Veredler aus Mailand: Was den Fiat 500 noch exklusiver macht

Von Tom Grünweg

Zehn Farben, sieben Felgendesigns, hunderte von Extras: Glaubt man Fiat, gleicht bislang kein verkaufter 500er dem anderen. Noch individueller wird das Auto, wenn man es dem Veredler Carozzeria Castagna überlässt.

Fiat-500-Umbauten: Vielfalt im Kleinformat Fotos

Es war ein bizarres Bild: Als die libyschen Rebellen vor wenigen Wochen den Palast des Ex-Diktators Muammar al-Gaddafi in Tripolis stürmten, fielen ihnen nicht die üblichen Luxuskarossen in die Hände. Statt eines Wagens von Maybach, Rolls-Royce, Porsche oder Ferrari schoben sie einen Fiat 500 aus Gaddafis Garage. Es war allerdings ein besonderes Modell. Was die Rebellen fanden, war ein komplett umgebautes grün-goldenes Cabrio, luftiger als ein Mini Moke oder ein Citroën Mehari. Das auf Elektroantrieb umgerüstete Auto, das an der Küste Riminis sicher eine bessere Figur machen würde als in der libyschen Wüste, hatte Gaddafi als Souvenir von einer Italienreise mitgebracht. So erhielt eine Mailänder Automanufaktur zweifelhafte PR: die Carozzeria Castagna.

Das mehr als 160 Jahre alte Karosseriebauunternehmen gilt als Armani der Autobranche. Es schneidert Blechkleider, die den Fahrzeugherstellern zu gewagt erscheinen. Während Konzerne erst nach dem Geschäftsmodell fragen und das Marktpotential abschätzen, arbeitet Castagna einfach drauf los. Oder wartet darauf, das reiche Kunden ihre schrillen Ideen verwirklichen wollen.

Jeder Fiat 500 ist anders

Die aktuelle Flotte, die Castagna nach Modemanier als Kollektion bezeichnet, widmet sich in erster Linie dem Fiat 500. Das ist durchaus mutig, denn schon ab Werk gibt es den Knirps in unübersehbar vielen Varianten. Die mehrere hundert Positionen umfassende Liste von Optionen ermöglicht laut Fiat mehr als 500.000 Varianten. Es heißt, bislang gebe es noch keine zwei identisch ausgestatteten 500er. Was es aber offenbar gibt, sind Kunden, die sich noch mehr Exklusivität für ihren Flitzer wünschen.

Wen sie es leisten können, landen diese Kunden vielleicht in der Via Beroldo in Mailand. "Bei uns finden alle Gehör", sagt Castagna-Designer Gioacchino Acampora. "Kein Wunsch oder Bedürfnis unserer Kunden ist unerfüllbar." Im Showroom der Firma und auf der Castagna-Website sieht man Umbauten, gegen die selbst Gaddafis Cabrio unspektakulär wirkt: Dort gibt es den Fiat 500 als Strechlimousine mit und ohne Seitenwand, als sommerlichen Pickup mit zwei oder vier Sitzen sowie als Open-Air-Modell im Stil des klassischen Jolly-Umbaus, mit dem der Fiat 500 in den fünfziger Jahren schon einmal zum Strandläufer wurde.

Sogar Duschen werden eingebaut

Castagna folgt aber nicht nur den Trends, sondern investiert auch in die Technik. So wird neben einem Elektroantrieb für den Fiat 500 zum Beispiel eine Allrad-Umrüstung angeboten. Und wer mit dem Kleinwagen häufiger an den Strand fahren möchte, bestellt am besten das sogenannte "Passion Kit After Sun". Dann erhält das Auto eine Box voller Handtücher und gekühlter Getränke. Im Kofferraum befindet sich dazu passend eine kleine Dusche, mit der man sich Salz und Sand abwaschen kann.

Während solche kleineren Sondereinbauten in ein bis zwei Wochen erledigt sind, lässt sich Castagna für größere Umbauten mehr Zeit. "Wenn wir ein echtes Einzelstück bauen, dauert das manchmal mehr als 4000 Arbeitsstunden", sagt Acampora. Kein Wunder also, dass zum Beispiel die Stretchlimousine mit vier Freisitzen im Fond mehr als 150.000 Euro kostet - das Basisfahrzeug immerhin mit eingeschlossen. Obwohl die Preise also weit jenseits dessen liegen, was man bei Fiat für einen 500er bezahlt, gibt es reichlich Aufträge. "Derzeit kommen wir auf eine Jahresproduktion von 30 Fahrzeugen."

