Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.

Boom bei den SUV: Es wird schwer

SUV-Ranking: Die zehn meistverkauften Geländewagen Fotos
Volkswagen

Sportliche Geländewagen werden in Deutschland immer beliebter. Laut einer Studie hat der Marktanteil der SUV im ersten Halbjahr 2012 einen Rekordwert erreicht. Stärker wächst kein anderes Fahrzeugsegment. Die Macher der Studie sehen mehrere Gründe für den Erfolg der Autos.

Frankfurt/Main - Sie machen keinen Platz auf der Überholspur: Geländewagen liegen in Deutschland weiter im Trend. Laut einer Studie des CAR-Center der Universität Duisburg-Essen sind die Marktanteile der SUV (Sport Utility Vehicle) im ersten Halbjahr 2012 auf 15,2 Prozent gestiegen. Vor vier Jahren betrug der Anteil noch 8,2 Prozent. Nach den Kompakten und den Kleinwagen ist diese Fahrzeugklasse damit die drittstärkste in Deutschland. Und laut den Machern der Studie ist kein Ende ihres Erfolgs in Sicht.

248.170 Geländewagen wurden von Januar bis Juni 2012 verkauft. Im Jahr 2015, so die Prognose von Auto-Experte Ferdinand Dudenhöffer, könnten die Verkaufszahlen auf bis zu 576.000 Exemplare steigen. Das entspreche einem Marktanteil von 18 Prozent. "Die Hersteller werden die große Nachfrage auf diesem Segment bedienen und ein größeres Produktangebot schaffen", sagt der Leiter des CAR-Center.

Das Erfolgsgeheimnis der Geländewagen liegt nach Ansicht des Experten in deren Vielseitigkeit. "Sie verbinden Emotionen, Abenteuer und Sicherheit." Sportliches Design, Übersicht über die Straße, bequemer Komfort - kein anderer Fahrzeugtyp könne das in sich so vereinen wie die SUV. "Außerdem liegt das Durchschnittsalter der Autokäufer mittlerweile bei 51 Jahren", erklärt Dudenhöffer, "da tut einem im Sportwagen schon mal das Kreuz weh und die Limousine wird im Vergleich zum Geländewagen als unsicherer betrachtet."

Emotionsgeladen und klassenlos

Der Erfolg der SUV geht seinen Analysen zufolge vor allem auf Kosten der Vans und Mittelklasselimousinen. "Der Marktanteil der Limousinen lag 1995 beispielsweise noch bei 26 Prozent. Mittlerweile ist er auf rund 13 Prozent geschrumpft." Bei den Vans - in Sachen Komfort und Sicherheit am ehesten mit SUV vergleichbar - sank der Anteil innerhalb von zehn Jahren um vier Prozent. "Diese Autos können einfach in Sachen Emotionen nicht mit den Geländewagen mithalten", sagt Dudenhöffer.

Klarer Marktführer ist laut Statistik der VW Tiguan mit knapp 46.000 verkauften Exemplaren. Das kleine SUV-Modell gibt den Trend vor: Vier von fünf verkauften Geländewagen rechnet das CAR-Institut der kompakten Klasse zu. Die richtig schweren Brocken haben hingegen in der Wirtschaftskrise 2009 deutlich an Zuspruch verloren und führen nach Stückzahlen auf dem deutschen Markt eher ein Nischendasein. Gleichwohl steigen weitere Luxushersteller wie zum Beispiel Lamborghini in das Segment ein. Erfolgversprechend sind nach Ansicht Dudenhöffers aber vor allem Mini-SUV wie der Opel Mokka, die das Angebot nach unten ergänzen.

"Das breite Angebot vom Billig-SUV bis zum Luxus-Geländewagen ist ein weiterer Vorteil des Segments", meint Dudenhöffer. "Diese Autos sind klassenlos - vom Fabrikarbeiter bis zum Bankdirektor findet jeder das passende Modell."

Neben den Vans und Limousinen gibt es aber noch einen weiteren Verlierer des Triumphzugs der SUV: die Umwelt. Denn selbst die kleineren Geländewagen verbrauchen laut Dudenhöffer rund zehn Prozent mehr Sprit als Autos mit vergleichbarem Platzangebot - und stoßen damit auch mehr CO2 aus.

Bis 2020, so ist sich der Experte zwar sicher, werde sich auch bei den SUV der von der EU geforderte CO2-Wert von 95 Gramm pro Kilometer erreichen lassen. "Aber natürlich sind Geländewagen unter dem Aspekt der Umweltverträglichkeit nicht die Ideallösung", sagt er. "Dennoch lässt sich mit den Kompaktmodellen ein Kompromiss zwischen Umweltbewusstsein und Lust auf SUV vereinbaren." Für Dudenhöffer persönlich scheint diese Rechnung jedenfalls aufzugehen: Der Auto-Experte fährt nach eigener Auskunft selbst einen kompakten SUV.

cst/dpa

Diesen Artikel...
Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 218 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. Optional
gummiball2 01.08.2012
---Zitat--- "Sie verbinden Emotionen, Abenteuer und Sicherheit." ---Zitatende--- Sicherheit auf Kosten der Anderen.
2. Geländewagen...
hendiadyoin 01.08.2012
... sind SUVs nun wirklich nicht, auch wenn sie nicht gleich bei jedem Schlagloch auseinanderfallen :)
3. Bezeichnend
Leser161 01.08.2012
Wie der Artikel schon zu Ausdruck brachte: SUV-fahren ist was für alte Leute und Angsthasen. Aber wenns Ihnen Spass macht - leben und leben lassen sag ich immer.
4. Emotionen
bicki56 01.08.2012
ja, SUVs lösen Emotionen aus, Agression und Angst, wenn sie hinten auffahren...
5. optional
topas 01.08.2012
---Zitat--- "Sie verbinden Emotionen, Abenteuer und Sicherheit." ---Zitatende--- Natürlich ist der Kauf eines SUV nicht rational begründbar. Die 10% Mehrverbrauch sind schon optimistisch geschätzt. Der Kaufpreis liegt bei vergleichbarem Raumniveau höher als vergleichbare Mittelklasse-PKW. Aber: Man verdeckt - ähnlich einem Transporter - der Mehrzahl der anderen PKW-Fahrer die Sicht. Man selbst kann über die anderen Autos blicken - der nachfolgende aber nicht durch den SUV. Und auch beim Unfall hat man im SUV bessere Überlebenschancen - auf Kosten des PKW, den man plattmacht, wo die Insassen ein deutlich stärkeres Verletzungsrisiko habe. Die meisten SUV taugen auch gar nicht für den Geländeeinsatz: Lackierte Stoßstangen, die schon ein stärkerer Strauch zerkratzen kann, nur Vorderradantrieb (von einer Geländeuntersetzung ganz zu schweigen). Außer für einen Gespannbetrieb gibt es keinen sinnvollen Verwendungszweck für die SUV.
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    

© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



Facebook


Aktuelles zu