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Verkehrskonzept Speedway: Die elektrische Autobahn

Von Jürgen Pander

In seiner Diplomarbeit hat Designer Christian Förg das Reichweitenproblem von Elektroautos gelöst - und gleich noch ein zukunftsweisendes Verkehrssystem entwickelt. Speedway heißt das Projekt. Die Prüfer an der FH München bewerteten es mit der Note 1,0.

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Verkehrskonzept Speedway: Ritt auf der Magnetwelle
Elektroautos sind prima geeignet für moderne Verkehrskonzepte. Um effizient betrieben werden zu können, sollten sie möglichst klein und leicht sein - ideale Stadt- und Kurzstrecken-Fahrzeuge also. Wenn der Strom für den Antrieb dann noch regenerativ erzeugt wird, ist eigentlich alles in Butter. "Bis auf die Tatsache, dass nach derzeitigem Stand der Technik nach 100, maximal 150 Kilometern Schluss ist - und das Auto zum Nachladen des Akkus erst einmal für einige Stunden stillsteht", sagt der 27-jährige Christian Förg. Trotzdem werden immer wieder die tollsten Elektro-Sportwagen oder gar -Luxusmodelle designt. "Ich wollte nicht noch eine weitere Blackbox zeichnen und dann erklären, was die theoretisch alles kann", sagt Förg, inzwischen Diplom-Designer.

Fündig wurde er dann doch beim Elektromobil - und zwar ohne Reichweiteneinschränkung. Denn Förg entwickelte ein Elektroauto, das sich in zwei Modi bewegen kann. Und er entwarf auch gleich ein Verkehrssystem, das die Nachteile der beschränkten Reichweite aufhebt. Außerdem, das war Förg wichtig, lässt das neue Konzept die parallele Nutzung der neuen Fahrzeuge sowie von herkömmlichen Autos zu. "Mein Ansatz soll Autofahrer überzeugen, es geht nicht um eine Konfrontation", sagt Förg.

Die Idee vom Speedway, wie Förg sein Verkehrskonzept nennt, ist bestechend einfach. Im Stadt- und Nahverkehr bewegen sich die Autos aus eigener Kraft, angetrieben von einem kleinen Elektromotor, der völlig ausreichend ist für niedrige Geschwindigkeiten. Mit einer Batterieladung könnte so ein Fahrzeug etwa 200 Kilometer weit kommen - was für die allermeisten Fahrten vollauf genügt. Wird ein weiter entferntes Ziel angesteuert, fährt das Elektroauto aus eigener Kraft nur bis zum nächsten Speedway - einer durch einen Linearmotor aufgerüsteten Autobahn - klinkt sich berührungslos in das elektromagnetische Feld auf der Fahrbahn ein und braust bis zur passenden Abfahrt, von der aus es wieder aus eigener Kraft zum Bestimmungsort rollt.

Ein neues System, das sozusagen abwärtskompatibel ist

Das klingt schwer nach Science-Fiction, doch die grundlegende Technik ist seit rund 170 Jahren bekannt. "Linearmotoren werden längst weltweit genutzt", sagt Förg. Die Passagierbahnen am John F. Kennedy Flughafen in New York oder am Flughafen von Vancouver nutzen die Technik ebenso wie die Magnetschwebebahnen in Shanghai und Japan. Grob vereinfacht funktioniert der Antrieb etwa so: Unter der Straße wird eine Art Spule verlegt, der sogenannte Stator, also der feste Teil des Linearmotors. In jedem Speedway-fähigen Auto wiederum sitzt der Gegenpart, genannt Konduktor, der das Auto entlang der elektromagnetischen Wellen über die Straße treibt.

Der Charme dieser Idee liegt darin, dass die Straße - einmal zum Linearmotor aufgerüstet, nach wie vor eine normale Straße ist, auf der jedes andere Fahrzeug auch unterwegs sein kann. Zweitens könnten auf den Magnetwellen die Speedway-Autos ähnlich wie Eisenbahnwaggons, dicht an dicht kontrolliert vorwärtskommen, was die Verkehrsleistung deutlich erhöhen würde. Drittens schließlich könnten während der Fahrt auf dem Speedway sogar die Akkus der Elektrofahrzeuge nachgeladen werden, so dass beim Verlassen der speziell ausgerüsteten Fahrbahn wieder die volle Kapazität und damit Reichweite zur Verfügung steht.

Ein Kilometer Linearmotor-Straße für 8,5 Millionen Euro?

Noch gibt es nirgendwo einen Linearmotor, der für den Individualverkehr genutzt wird. Dennoch glaubt Förg an seine Vision. "Experten haben mir versichert, dass die Technik grundsätzlich funktionieren würde", sagt der Designer. Auch die Kosten für die nötige Infrastruktur - Autobahnen und andere Fern- oder Bundesstraßen beispielsweise müssten ja mit Linearmotoren ausgestattet werden - wirken in Modellrechnungen nicht absurd hoch. Die Umrüstung einer herkömmlichen Autobahn, so schreibt Förg in seiner Diplomarbeit unter Berufung auf das US-Unternehmen Magnemotion, das unter anderem Linearmotoren herstellt, würde circa 8,5 Millionen Euro kosten. Zum Vergleich: Ein Kilometer konventionelle Autobahn kostet in Deutschland zwischen sechs und zwölf Millionen Euro.

