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Clevere Ampelsteuerung: Reiten auf der Handy-Welle

Radfahrer in Kopenhagen: "Dann bleibt die Ampel eben länger grün" Zur Großansicht
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Radfahrer in Kopenhagen: "Dann bleibt die Ampel eben länger grün"

Kopenhagen will seine Radfahrer noch mehr verwöhnen: Je mehr von ihnen sich vor einer roten Ampel stauen, desto länger soll die anschließende Grünphase dauern. Bei der Steuerung soll das Handy helfen - deshalb ist die Idee umstritten.

Kopenhagen - Fahrradstaus sind in Kopenhagen, wo mehr als ein Drittel der Menschen zur Arbeit radeln, ein vertrautes Bild. Um die zu verhindern, will die Kommune nun "kluge Ampeln" einführen, die ihre Grünphasen an die Zahl der Radler anpassen. Doch der Datenschutz könnte die Pläne zunichtemachen: Denn auch Smartphones der Wartenden spielen bei den Systemen eine Rolle.

"Wir haben Detektoren an unseren Kreuzungen, die erkennen können: Ist da eine große Gruppe Radfahrer, die vorbei will? Na, dann bleibt die Ampel eben ein paar Sekunden länger grün", erklärt der zuständige Bürgermeister Morten Kabell. Bislang geschieht das durch Kameras. Doch die Stadt will mehr: Umgerechnet rund acht Millionen Euro nimmt die Kommune jetzt in die Hand, um den Radfahrern das Leben noch leichter zu machen - und nebenbei das ehrgeizige Klimaziel, 2025 die erste CO2-neutrale Hauptstadt der Welt zu sein, zu erreichen.

Zu wenig Platz auf den Radwegen schürt Aggressionen

Dazu gehört auch, Busse - vor allem nach Großereignissen wie Konzerten oder Fußballspielen - mit Grünlicht schneller durch den Verkehr zu lotsen als bisher. Auch wenn ein Bus zu spät unterwegs ist, weil die Straßen glatt oder die Fahrgäste zahlreich sind, sollen Ampeln das über Sensoren künftig genauer und in Echtzeit erkennen können. Bei einem Versuch in dem Stadtteil Valby hätten die Busse bis zu 40 Prozent Fahrzeit gespart, berichtet Kabell. Er sieht seine Stadt als Labor für solche grünen Experimente, die auch anderen europäischen Großstädten nutzen könnten.

Dafür eignet sich Kopenhagen vor allem wegen seiner Infrastruktur, seiner breiten Radwege, die sich in der Stadt über mehr als 350 Kilometer erstrecken. In kaum einer anderen Großstadt sind die Menschen deshalb so viel mit dem Fahrrad unterwegs wie in Kopenhagen. Zusammengerechnet rund 1,2 Millionen Kilometer legen sie täglich auf dem Sattel zurück - eine Strecke, so lang wie 30 Erdumrundungen.

"Es gibt Situationen, vor allem im Berufsverkehr, in denen viel zu viele Radfahrer auf den Radwegen unterwegs sind", sagt Per Høeg, Professor für Raumforschung an Dänemarks Technischer Universität in Kopenhagen. "Dann passiert es, dass die Leute ineinanderfahren, auf die Autospur geraten, aggressiver werden." Um das zu verhindern, haben er und sein Team im Auftrag der Kommune geforscht - und unter anderem vorgeschlagen, eine Fahrspur für Autos bei Platzmangel spontan mit Laserlicht zu einem Radweg umzufunktionieren.

"Wir wollen kein 'Big Brother is watching you'-System"

Auf einer belebten Straße in der Hauptstadt haben Høeg und seine Kollegen auch Sensoren an Ampeln getestet, die Wifi- oder Bluetooth-Signale von den Handys der Radfahrer empfangen können. "Es gibt heute kaum jemanden, der kein Mobiltelefon hat", sagt er. Bewegungen im Straßenverkehr können damit deshalb leicht beobachtet und Radler schneller durch die Stadt geführt werden, meint Høeg - und sicherer. Eine seiner Ideen: Weil viele Unfälle beim Rechtsabbiegen passierten, könnten Radfahrer durch ein Lichtsignal gewarnt werden, wenn etwa ein Lastwagen gleichzeitig an einer Ampel ankommt.

Doch vielen dürfte es bitter aufstoßen, dank Smartphone im Alltag bei jedem Weg durch die Stadt registriert zu werden. "Es ist klar, dass das hier auch eine Frage der Privatsphäre ist und wir sicherstellen können müssen, dass die Behörden keine Daten darüber haben, wo du oder ich uns befinden", sagt Bürgermeister Kabell. "Wir wollen kein 'Big Brother is watching you'-System", betont auch Høeg.

Datenschutzbehörde prüft die Pläne

Stattdessen wollen die Entwickler erreichen, dass die individuelle Kenn-Nummer eines Handys direkt an den Sensoren verschlüsselt wird. "Wir haben dann zwar ein Smartphone lokalisiert, das sich bewegt wie du, aber wir wissen nicht, dass es deins ist", sagt Høeg. Ob das mit dem Gesetz in Einklang steht, entscheidet die Datenschutzbehörde.

