Verkehrsregeln im Winter Hilfe, das Schild ist zugeschneit - und jetzt?

In Deutschland ist es vielerorts frostig kalt, Glätte und Schnee behindern den Verkehr. Für Autofahrer wird es jetzt auch aus anderen Gründen mühsamer: Im Winter gelten einige spezielle Regeln.

Vorsicht, Dachlawine: Wer unter einem Schneebrett parkt, ist selbst schuld
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Vorsicht, Dachlawine: Wer unter einem Schneebrett parkt, ist selbst schuld

Von Christian Frahm


Bei Schnee und Eis gelten im Straßenverkehr Regeln, die viele Verkehrsteilnehmer nicht beherrschen. Oder wussten Sie, dass es verboten ist, den Motor warm laufen zu lassen?

Hier sind zehn Winterregeln für Autofahrer:


Zugeschneite Schilder

Was man nicht erkennen kann, gilt nicht? Falsch! Zugeschneite Verkehrsschilder sind nicht automatisch außer Kraft. So gelten "Stop"-Schilder und "Vorfahrt achten"-Schilder auch dann, wenn sie vollständig verschneit sind, denn diese beiden Verkehrszeichen sind aufgrund ihrer Form eindeutig identifizierbar. Deshalb bleiben sie auch weiß verhüllt in Kraft. Für runde Schilder gilt das nicht. Sind die von Schnee verhüllt, muss der Fahrer natürlich nicht aussteigen und die weiße Pracht entfernen, um beispielsweise ein Tempolimit zu erkennen. Aber Achtung, von ortskundigen Autofahrern wird auch bei schneeverhüllter Beschilderung erwartet, dass sie die normalerweise geltenden Regeln beachten.


Vorfahrt von Streufahrzeugen

Eine generelle Vorfahrt für Streufahrzeuge gibt es nicht. Dennoch haben die Winterdienste Sonderrechte. Sie erlauben es ihnen, überall dort zu fahren, wo es für den Einsatz erforderlich ist. Auf der Autobahn gilt im Falle eines Staus, eine Gasse freizuhalten, damit das Streufahrzeug passieren kann; bei zweispurigen Fahrbahnen in der Mitte der beiden Spuren, bei dreispurigen zwischen der linken und der mittleren Spur. Beim Fahren hinter Streufahrzeugen sollte ein angemessener Abstand gehalten werden. Überholen ist nur dann erlaubt, wenn es trotz der Straßenverhältnisse gefahrlos möglich ist. Bei Räumfahrzeugen im Gegenverkehr empfiehlt es sich, möglichst weit rechts zu fahren oder kurz am Straßenrand anzuhalten. Warum das so ist, erfahren Sie beim nächsten Punkt.


Nicht alle Straßen werden geräumt

Wer während oder nach heftigem Schneefall mit dem Auto unterwegs ist, sollte genug Zeit dafür einplanen. Denn grundsätzlich werden nicht alle Straßen geräumt. Zwar haben die Gemeinden und Städte eine Räum- und Streupflicht, diese gilt aber nicht überall. Bevorzugt werden die verkehrswichtigen Straßen, also Durchgangs- oder Hauptverkehrsrouten, sowie gefährliche Stellen, etwa Kreuzungen oder scharfe Kurven.


Schäden durch Streufahrzeuge

Wird ein Auto durch das ausgeschüttete Streugut beschädigt, haftet grundsätzlich der Halter des Streufahrzeugs - also die Kommune - für den Schaden. Allerdings muss dem Fahrer ein Verschulden nachgewiesen werden. Beschädigt ein vorbeifahrendes Streufahrzeug andere Autos durch hochgeschleuderten Split, wird dies als unabwendbares Ereignis eingestuft, eine Haftung entfällt in diesem Fall.


Mietwagen

Wer mit einem Mietwagen in den Winterurlaub fährt, sollte sich das Fahrzeug vorher genau anschauen. Besonders wichtig sind neben Warndreieck, Verbandskasten und Warnweste die richtigen Reifen. Nicht immer sind Mietwagen mit Winterreifen ausgerüstet. Da der Vermieter aber nicht unbedingt auf die fehlende Winterbereifung hinweisen muss, sollte man vor Anmietung genau nachfragen. Wird man von der Polizei bei Schnee und Eis ohne Winterreifen ertappt, zahlt man das Bußgeld aus eigener Tasche.


Motor warmlaufen lassen

Wer, beispielsweise während des Eiskratzens, schon einmal den Motor startet, um ihn warmlaufen zu lassen und den Innenraum aufzuheizen, muss mit einem Bußgeld von zehn Euro rechnen. Denn diese Handlung stellt eine vermeidbare Lärm- und Abgasbelästigung dar und ist deshalb verboten.


