Verkehrsgerichtstag Experten fordern niedrigere Promillegrenze für Idiotentest

Wer mit einem Blutalkoholwert von 1,6 Promille oder höher Auto fährt, muss derzeit in den meisten Bundesländern zur Medizinisch-Psychologische Untersuchung (MPU). Verkehrsexperten wollen die Regeln nun verschärfen.

Alkoholtest bei einer Polizeikontrolle: MPU schon ab 1,1 Promille
DPA

Alkoholtest bei einer Polizeikontrolle: MPU schon ab 1,1 Promille


Die Zahl der sogenannten Idiotentests in Deutschland könnte bald stark steigen. Das Expertengremium auf dem Verkehrsgerichtstag in Golsar hat empfohlen, dass Alkoholsünder bei der ersten Auffälligkeit künftig schon ab einem Promillewert von 1,1 die Medizinisch-Psychologische Untersuchung (MPU) absolvieren müssen, wenn sie den Führerschein zurückerhalten wollen.

Die Grenze liegt derzeit in den meisten Bundesländern bei 1,6 Promille. In anderen wird die 1,1-Promillegrenze aufgrund richterlicher Entscheidungen bereits angewendet. Zuletzt mussten jährlich rund 45.000 Kraftfahrer wegen Alkoholauffälligkeit im Straßenverkehr zum Idiotentest.

Auf dem Verkehrsgerichtstag treffen sich jedes Jahr Experten wie zum Beispiel Juristen, Rechtsmediziner, Polizisten und Beamte aus den Ministerien, um sich über Verkehrssicherheit auszutauschen.

Blutprobe soll beibehalten werden

Unter anderem empfiehlt die Runde nach ihren diesjährigen Beratungen auch, die Blutprobe für Alkoholsünder im Straßenverkehr beizubehalten. Die Polizei hatte im Vorfeld gefordert, diese abzuschaffen.

Die Atemalkoholanalyse, die bei niedrigeren Promillewerten ausreicht, sei bei Werten im Bereich der absoluten Fahruntüchtigkeit über 1,1 Promille kein ausreichendes Beweismittel, stellte der Expertenkongress fest. Zur Begründung nannte der Verkehrsgerichtstag unter anderem Probleme mit der Umrechnung von Blutalkoholwerten auf die Konzentration im Atem - und umgekehrt. Dazu seien noch wissenschaftliche Studien erforderlich.

Die Polizei hatte sich vom Wegfall der Blutprobe eine große Zeitersparnis versprochen. Dass - wie bisher - ein Richter die Blutprobe anordnen muss, sei allerdings nicht nötig, meinen die Experten. Dies könne auch die Staatsanwaltschaft übernehmen.

cst/dpa



Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 142 Beiträge
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Seite 1
manicmecanic 29.01.2016
1. immer mehr Grundgesetzbrüche
Werden hier klammheimlich durch die Hintertür eingebaut.Ich soll mir also meine körperliche Unversehrtheit demnächst auf Verdacht von Polizei und Staatsanwalt nehmen lassen müssen.Absolut unannehmbar wie der Rechtsstaat immer mehr abgeschafft wird wenn er je da war.
d.enkmalwieder 29.01.2016
2. Juhu!
Die MPU Industrie wird frohlocken! Man könnte trefflich über die Sinnhaftigkeit dieser Maßnahme streiten- generell ob die MPU wirklich das taugliche Instrument ist. Ich vermute nicht! Harte Strafen für Alkohol"sünder" D`accord! Bis hin zum lebenslangen Fahrverbot für die Wiederholungstäter. Aber muss man deswegen ein Heer von Psychologen (die oft nur im Nebel stochern) zwangsweise alimentieren??
kuschl 29.01.2016
3. Alibiveranstaltung
Das war klar: wenn man sich schon in Goslar trifft, werden garantiert wieder irgendwelche Gesetze oder Verordnungen für den Bürger zur Verschlechterung vorgeschlagen. Man hat manchmal das Gefühl, dort findet eine Alibiveranstaltung gegen die Langeweile der Verkehrsjuristen und für die deutsche Regelungswut statt. Man darf ja auch nicht nach hause fahren, ohne etwas empfohlen zu haben und meistens werden dann die Daumenschrauben etwas angezogen. An der MPU arbeitet man sich ja besonders gern ab. Was mache ich denn jetzt mit meinen null Punkten und die ohne Dienstwagen mit Fahrer?
Münchner MV 29.01.2016
4.
Eigentlich sollte man endlich so weit sein und die Grenze auf 0,0 festlegen und jeden der sich nach Genuss von Alkohol ans Steuer setzt zum Depperl-Test antanzen lassen. Das sag ich als Münchner. Wer sein Auto zwingend benötigt um von A nach B zu gelangen muss eben auf Alkohol verzichten. Wer sein Auto nicht zwingend benötigt wird es vllt. auch mal gänzlich abstellen. In Städten wie München ist ein Auto sowieso komplett überflüssig für 90% der Bevölkerung. Es ist auch immer wieder lustig wenn ich ungläubige Blicke kassiere ob dem Umstand dass ich mit Mitte 30 seit fast 10 Jahren eine Eigentumswohnung im Herzen der Stadt habe. Die Frage "Wie kannst Du Dir das nur leisten" kommt vorrangig von Leuten ähnlichen Einkommens, die zu Angeberzwecken ein Auto mit 300PS+ ihr eigenen nennen. Gefahren wird damit natürlich auch nach zwei halben noch, man will die Protzkarre ja nicht im Parkhaus stehen lassen "was des kost..." Da fahr ich lieber U-Bahn und Taxi, allein nen TG Stellplatz kostet bei mir im Viertel mittlerweile 150€/Monat.
potsdam1968 29.01.2016
5. Alkohol am Steuer ist kein Kavaliersdelikt
Es wird Zeit, dem Fahren unter Alkoholeinfluss einen wirksamen Riegel vorzuschieben. Konsequent wäre ein kompletter Verbot - das widerwärtige "Herantrinken" an die Promillegrenze wäre dann auch hinfällig.
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