Die hohen Datenschutzanforderungen seien in Deutschland ein Knackpunkt bei der Einführung von intelligenten Verkehrssystemen, sagt der Verkehrsforscher Philip Krüger von der TU Darmstadt. Ähnliche Tests wie in Kopenhagen gebe es auch hierzulande. Aber: "Sie müssen bei diesen Systemen dann wirklich sicherstellen, dass das anonymisiert ist, dass keine Rückverfolgbarkeit gegeben ist", sagt Krüger. "In dem Moment, wo personenbezogene Daten gespeichert werden können, schlagen Datenschützer immer Alarm."

dpa/Julia Wäschenbach/cst

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insgesamt 43 Beiträge
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1. Führerschein für Radfahrer!
archback 05.02.2015
Als Autofahrer kennt man das und akzeptiert es: Wenn alle Spuren voll sind, muss man halt hinterherfahren. Für Radfahrer gilt das nicht: Ein Radfahrer hat das Recht an allem und jedem vorbeizufahren, egal ob links über die Fahrbahn oder rechts über den Fußweg, wobei entgegenkommende Fußgänger halt zurücktreten müssen. Es gilt ein uneingeschränktes Überholungsrecht. Einfach hinter dem Vordermann hinterherfahren so wie ein Autofahrer, kommt nicht in Frage.
2. längere Grünphase
Mario V. 05.02.2015
Wäre es nicht sinnvoller, die aktuelle Rotphase zu verkürzen?
3.
gegenpressing 05.02.2015
Zitat von archbackAls Autofahrer kennt man das und akzeptiert es: Wenn alle Spuren voll sind, muss man halt hinterherfahren. Für Radfahrer gilt das nicht: Ein Radfahrer hat das Recht an allem und jedem vorbeizufahren, egal ob links über die Fahrbahn oder rechts über den Fußweg, wobei entgegenkommende Fußgänger halt zurücktreten müssen. Es gilt ein uneingeschränktes Überholungsrecht. Einfach hinter dem Vordermann hinterherfahren so wie ein Autofahrer, kommt nicht in Frage.
Allein schon, damit so Vollidioten wie Sie sich so sehr ärgern, wünsche ich mir noch viel mehr Radler, die Sie im Stau überholen, Sie oller Neidhammel! Seien Sie froh über jeden Radfahrer, der nicht auch noch im Auto sitzt und die Straßen verstopft!
4.
prefec2 05.02.2015
Zitat von archbackAls Autofahrer kennt man das und akzeptiert es: Wenn alle Spuren voll sind, muss man halt hinterherfahren. Für Radfahrer gilt das nicht: Ein Radfahrer hat das Recht an allem und jedem vorbeizufahren, egal ob links über die Fahrbahn oder rechts über den Fußweg, wobei entgegenkommende Fußgänger halt zurücktreten müssen. Es gilt ein uneingeschränktes Überholungsrecht. Einfach hinter dem Vordermann hinterherfahren so wie ein Autofahrer, kommt nicht in Frage.
Radfahrer dürfen Autos rechts überholen wenn diese stehen. Ebenso gibt es oft bei Abbiegespuren vorne einen extra Platz für Radfahrer da darf man sich dann auch vorschlängeln und draufstellen. So dort nicht unerlaubt ein Auto steht. Zudem ein Fahrrad ist nun mal etwas gänzlich anderes als ein Auto. Deshalb könnte man dafür auch andere Regeln haben. Fußgänger können ja auch kreuz und quer rumlaufen auch für die gibt es andere Regeln. Für beide Gruppen Autofahrer und Radfahrer gilt jedoch, macht euch locker. Und stresst nicht eure Umgebung durch aggressives Fahren. Last euch etwas Zeit. Der Stress verursacht nur Unfälle und Staus. Fahrt rücksichtvoll und vorausschauend. Dann blockiert ihr auch nicht die Kreuzung für andere. Und wegen 2 Minuten lohnt sich der Aufstand doch sowieso nicht.
5. Platz?
thrust26 05.02.2015
Zitat von archbackAls Autofahrer kennt man das und akzeptiert es: Wenn alle Spuren voll sind, muss man halt hinterherfahren. Für Radfahrer gilt das nicht: Ein Radfahrer hat das Recht an allem und jedem vorbeizufahren, egal ob links über die Fahrbahn oder rechts über den Fußweg, wobei entgegenkommende Fußgänger halt zurücktreten müssen. Es gilt ein uneingeschränktes Überholungsrecht. Einfach hinter dem Vordermann hinterherfahren so wie ein Autofahrer, kommt nicht in Frage.
Wenn jeder Verkehrsteilnehmen gleich viel vom knappen Platz in unseren Städten eingeräumt werden würde, dann gäbe es das Problem gar nicht. Dann hätten wir überall meterbreite Bürgersteige, mehrspurige Radwege die nicht mit Schildern, Laternenmasten, Stromkästen etc. halb zugebaut sind, Busspuren etc. Nur für diejenigen, die meinen sie brauchen mindestens 1,5 Tonnen Stahl und Plastik, um ihre 80 kg durch die Innenstadt zu schippern, würde es ein wenig eng. :)
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