll es sich um Beschwerden über Bremsen handeln, die beim Fahren über unebene oder rutschige Straßen kurzzeitig nicht funktionierten. 13 der 14 Beschwerdefälle ereigneten sich im Dezember und Januar. Einer liegt schon länger zurück: Im Juli 2009 krachte ein Prius an einer Kreuzung in ein anderes Fahrzeug, zwei Menschen wurden dabei leicht verletzt, wie das Ministerium mitteilte.

hil/dpa/Bloomberg

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
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1. Na toll
brux 03.02.2010
Wurden die Pedale nicht von einem US-Zulieferer gemacht? Ausserdem produziert Toyota massiv in den USA. Falls der Minister die heimische Industrie fördern wollte, ging das wohl teilweise nach hinten los. Die geringe Anzahl berichteter Fälle deutet auf einen Medienhype hin. Und Autos bremsen tatsächlich schlechter auf rutschiger Fahrbahn. Das Ganze bestätigt meinen täglichen Eindruck, dass zu viele Idioten unterwegs sind. Autofahren ist doch wohl zu komplex für einige Mitmenschen.
2.
taiga 03.02.2010
Jetzt fehlt noch eine Kaufempfehlung für Ford, Chrysler und GM vom Verkehrsminister – mehr als die drei haben die Amis ja nicht mehr.
3. Ray LaHood
Rainer Daeschler 03.02.2010
Zitat von bruxWurden die Pedale nicht von einem US-Zulieferer gemacht? Ausserdem produziert Toyota massiv in den USA. Falls der Minister die heimische Industrie fördern wollte, ging das wohl teilweise nach hinten los. Die geringe Anzahl berichteter Fälle deutet auf einen Medienhype hin. Und Autos bremsen tatsächlich schlechter auf rutschiger Fahrbahn. Das Ganze bestätigt meinen täglichen Eindruck, dass zu viele Idioten unterwegs sind. Autofahren ist doch wohl zu komplex für einige Mitmenschen.
Ray LaHood (http://de.wikipedia.org/wiki/Ray_LaHood), erst Lehrer, dann Politiker, wäre in Deutschland ein normaler FDP-Karrierist. Der wird das nie verstehen.
4. So so
Susiisttot 03.02.2010
Es ist schon erstaunlich, dass solche Dinge immer in USA geschehen und vor allem bei Import Autos. Audi war auch schon mal Zielscheibe von Durch-die Wand-Fahrern. Sind die vielleicht von Hause aus zu dumm zum Autofahren? Immerhin muss man dort auch die Kuppelung treten um ein Auto überhaupt anlassen zu können. Könnte ja sein, das der einen Satz nach vorne macht wenn man den Schlüssel dreht. Aber in dem Land wird man ja auch gewarnt seine Katze in der Microwelle zu trocknen.
5. Dumme Autofahrer ?!
anebel 03.02.2010
Zitat von SusiisttotEs ist schon erstaunlich, dass solche Dinge immer in USA geschehen und vor allem bei Import Autos. Audi war auch schon mal Zielscheibe von Durch-die Wand-Fahrern. Sind die vielleicht von Hause aus zu dumm zum Autofahren? Immerhin muss man dort auch die Kuppelung treten um ein Auto überhaupt anlassen zu können. Könnte ja sein, das der einen Satz nach vorne macht wenn man den Schlüssel dreht. Aber in dem Land wird man ja auch gewarnt seine Katze in der Microwelle zu trocknen.
[QUOTE=Susiisttot;4953316]Es ist schon erstaunlich, dass solche Dinge immer in USA geschehen und vor allem bei Import Autos. Audi war auch schon mal Zielscheibe von Durch-die Wand-Fahrern. Sind die vielleicht von Hause aus zu dumm zum Autofahren? Immerhin muss man dort auch die Kuppelung treten um ein Auto überhaupt anlassen zu können. Könnte ja sein, das der einen Satz nach vorne macht wenn man den Schlüssel dreht. Aber in dem Land wird man ja auch gewarnt seine Katze in der Microwelle zu trocknen.
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Toyota-Historie: Ein Autohersteller mit IQ

Große Rückrufaktionen
Autohersteller mussten schon oft Fahrzeuge wegen möglicher Sicherheitsgefahren in die Werkstätten zurückrufen. Mehrfach waren mehr als eine Million Wagen betroffen - eine Übersicht.
Oktober 2009
Ein kleiner Schalter beschert dem US-Autobauer Ford die größte Rückrufaktion seiner Geschichte. Weil ein defekter Geschwindigkeitsregler Feuer auslösen kann, muss der Hersteller in den USA 4,5 Millionen ältere Modelle zurückrufen. Von dem seit langem bekannten Defekt des Tempomat-Schalters sind damit seit 1999 insgesamt rund 16 Millionen Fahrzeuge betroffen. Die Modelle stammen aus den Jahren 1992 bis 2003.
Januar 2009
Der japanische Autobauer Toyota ruft mehr als 1,35 Millionen Fahrzeuge in die Werkstätten, weil es Probleme bei den Sicherheitsgurten und der Abgasanlage gibt. In Japan betrifft der Rückruf rund 526 000 Kleinwagen. Weitere 830 000 Fahrzeuge wurden im Ausland verkauft, vornehmlich in Europa und Nordamerika.
Dezember 2007
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April 2005
Wegen möglicher Sicherheitsmängel sollen mehr als zwei Millionen Fahrzeuge des US-Autobauers General Motors in die Werkstatt. Darunter sind 1,5 Millionen Kleinlaster und Geländewagen, bei denen es Problemen bei den Sitzgurten gibt. Von dem Rückruf sind hauptsächlich Fahrzeuge in den USA betroffen, darunter der Cadillac Escalade, der Yukon und der Hummer H2.

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