Verkehrschaos in China: Nach dem Super-Stau ist vor dem Mega-Stau

Von , Peking

Die Lastwagen rollen wieder, der Superstau vor den Toren Pekings löst sich langsam auf. Doch der nächste Kollaps ist schon abzusehen - und daran sind Chinas Trucker nicht ganz unschuldig. Ausgerechnet ihre Versuche, schneller voranzukommen, produzieren das größte Chaos.

AP

Für die vom rund hundert Kilometer langen Stau betroffenen Fahrer war es eine Geduldsprobe. Bis zu neun Tage mussten einige von ihnen ausharren. Lange Schlangen sind für die Lastwagenfahrer, die Peking und die Hafenmetropole Tianjin aus den umliegenden Provinzen versorgen, allerdings nichts Ungewöhnliches. Da sie nur nachts in der Hauptstadt fahren dürfen, stauen sich die Brummis allabendlich an den Zufahrten nach Peking.

Aber selten stecken sie so lange Zeit fest wie in diesem Superchaos. Für die jüngste Blockade gibt es viele Gründe: Die fast parallel verlaufende Autobahn G6, die sogenannte Peking-Tibet-Expressstraße, ist neuerdings für Lastwagen über vier Tonnen gesperrt. Außerdem ist sie mautpflichtig, und die wollen viele Fahrer nicht entrichten, da sie das Geld nicht selten aus eigener Tasche zahlen müssen.

Chaos auf allen Wegen

Einen weiteren Zufahrtsweg Richtung Peking meiden die Trucker ebenfalls: Auf der G109, so heißt es, kontrolliert die Polizei häufig das Gewicht der Gefährte - und kaum ein Lastwagen auf Chinas Straßen ist nicht gefährlich überladen.

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Megastau: Chinas Blechdrache ist Geschichte
Auch sonst herrscht Chaos auf den wenigen Straßen nach Peking und weiter nach Tianjin. Viele Fahrer versuchen, sich auf schmalen Bergstraßen Richtung Hauptstadt zu schlängeln, um Zeit zu gewinnen.

An vielen Staus sind die Trucker selbst schuld. Oft brechen überladene Gefährte zusammen und blockieren die Straße. Ohnehin sind die Maschinen nicht auf dem aktuellen Stand der Technik: Quälend langsam, schwarze Rauchwolken ausstoßend, schieben sie sich voran. Steigungen, seien sie noch so gering, sind eine große Herausforderung für die Vehikel. Dann sackt ihre Geschwindigkeit auf 20 bis 30 Kilometer in der Stunde.

Verkehrspolizisten sind nur selten zu sehen

Das hindert die Fahrer nicht daran, sich gegenseitig zu überholen, was den nachfolgenden Verkehr lange Zeit blockiert. Häufig fahren sie auf der linken Spur, was die nachfolgenden Autos zu halsbrecherischen Kurvenfahrten zwingt, wenn sie weiter vorankommen wollen. Nicht selten verkeilen sich Lastwagen, etwa bei Wendemanövern, die sogar auf Autobahnen oder ihren Zu- und Abfahrten nicht ungewöhnlich sind.

Verkehrspolizisten sind in solchen Zeiten selten zu sehen. Erstens wollen sie sich nicht mit den Fahrern anlegen, und zweitens würden sie ohnehin nicht durchkommen, denn die Standstreifen sind ebenfalls blockiert. Und Hubschrauber besitzen Chinas Ordnungshüter nicht.

Wer es schafft, auf eine Abfahrt zu gelangen, gerät häufig vom Regen in die Traufe. Denn auch hier bilden sich lange Schlangen, wenn nur eine Spur zu den Gebührenstationen führt.

Und danach wartet meist der nächste Stau.

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 4 Beiträge
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1. naja...
mcpommer 26.08.2010
habe witzigerweise grad auf tagesschau.de zum selben thema etwas anderes gelesen... siehe hier: Vom rätselhaften verschwinden des mega-staus http://blog.tagesschau.de/?p=8145 da ich nicht in china bin kann ich schlecht beurteilen was denn nun stimmt. vielleicht war die ard reporterin einfach zu spät am ort des geschehens. nur glauben tu ich es nicht. u denke das es eher schlecht/ oder gar nicht vom spiegel u anderen recherchiert wurde. das ist für mich leider eine bestätigung für mich, dafür das ich seit einiger zeit öfter auf anderen nachrichten-seiten als spon unterwegs bin.
2. Schuld?
arneditsch 26.08.2010
"Doch der nächste Kollaps ist schon abzusehen - und daran sind Chinas Trucker nicht ganz unschuldig." Die Fernfahrer oder das System? Wer ist schuld? Die Trucker überladen sehr wahrscheinlich nicht freiwillig ihr Fahrzeuge. Deutsche Brummifahrer versuchen auch Mautgebühren zu sparen und müssen diese im Gegensatz zu ihren chinesischen Kollegen noch nicht mal selbst bezahlen. Ich würde mir Artikel vom SPIEGEL wünschen die etwas mehr die Gesamtthematik einer Nachricht berücksichtigen würden
3. ARD = Alle Reden Doof
Alder Pälzer 27.08.2010
Zitat von mcpommerhabe witzigerweise grad auf tagesschau.de zum selben thema etwas anderes gelesen... siehe hier: Vom rätselhaften verschwinden .....
Sie dürfen ruhig bei SPON bleiben. Lasen Sie dafür die ARD hängen. Die haben nämlich, nach eigenen Angaben, auf der G6 gesucht. Und die ist für LKW gesperrt.Hochschauen hätte geholfen, Der Stau findet - immer noch - auf der Parallelstrasse statt. Die Parallelautobahn liegt etwa acht Meter höher als die G6. Bestätigt übrigens durch Anruf bei einem Freund, derzeit in Beijing. Der hat den Stau gleich gefunden. Dumm gelaufen für die zwngsfinanzierte ARD.
4. Parallelstrasse
kanone3 27.08.2010
Zitat von Alder PälzerSie dürfen ruhig bei SPON bleiben. Lasen Sie dafür die ARD hängen. Die haben nämlich, nach eigenen Angaben, auf der G6 gesucht. Und die ist für LKW.....
Ist diese Parallelstrasse also nicht in Sichtweite?
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