Von Andreas Lorenz, Peking
Für die vom rund hundert Kilometer langen Stau betroffenen Fahrer war es eine Geduldsprobe. Bis zu neun Tage mussten einige von ihnen ausharren. Lange Schlangen sind für die Lastwagenfahrer, die Peking und die Hafenmetropole Tianjin aus den umliegenden Provinzen versorgen, allerdings nichts Ungewöhnliches. Da sie nur nachts in der Hauptstadt fahren dürfen, stauen sich die Brummis allabendlich an den Zufahrten nach Peking.
Aber selten stecken sie so lange Zeit fest wie in diesem Superchaos. Für die jüngste Blockade gibt es viele Gründe: Die fast parallel verlaufende Autobahn G6, die sogenannte Peking-Tibet-Expressstraße, ist neuerdings für Lastwagen über vier Tonnen gesperrt. Außerdem ist sie mautpflichtig, und die wollen viele Fahrer nicht entrichten, da sie das Geld nicht selten aus eigener Tasche zahlen müssen.
Chaos auf allen Wegen
Einen weiteren Zufahrtsweg Richtung Peking meiden die Trucker ebenfalls: Auf der G109, so heißt es, kontrolliert die Polizei häufig das Gewicht der Gefährte - und kaum ein Lastwagen auf Chinas Straßen ist nicht gefährlich überladen.
An vielen Staus sind die Trucker selbst schuld. Oft brechen überladene Gefährte zusammen und blockieren die Straße. Ohnehin sind die Maschinen nicht auf dem aktuellen Stand der Technik: Quälend langsam, schwarze Rauchwolken ausstoßend, schieben sie sich voran. Steigungen, seien sie noch so gering, sind eine große Herausforderung für die Vehikel. Dann sackt ihre Geschwindigkeit auf 20 bis 30 Kilometer in der Stunde.
Verkehrspolizisten sind nur selten zu sehen
Das hindert die Fahrer nicht daran, sich gegenseitig zu überholen, was den nachfolgenden Verkehr lange Zeit blockiert. Häufig fahren sie auf der linken Spur, was die nachfolgenden Autos zu halsbrecherischen Kurvenfahrten zwingt, wenn sie weiter vorankommen wollen. Nicht selten verkeilen sich Lastwagen, etwa bei Wendemanövern, die sogar auf Autobahnen oder ihren Zu- und Abfahrten nicht ungewöhnlich sind.
Verkehrspolizisten sind in solchen Zeiten selten zu sehen. Erstens wollen sie sich nicht mit den Fahrern anlegen, und zweitens würden sie ohnehin nicht durchkommen, denn die Standstreifen sind ebenfalls blockiert. Und Hubschrauber besitzen Chinas Ordnungshüter nicht.
Wer es schafft, auf eine Abfahrt zu gelangen, gerät häufig vom Regen in die Traufe. Denn auch hier bilden sich lange Schlangen, wenn nur eine Spur zu den Gebührenstationen führt.
Und danach wartet meist der nächste Stau.
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