Geschenk für US-Autohersteller Mehr Spritschlucker, weniger Elektroautos - Trump will Abgasgrenzwerte lockern

Die Trump-Administration plant eine Aufweichung der Umweltregelungen für Autos, die unter Vorgänger Obama beschlossen wurden. US-Hersteller dürften so viele Milliarden sparen.


US-Präsident Donald Trump plant einen Aufschub für Spritschlucker. Die US-Verkehrs- und Umweltbehörde schlugen vor, die Grenzwerte für den Spritverbrauch bis ins Jahr 2026 auf dem Niveau des Jahres 2020 einzufrieren - damit bräuchten die Hersteller deutlich weniger Elektroautos, um diese Ziele zu erreichen. Damit revidiert Donald Trump Emissionsstandards, die unter seinem Vorgänger Barack Obama beschlossen wurden.

Dieser Schritt ist mit dem Weißen Haus abgestimmt und würde den Ölverbrauch der USA um rund 500.000 Barrel am Tag bis zum Jahr 2030 erhöhen, erklärten die Behörden. Den Autoherstellern kommt die Lockerung entgegen, sie könnten durch den Vorschlag rund 320 Milliarden Dollar einsparen, die sonst durch Entwicklung, Material, oder Zulassung verursacht würden.

Die größten Profiteure der Maßnahme wären mit jeweils rund 60 Milliarden Dollar an eingesparten Kosten General Motors, Ford sowie Fiat Chrysler. Falls der Vorschlag umgesetzt wird, würde dies die nötige Anzahl E-Autos und Hybride im Portfolio der Hersteller, um die Grenzwerte zu erreichen, drastisch senken. Außerdem würden auch erwartete Strafzahlungen der Hersteller in Höhe von 3 Milliarden Dollar für das Verfehlen der Standards entfallen.

Trump kippt Ziele der Obama-Regierung

Trump hatte im Frühjahr 2017 bereits angekündigt, die Auflagen für den Spritverbrauch neuer Pkw überprüfen zu lassen. Nur wenige Tage vor Ablösung der Obama-Regierung hatte die Umweltbehörde die Standards für den Spritverbrauch und die damit verbundenen Emissionen festgelegt. Demnach sollte der Verbrauch von leichten Nutzfahrzeugen und Autos bis zum Jahr 2025 auf 54,5 Meilen pro Gallone sinken, das entspricht etwa 4,5 Liter Benzin auf 100 Kilometern. Im Vergleich zu 2010 wäre der Verbrauch dann um die Hälfte reduziert.

International könnten die aufgeweichten Emissionsstandards der USA nur geringen Einfluss auf die Modellpolitik der Hersteller haben. Auf wichtigen Märkten wie China oder Europa werden die Abgasvorschriften kontinuierlich verschärft. Europa arbeitet derzeit an neuen CO2-Zielwerten für die Zeit nach 2021. Die Autoindustrie tritt auch hier für möglichst lasche Einsparungsziele ein.

Konflikt zwischen Regierung und Bundesstaaten

Mit dem Vorschlag dürften sich die Spannungen zwischen 17 Bundesstaaten und dem Weißen Haus weiter verstärken. Vor allem Kaliforniens strenge Abgasvorschriften sind der Trump-Administration ein Dorn im Auge, rund ein Dutzend weiterer Bundesstaaten hat die kalifornischen Regeln übernommen. Dadurch gelten sie für rund ein Drittel des US-Automarkts, die geplante Änderung bedroht diese Regelung jedoch.

Deshalb haben jene 17 Bundesstaaten bereits im Mai Klage gegen eine Entscheidung der US-Umweltbehörde EPA eingereicht. Kaliforniens Generalstaatsanwalt Xavier Becerra erklärte, er werde "alle rechtlichen Mittel" nutzen, um die derzeitigen Standards zu schützen.

ene/rtr



insgesamt 42 Beiträge
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Seite 1
realplayer 02.08.2018
1.
Super, dann hat BMW in den USA keine Probleme mehr.
wiescheid 02.08.2018
2. Na dann mal hoch mit dem Verbrauch
Wenn ich das richtig verstehe, sollten ja dann bis 2020 die Verbräuche noch deutlich steigen, damit man dann zukünftig mehr Spielraum hat. Kann ja nur von Trump und seiner Chaoten-Truppe kommen...
striver 02.08.2018
3. Eigentor
Wenn die US-Hersteller auf Donalds Angebot hereinfallen, dann werden sie noch weiter vom internationalen Stand der Technik abgehängt. Das wird mittelfristig ihre Position gehörig Schwächen. Aber so weitsichtig ist der US-Präsident nun mal nicht. Man sollte diese US-Idiotenschleudern wie Camaro, Mustang und Co. in Europa eigentlich eh verbieten. Zu durstig, zu laut, zu kurzlebig.
dulutz 02.08.2018
4. unfair
Prima! Da kann sich Trump jetzt weiter darüber beschweren, dass die USA so wenig Autos exportieren.
123mayer 02.08.2018
5. Super
weninger Elektroautos = weniger unmenschliche Kinderarbeit beim Kobaltbergbau im Kongo.
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