Effizient und umweltfreundlich allerdings wäre auch das Speedway-System nur dann, wenn der Strom für den Betrieb aus regenerativen Quellen stammen würde. Dies jedoch hat Speedway prinzipiell mit allen anderen Verkehrsszenarien gemein, die sich maßgeblich auf Elektromobilität stützen.

Die Reaktionen auf die Diplomarbeit seien bislang überaus positiv gewesen, sagt Förg. Auch VW bekundete Interesse an der 121 Seiten starken Arbeit, doch weitere Reaktionen aus Wolfsburg gab es bislang nicht. Förg, der inzwischen mit zwei Kreativ-Kollegen die Designagentur Lumod gegründet hat, arbeitet weiter am Projekt Speedway. Weil das Modell für die Diplomarbeit nicht nach Auto aussehen sollte, um die Neuartigkeit des Ansatzes zu demonstrieren, entwirft Förg nun erst einmal ein Fahrzeug, das man sich eher als nächsten Neuwagen vorstellen könnte.

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
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1. designer
bekennerschraiben, 26.02.2010
Zitat von sysopIn seiner Diplomarbeit hat Designer Christian Förg das Reichweiten-Problem von Elektroautos gelöst - und gleich noch ein zukunftsweisendes Verkehrssystem entwickelt. Speedway heißt das Projekt. Die Prüfer an der FH München bewerteten es mit der Note 1,0. http://www.spiegel.de/auto/aktuell/0,1518,678168,00.html
sind das nicht die, welche die kopflastigen stehlampen entwerfen, welche immer wieder umkippen, oder schwere und kantige einrichtungsgegenstände, an denen man sich immer wieder verletzt, oder "intuitiv" benutzerunfreundliche elektrogeräte?
2. Klingt prima
bierus 26.02.2010
und ist es prinzipiell sicher auch. Es wird in Deutschland aber leider nichts werden. Wenn nämlich die gesamte Gilde der naturwissenschaftlichen Analphabeten dieses Landes, die Homöopathiefans, die Bachblütenfetischisten kurz, die gesamte unterbelichtete grün-alternative Dummschwätzer- und Bedenkenträgergemeinde etwas von veränderlichen Magnetfeldern liest, wird es um die schöne Idee leider geschehen sein.
3. Schönes Konzept
Björn Giesler, 26.02.2010
Nicht ganz neu, aber schön. Die bau- und energietechnischen Realitäten (Linearmotoren wollen so wenig wie möglich Abstand zwischen dem Stator und dem Läufer -- wir reden hier von wenigen mm, wenn's energieeffizient sein soll, oder der Energiebedarf steigt ins Ungeheuerliche) sind eine Schwierigkeit. Die Tatsache, daß Staat und damit (KFZ-)Steuerzahler jeden km Autobahn nochmal bezahlen müßten, ist auch nicht zu verachten. Das Konzept hat aber das Hauptproblem, daß es mit "Individualverkehr" nicht viel zu tun hat. Dann kann man theoretisch auch Bahn fahren und am Start- und Zielbahnhof ggf. auf einen Mietwagen oder Carpool umsteigen, das gibt's schon und ist vergleichsweise unproblematisch.
4. Intelligente Mobilität von Morgen sieht anders aus.
hirschnase 26.02.2010
Es ist wirklich kaum zu glauben, wie viele Milliarden für die individuelle Massenmotorisierung ausgegeben wird, die nur wieder zu neuen Staus und weiterer, unwiederbringlicher Zerstörung der Umwelt führt. Auch Elektroautos töten Menschen und Tiere! Elektroautos werden ebenso jeden freien Platz öffentlicher Fläche zuparken und den Menschen den Platz zum Leben nehmen. Auch Elektroautos benötigen mehrere Tonnen an wertvollen Rohmaterialien für die Produktion und die Akkus müssen irgendwann auch mal wieder entsorgt werden. Ich stelle mir die Frage, warum der Staat nicht endlich Geld in die Hand nimmt und den Regionalbahnverkehr extrem ausbaut. Wenn jeder Mensch in Land oder Stadt mit einer ökonomischen, sauberen, zuverlässigen und "ungefährlichen" (im Vergleich zum Auto sind die Toten durch "Unfälle" wesentlich geringer) Bahn fahren kann und am Zielbahnhof die letzten Kilometer vielleicht zu Fuß, mit dem Leihfahrrad oder Mietwagen zurücklegen kann, dann wäre das eine wirkliche Bereicherung der Lebensqualität aller Menschen. Dadurch würden auch enorm viele neue Arbeitsplätze entstehen.
5. Toll
adesat 26.02.2010
Zitat von sysopIn seiner Diplomarbeit hat Designer Christian Förg das Reichweiten-Problem von Elektroautos gelöst - und gleich noch ein zukunftsweisendes Verkehrssystem entwickelt. Speedway heißt das Projekt. Die Prüfer an der FH München bewerteten es mit der Note 1,0. http://www.spiegel.de/auto/aktuell/0,1518,678168,00.html
Bravo, hauptsache noch eine Megaprojekt- Nebelkerzenlösung präsentieren die von den einfachen sofort verfügbaren Lösungen ablenkt. Wie wäre es denn mit einem Röhrensystem in dem die Autos per Vakuum von einem Knotenpunkt zum nächsten gesaugt werden? Oder einer Kanone welche die Autos durch die Luft schießt? Oder dem Wasserstoffantrieb? Und dafür kriegt man eine 1,0? Ich denke das muss am Design gelegen haben!
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