Fiat plant keine Kombi-Variante

Abgesehen von den Show-Umbauten hat Castagna jetzt auch die praktische Seite des kleinen Fiat entdeckt. Seit einigen Wochen wird der 500er auch als Wagon und als Woddy verkauft. Inspirieren ließen sich die Designer vom Ur-500er, den Fiat zwischen 1960 und 1977 unter dem Namens "Giardiniera" anbot. Das Modell war so erfolgreich, dass immer wieder mit einer Neuauflage der "Gärtnerin" gerechnet wurde.

Offiziell planen die Turiner Autobauer jedoch nichts dergleichen. "Nein, eine neue Giardiniera wird es vom Fiat 500 nicht geben", sagt Fiat-Sprecher Claus Witzeck. Die vermeintlichen Pläne seien lediglich Spekulationen, die offenbar vom Mini Clubman genährt wurden. Aber weil sich schon der mäßig verkaufe, werde Fiat sicher nicht nachziehen.

Castagna-Designer Acampora dürfte diese Zögerlichkeit freuen. Denn obwohl sein Arbeitgeber für den Kombi-Umbau des Fiat 500 bis zu 75.000 Euro plus Steuern berechnet, sind die ersten sechs dieser Autos schon verkauft. Ein Bedarf scheint also zu bestehen.

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insgesamt 7 Beiträge
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1. Ich habe gar kein Auto, aber....
WolArn 13.10.2011
...der Fiat500 ist für mich ein Traum. :) ...aber nur der einfache Originale in weiß und mit Alu-Felgen, und nicht diese Castagna-Varianten, außer wenn ich dort auch die Innenausstattung komplett in weiß bekommen könnte. Auch wenn ich mir jedes Auto leisten könnte, ich würde nur den 500 haben wollen, obwohl ich Fiat nie besonders mochte. Der hatte immer so ein Billig-Image. Das hat der 500 zwar auch noch, wäre mir in dem Fall aber egal.
2. Alptraum
hairforce 13.10.2011
Zitat von sysopZehn Farben, sieben Felgendesigns, hunderte von Extras:*Glaubt man Fiat,*gleicht*bislang kein verkaufter 500er dem anderen. Noch individueller wird das Auto, wenn*man*es dem*Veredler Carozzeria Castagna überlässt. http://www.spiegel.de/auto/aktuell/0,1518,789832,00.html
Hatte zum Spass einen Fiat 500 acht Tage als Leihwagen bei einem Auslandsaufenthalt. Aus dem Spass wurde Ernst. Habe noch niemals in einem Fahzeug schlechter gesessen als in diesem. Vielleicht war es einer der 500er, der keinem anderen gleicht.
3. .....
H.D. 14.10.2011
Zitat von hairforceHatte zum Spass einen Fiat 500 acht Tage als Leihwagen bei einem Auslandsaufenthalt. Aus dem Spass wurde Ernst. Habe noch niemals in einem Fahzeug schlechter gesessen als in diesem. Vielleicht war es einer der 500er, der keinem anderen gleicht.
okay - manche Leute müssen ihr Ego aufpolieren, indem dumme Allgemeinplätze verteilt werden. Nur weil ich zu geizig bin First-Class zu fliegen, darf ich mich nicht beschweren, wenn die Beinfreiheit in der Holzklasse enger/kürzer ausfällt.
4. .
Motorpsycho 14.10.2011
Ist bei der Aussage, dass es keine zwei identischen Fiat 500 gibt, das Nummernschild miteinbezogen? Ansonsten kann man es kaum glauben, oder besteht der Kundenstamm ausschließlich aus Einzelkäufern? Kunden mit Fahrzeugflotte werden kaum jeden Wagen einzeln konfigurieren.
5. Holzklasse
cor 14.10.2011
Zitat von H.D.okay - manche Leute müssen ihr Ego aufpolieren, indem dumme Allgemeinplätze verteilt werden. Nur weil ich zu geizig bin First-Class zu fliegen, darf ich mich nicht beschweren, wenn die Beinfreiheit in der Holzklasse enger/kürzer ausfällt.
Heutzutage kann man eigentlich schon erwarten, dass selbst die Holzklasse der Autos einigermassen bequem ist! Aber mal was anderes: Wieso denn bitte "Was den Fiat 500 *noch* exklusiver macht". Exklusivität ist nicht gleich Einzigartigkeit. Jeder Fiat 500 mag einzigartig sein mit den 500.000 Varianten, etwas exklusives kann ich daran aber trotzdem nicht erkennen. Vielleicht sollte Herr Grünweg nochmal nachschauen, was "Exklusiv" bedeutet.
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