Bagger gegen Auto Land over

Glas splittert, Blech zerfetzt, Stahl verbiegt - im Hafen von Baltimore haben amerikanische Zoll- und Grenzkontrolleure einen fabrikneuen Geländewagen vom Typ Land Rover Defender zerstört. Dass der Bagger anrückte, lag an einem fehlenden Sicherheitsfeature.

Baggermatsch: Ruckzuck wird aus einem Neuwagen Schrott, wenn die US-Zollbehörden mit einem hydraulischen Greifer zuschlagen.
AP / U.S. Department of Homeland Security

Baggermatsch: Ruckzuck wird aus einem Neuwagen Schrott, wenn die US-Zollbehörden mit einem hydraulischen Greifer zuschlagen.


In den USA gelten strenge Einreisebestimmungen - auch für Autos. Wenn die nicht eingehalten werden, wird offensichtlich nicht lange gefackelt. Als Beweis für unnachgiebiges Durchgreifen hat die US-Zollbehörde jetzt ein Foto veröffentlicht, das die Zerstörung eines Land Rover Defender in Baltimore zeigt. In verschiedenen amerikanischen Häfen seien mehrere Dutzend der fabrikneuen Allradmodelle aus Großbritannien demoliert worden, hieß es. Der Grund: Die Autos entsprechen nicht den gültigen Vorschriften der US-Zulassungsbehörde.

Wer auch immer versuchte, die Defender-Modelle in die USA einzuführen: er hätte wissen müssen, dass das schiefgeht. Denn neu sind die Regularien nicht. Der britische Hersteller Land Rover hat bereits 1996 den Export des Defenders in die USA eingestellt, nachdem in den Jahren zuvor eine Sonderserie mit V8-Benzinmotor speziell für Nordamerika aufgelegt und dort verkauft worden war. Doch seit 1998 schreiben die US-Zulassungsregeln vor, dass in Neuwagen Airbags für beide Frontinsassen sowie Aufprallschutzgestänge in den Türen verbaut sein müssen.

Beides kann der Defender nicht bieten, ebensowenig ABS. In Europa und im Rest der Welt darf der Offroad-Methusalem, dessen Urmodell bereits 1948 auf den Markt kam, noch verkauft werden. Der Trick: Hierzulande wird der Defender als Lkw zugelassen. Anders würde es auch gar nicht mehr gehen, denn der 2,2-Liter-Dieselmotor erfüllt gerade so die Euro-5-Abgasnorm. Ab 2015 reicht das nicht mehr aus, und auch die ab dann geltenden EU-Vorschriften zum Fußgängerschutz sind mit der kantigen Rustikalkarosserie des Wagens nicht mehr zu erfüllen. Für den Defender ist dann nach 67 Jahren Bauzeit endgültig Schluss. An einem Nachfolgemodell arbeiten die Briten bereits.

jüp

Mehr zum Thema


Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 38 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
emantsol 16.08.2013
1. Dekadent
Man hätte die Fahrzeuge nicht zurück schicken oder spenden können? Warum wurde so verfahren? Gibt es Infos dazu? Warum auch immer, ich finde die Aktion nicht gut.
shine31 16.08.2013
2. Einfuhr zu verweigern reicht nicht?
Auf die simple Idee die Einfuhr zu verweigern und den Inhaber zum Rücktransport zu verpflichten ist man wohl nicht gekommen? Das ist ja wie ne Todesstrafe bei Einreiseverbot für Menschen. Aber die Amis machden das demnächst wahrscheinlich auch...
karlsiegfried 16.08.2013
3. Irgendwie eigenartig
Muss das, kann das, darf das? Das Land der unbegrenzten Möglichkeiten. Wirklich in jeder Beziehung.
Strg+C 16.08.2013
4. Hier haben wir den Beweis:
Amerika ist ein zivilierstes Land. Wer sich nicht an die Regeln hält, muss mit harte Konsequenzen rechnen. Außer man ist Banker. Oder Öl-Multi.
GerhardFeder 16.08.2013
5. Oder, oder
Zitat von Strg+CAmerika ist ein zivilierstes Land. Wer sich nicht an die Regeln hält, muss mit harte Konsequenzen rechnen. Außer man ist Banker. Oder Öl-Multi.
Oder Präsident, oder US-Militär, oder Guantanamo-Personal, oder, oder oder
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.