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Vanderhall Laguna: Der hat ein Rad ab

Von Jürgen Pander

Vanderhall Laguna: Er nennt es Autocycle Fotos
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Der Vanderhall Laguna hat drei Räder, 200 PS und sieht aus wie ein zusammengestauchter Hot-Rod. Hinter dem bizarren Fahrzeug steckt ein selbstbewusster Entwickler - der für sein Gefährt einen stolzen Preis verlangt.

Ist der Vanderhall Laguna jetzt ein Motorrad - oder doch eher ein Auto? "Ein Autocycle", sagt Steve Hall, Gründer und Chef der Firma Vanderhall Motor Works in Provo im US-Staat Utah. "Man kann dieses Fahrzeug gar nicht anders nennen, denn es verfügt sowohl über die Vorteile von einem Auto als auch von einem Motorrad."

Da hat der Mann vermutlich recht: Man kann wie in einem Pkw nebeneinander sitzen, das Gefährt kann nicht umfallen, und man braucht auch keinen Helm, denn es gibt Sicherheitsgurte und Überrollbügel. Andererseits verfügt das Vehikel über Motorrad-ähnliche Fahrleistungen. Beim Vanderhall Laguna treffen nämlich 200 PS auf 703 Kilogramm Fahrzeuggewicht. Was einen Spurt von 0 auf 100 km/h in 4,5 Sekunden ermöglicht und eine Höchstgeschwindigkeit von 220 km/h. Mehr Tempo wäre möglich, doch es gibt einen elektronischen Begrenzer.

Unterstützung aus Rüsselsheim

Der Aufbau des Vanderhall Laguna ist einfach, die Materialien sind exquisit. Ein Aluminiumrahmen trägt die Karosserie aus Karbonfasern, auch Armaturentafel und andere Interieurteile werden aus dem Leichtbauwerkstoff gebacken. Der Motor wiederum stammt von General Motors, genauer: von Opel. Es handelt sich um ein auf 200 PS Leistung getuntes 1,4-Liter-Vierzylinder-Turbotriebwerk. Die Kraftübertragung erfolgt über ein Sechsgang-Automatikgetriebe mit Schaltwippen am Lenkrad.

Bei den Rädern könnte man auch von Walzen sprechen, denn vorn gibt es zwei 235er-Reifen der Größe 19 Zoll, hinten ist es ein 315er-Pneu der Größe 20 Zoll. Das bedeutet drei ordentliche Aufstandsflächen, um ausreichend Grip für Beschleunigungs-, Antriebs- oder Querkräfte zu erzeugen.

Der Vanderhall Laguna rollt auf fetten Walzen Zur Großansicht
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Der Vanderhall Laguna rollt auf fetten Walzen

Rund 40 Prototypen haben Steve Hall und seine Mitarbeiter in den vergangenen Jahren gebaut. Nun hat das Dreirad die Serienreife erreicht. Ab sofort kann der Vanderhall Laguna bestellt werden, im Mai sollen die ersten Exemplare an Kunden in den USA gehen - zum Preis von jeweils 77.000 Dollar, umgerechnet etwa 70.000 Euro. "Wir wollen im ersten Jahr 50 Autocycles bauen", sagt Hall. "Wenn alles läuft, liegt die Jahreskapazität bei etwa 250 Exemplaren."

Bei dem aufgerufenen Preis, der eher in Richtung Sportwagen als in Richtung Motorrad weist, darf man ein wenig Luxus erwarten: Es gibt also Lederpolster, Klimaanlagen, beheizbare Sitze und eine 600 Watt starke Musikanlage. Dazu die Gewissheit, dass in jedem Vanderhall Laguna viele Stunden Handarbeit stecken - sogar lackiert wird er manuell.

Motorrad oder Auto? Die Behörden haben sich festgelegt

Ganz neu ist die Idee vom sportlichen Dreirad natürlich nicht. Der Morgan Threewheeler erlebte 2012 eine Renaissance, nachdem das Unternehmen bereits ab 1909 dreirädrige Motorfahrzeuge gebaut und verkauft hatte (bis 1952).

Nun also kommen zum alten Konzept, das ursprünglich der Einfachheit und der Sparsamkeit entsprungen war, neue Zutaten wie Exklusivität, Sportlichkeit und ein Schuss Exaltiertheit. "Ich habe das Gefühl", sagt Vanderhall-Chef Steve Hall, "dass wir hier einen neuen Klassiker geschaffen haben."

An Selbstbewusstsein mangelt es dem Entwickler offenbar nicht. Ob aus dem Vanderhall Laguna wirklich ein Klassiker wird, wird sich noch herausstellen. Die Frage, ob es sich jetzt eher um Bolide oder Bike handelt, ist aber bereits geklärt - zumindest von den Behörden: Um auf die Straße zu dürfen, reicht in den meisten Staaten eine Motorradzulassung.

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insgesamt 23 Beiträge
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1.
wakaba 11.01.2016
Sehr gut gelungen. Im Land der Streetrods fehlt die Marktlücke für 1.4l Motörchen und Fahrzeugbriefdatum 2016 bei 3xPreis. Am Wochende gibts viel interessantes auf der Strasse zu sehen und das hat halt massig Leistung und individuellen Look.
2. Falsche Entwicklungsrichtung -
christian_julius_richter 11.01.2016
Die Karre sieht aus wie aus einem "Fallout" - Videospiel entsprungen, dass durch außergewöhnlich schlechten Geschmack auffällt. Was wir wirklich brauchen sind Flugautos, die mit aktiviertem Wasser angetrieben werden (HHO), die also emissionsfrei laufen, vielleicht noch durch nen Deteriumantrieb ergänzt sind und die einen natürlichen Aufbau besitzen (Keramik oder sowas, vielleicht mit Blumen). In den USA gibt es schon teilweise Schwebeautos.
3. Schon wieder so ein Dingen...
krustentier120 11.01.2016
Ich habe eher das Gefühl, dass Ding vereint die Nachteile von Motorrad und Auto: Kann sich nicht in die Kurven legen und ist zu breit im sich durch den Stau zu schlängeln, aber man wird trotzdem Nass wenn es regnet und es gibt keinen Kofferraum. Halt ein Spielzeug für Leute, die gerne die Fahrleistungen eines Motorrads hätten, aber Angst davor haben umzukippen.
4.
dwg 11.01.2016
Da macht das Fahren sicher reichlich Spaß. Nur grundsätzlich ist es so, daß die Fläche eines Dreiecks kleiner als die eines entsprechenden Rechtecks ist. Und wenn der Schwerpunkt die Fläche verläßt, hört der Spaß auf. Plötzlich.
5. Nachteil
sametime 11.01.2016
Ja, Vorteile vom Auto und vom Motorrad, aber Nachteile vom Dreirad. Wer mal ein Dreirad gefahren ist, weiß, wie unangenehm das Heck tanzt, wenn es in eine Spurrinne kommt. Ob die Reifenbreite ausreicht, Spurrinnen zu überbrücken, müsste man ausprobieren, dazu wäre ich gern bereit :-)
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