VCD-Autoliste Umweltschützer empfehlen neue Dieselautos zum Kauf

Der ökologisch orientierte Verkehrsclub Deutschland rät erstmals seit drei Jahren wieder zum Kauf von Dieselautos. Die Abgasreinigung funktioniere inzwischen deutlich besser. Die Empfehlungen im Überblick.

Peugeot

Der Dieselantrieb kommt zusehends aus der Schmuddelecke heraus. Erstmals seit drei Jahren empfiehlt der ökologisch orientierte Verkehrsclub Deutschland (VCD) Fahrzeuge mit der Technologie.

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VCD-Umweltliste: Zu diesen Autos rät der Öko-Verkehrsklub

"Neue Diesel-Pkw schneiden in Labortests gut ab und sind auf der Straße sauber", schreibt der Verein in seiner Publikation zur VCD Auto-Umweltliste 2018/2019. Der Ausstoß von Stickoxiden liege bei Fahrzeugen, die die Abgasnorm Euro 6d-temp erfüllen, deutlich niedriger als bei älteren Modellen.

Das gelte insbesondere für reale Fahrbedingungen auf der Straße. "Die Abgaswerte einzelner Fahrzeuge liegen sogar auf dem Niveau der Werte eines Benziners." Zu dieser Erkenntnis waren zuletzt auch andere Umweltorganisationen und der ADAC gelangt.

Von Dieselautos mit älterer Abgasnorm wie Euro 6c rät der VCD ab. "Der große Skandal ist, dass noch immer solche Dreckschleudern verkauft werden", sagte der verkehrspolitische Sprecher des VCD, Gerd Lottsiepen.

Hersteller bauen leistungsfähigere Stickoxid-Katalysatoren ein

Um die aktuelle Abgasnorm zu erfüllen, bauen Hersteller leistungsfähigere Stickoxid-Katalysatoren in die Autos ein. Bevor die massenhafte Manipulation von Dieselautos von Herbst 2015 an aufflog, hatten sie die damit verbundenen Kosten gescheut.

Der VCD empfiehlt 21 Dieselautos, die nicht nur wenig Stickoxide ausstoßen, sondern auch relativ wenig Treibstoff verbrauchen. Am sparsamsten ist der Peugeot 308 SW Blue HDi 100, der auf 100 Kilometern offiziell mit 4,4 Litern Sprit auskommt.

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Abgasnorm Euro 6d-temp: Die Lieblingsautos der Deutschen - nicht alle gibt es als saubere Diesel

In der Liste taucht lediglich ein deutscher Hersteller auf: BMW ist mit zwei 2er-Modellen (Active Tourer 216d 6-Gang Manuell und Gran Tourer 216d Manuell), einem 3er (320d Efficient Dynamics Edition Manuell) und dem X2 sDrive 18d Manuell vertreten.

Die VCD-Zusammenstellung ist erneut kein Ranking, sondern eine "Positivliste" empfehlenswerter Autos. Dem Verein fehlten nach eigenen Angaben Daten etlicher Hersteller - darunter Volkswagen -, sodass nicht alle Fahrzeuge bewertet werden konnten. Grund war offenbar die Umstellung sämtlicher Verbrauchswerte auf das realitätsnähere WLTP-Prüfverfahren zum September 2018, was manche Hersteller nicht rechtzeitig geschafft haben.

VCD empfiehlt auch Benziner, Hybride und Erdgasauto

Auf der Liste finden sich auch viele Benziner, von denen der VCD den Ford Focus 1.0 Liter Ecoboost, den Toyota Aygo 1,0 Liter VVT-i, Peugeot 108 Access VTi 72 und den Citroën C1 Start VTi 72 als besonders sparsam herausstellt. Die drei letztgenannten Kleinstwagen stoßen von allen Autos mit Verbrennungsmotor am wenigsten CO2 aus - knapp 110 Gramm pro Kilometer.

Schließlich empfiehlt der VCD den Toyota Prius als einen von mehreren Hybridwagen. Genannt wird auch der Erdgas-Up von VW.

Elektroautos punkten bei CO2-Ausstoß

Auch die umweltfreundlichsten Elektroautos führt der VCD auf. Gut schneiden der Renault Zoe, der BMW i3 sowie E-Golf und E-Up von VW ab. Pro Kilometer stoßen diese vier Modelle mittelbar lediglich zwischen 70 und 80 Gramm CO2 aus, die bei der Stromerzeugung anfallen. Zugrunde gelegt ist der deutsche Strommix aus 2017.

Obwohl der VCD den Diesel für den Moment rehabilitiert, erwartet und wünscht er keine Renaissance der Technologie. Derzeit sei er als Übergangstechnologie in manchen Fahrzeugklassen zwar wieder sinnvoll. Jedoch sei der Antrieb für ökologisch vorteilhafte Kleinwagenmodelle zunehmend unattraktiv, da die Abgasreinigung die Fahrzeuge verteuere. Absehbar seien kleine Elektroautos die sauberere Lösung.

nis

insgesamt 122 Beiträge
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KupferSulfat 18.10.2018
1.
"Die drei letztgenanntenKleinstwagenstoßen von allen Autos mit Verbrennungsmotor am wenigsten CO2 aus - knapp 110 Gramm auf 100 Kilometern." Wie ist das zu verstehen ? Dann wäre ja praktisch der Verbrauch 0.
syt 18.10.2018
2. Tja,sage mal ?
Jetzt kaufen und in drei Jahren wieder zurück in die Presse ? Meine Fresse !
huberweisse 18.10.2018
3. Kleinwagen
Was ist, wenn man auf größere Autos angewiesen ist? Wieso kommt kein einziger Kombi/Van in dieser Liste vor?
lalito 18.10.2018
4. Passt
Nur dem bzw. der Finanzminister/in passen solche Verbräuche überhaupt nicht in den Kram. Der Chef eines Autohauses neulich halböffentlich: "Der Kunde ordert nun mal die PS-starken Fahrzeuge . . . " Sollen die Lütten, die nicht größer können, doch "vernünftig" sparen. Die feiste Logik einer durchliberalisierten Ökonomie.
syt 18.10.2018
5. Das Problem war ja,das ein Diesel,
wenn die Abgase möglichst gut gereinigt werden,mit dem da zu gerechneten höheren Kaufpreis ,sich dann nicht mehr rechnet. So kann auch Benzin oder Gas verbrannt werden ! Oder die Benziner werden teurer,da sie Feinstaubfilter bekommen,um in Städte fahren zu dürfen ?
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