Scheiben freikratzen

Sind die Autoscheiben vereist, müssen sie vor Fahrtantritt freigekratzt werden. Dies gilt für alle Scheiben, auch die hinteren. Ein kleines Guckloch an der Frontscheibe ist nicht nur verboten, sondern auch extrem gefährlich, da andere Verkehrsteilnehmer oder Hindernisse nicht rechtzeitig erkannt werden könnten. Wird die Polizei aufmerksam, riskiert der Fahrer mindestens zehn Euro Verwarnungsgeld. Scheinwerfer, Rückleuchten, Blinker und Kennzeichen müssen ebenso vom Schnee befreit werden; hier drohen bei Missachtung Verwarngelder zwischen fünf und zehn Euro.


Dachlawinen

Wird ein Auto durch eine Dachlawine beschädigt, haftet dafür nicht der Hausbesitzer. In den meisten Fällen muss der Pkw-Besitzer selbst für den Schaden aufkommen, da jedem Autofahrer bewusst sein muss, dass im Winter eine generelle Dachlawinengefahr herrscht. Das sollte man bei der Parkplatzsuche beachten und den Wagen nicht neben Gebäuden abstellen, auf deren Dächern sich schon der Schnee türmt. Anders verhält es sich bei Eisplatten auf Lkw-Planen. Wird durch herabfallende Eisplatten von einem voranfahrenden Lkw ein Schaden oder gar Unfall verursacht, haftet der Lkw-Fahrer, da er sein Fahrzeug vorher vom Eis hätte befreien müssen.


Parkausweis

In manchen Gegenden benötigen Autofahrer eine besondere Parklizenz, um ihr Auto beispielsweise in einer Wohngegend abstellen zu dürfen. Sollte es schneien, ist der Fahrer nicht verpflichtet, die Scheiben ständig frei zu halten, sodass bei einer Kontrolle der Parkausweis zu sehen ist. Es genügt, ihn gut sichtbar hinter der Frontscheibe zu platzieren. Den Schnee muss der Kontrolleur entfernen.


Eingemummelt am Steuer

Auch wenn es kalt ist, sollte man vor Fahrtantritt die Winterjacke ausziehen. Dick gefütterte Jacken, Parkas oder Mäntel verhindern, dass der Sicherheitsgurt eng genug am Körper anliegt, was bei einem Unfall schlimme Folgen haben kann. Außerdem wird durch mollige Winterkleidung die Bewegungsfreiheit erheblich eingeschränkt.

Wer zugeschneite Autos interessanter findet als zugeschneite Verkehrsschilder, klickt hier. In unserem Quiz zeigen wir weiße Wagen und fragen Sie: Welches Auto steckt unter der Schneedecke? Viel Spaß beim Raten!



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Seite 1
spaas11 05.01.2016
1. Das
ist wahrlich ein alter Hut und wird jedes Jahr erneut als Aufmacher überall, auch in ADAC Zeitschriften, veröffentlicht. Es sollte langsam bekannt sein.
garry4500 05.01.2016
2. Winterjacken
Meiner Meinung nach sollte man die Winterjacke, wenigstens in der Nacht, anbehalten. So vermeidet man ein Erfrieren nach einem Unfall, wenn das verunfallte Auto nicht gesehen wird.
rgw_ch 05.01.2016
3. Andere Länder, andere Sitten
Mit Interesse las ich, dass ein Bussgeld von 10 Euro droht, wenn man von vereisten Scheiben nur ein Guckloch frei kratzt. Passen Sie auf, wenn Sie in die Schweiz in Winterurlaub fahren. Hier kostet dieselbe Nachlässigkeit mehrere hundert Franken Busse und je nach Größe des Gucklochs auch den Führerschein für drei Monate.
vollzeitpoltiker 05.01.2016
4. Mehr als ein Guckloch freikratzen und nicht warm laufen lassen
Wenn wir bei uns heute Morgen Eisregen herrscht, so dass weder mit Kratzer noch Eispray irgendetwas auszurichten ist hat man leider keine Wahl
michpama 05.01.2016
5. Warmlaufen lassen...
...wir haben für einen unserer Wagen eine Garage, der andere parkt draußen. Lassen wir im Winter das Auto während des Freikratzens nicht mit eingeschalteter Heizung laufen, so beschlagen kurz nach Fahrtantritt die Scheiben von innen, so dass wiederum angehalten werden müsste, um zu warten, bis die Scheiben frei "geblasen" worden sind. Zumindest diese Regel ist doch eher praxisfern.
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