Verkehrssicherheit SUVs sind gefährliche Unfallgegner

Es ist, als würde ein schmächtiger 15-Jähriger gegen einen Sumo-Ringer antreten - im Ernstfall hat ein Kleinwagen gegen einen SUV keine Chance. Ein Crashtest der Unfallversicherer hat dies erneut eindrucksvoll unter Beweis gestellt.

Geländewagen gegen Kombi: Der Pkw-Fahrer hat keine Chance
TMN

Geländewagen gegen Kombi: Der Pkw-Fahrer hat keine Chance


Berlin - Sie kämpfen buchstäblich in einer anderen Gewichtsklasse: SUVs stellen eine große Gefahr auf der Straße dar - das sollten ihre Fahrer nie vergessen. Schon mit vergleichsweise geringem Tempo richten die hohen Geländewagen bei einem seitlichen Aufprall auf normale Pkw mehr Schaden an als Pkw mit weniger Bodenfreiheit. Das haben Crashtests der Unfallforschung des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) ergeben.

"In einem Test mit einem Dummy hat sich gezeigt, dass Autofahrer mit schwersten Verletzungen rechnen müssen", sagte UDV-Projektleiter Axel Malczyk. "Betroffene erleiden schwerste Rippenfrakturen und Lungenverletzungen", so der Unfallforscher. Und dabei wurde im Crashtest lediglich ein Zusammenprall mit Tempo 40 durchgeführt. Dagegen ist im Straßenverkehr oftmals mit höheren Kollisionsgeschwindigkeiten zu rechnen. "Bei Tempo 60 dürften die Pkw-Insassen, die seitlich von einem solchen Fahrzeug getroffen werden, tödliche Verletzungen erleiden", warnte Malczyk.

Das Verletzungsrisiko der Pkw-Insassen steigt mit der Bodenfreiheit und dem Gewicht der Fahrzeuge deutlich an. Ein weiterer Grund für das schlechte Abschneiden der normalen Pkw ist das Gewicht: Der Unterschied zwischen Kleinwagen und SUV kann leicht eine Tonne betragen. Im Ernstfall fühlt sich der Crash in einem Kleinwagen dann so an, als führe man gegen eine Mauer. In einem Test ließ der ADAC 2008 einen Fiat 500 und einen Q7 von Audi mit 58 km/h frontal gegeneinanderfahren. Ergebnis: Der Fiat-Fahrer hätte möglicherweise nicht überlebt, beim Audi blieb die Fahrgastzelle vollkommen intakt. Lediglich die Tür ließ sich anschließend nur noch schwer öffnen.

Insgesamt schätzen die Forscher, dass derzeit über 40 SUV-Modelle der gefährlichen Kategorie zuzuordnen sind. Trotzdem sind sie im Unfallgeschehen nicht besonders auffällig. "Grund ist, dass diese Fahrzeuge in aller Regel nicht von jungen Fahrern bewegt werden", so UDV-Leiter Siegfried Brockmann. Als Hauptunfallverursacher ermittelten die Forscher Fahrer im Alter zwischen 46 und 65 Jahren. Sie sind überwiegend Selbständige und leitende Angestellte und fahren im Schnitt 30 Prozent mehr Kilometer im Jahr als klassische Autofahrer. Solche Geländewagenfahrer würden nicht überproportional viele Unfälle verursachen. "Nach unseren Erkenntnissen sitzen da keine Rambo-Typen am Steuer", so Brockmann.

Während bei Unfällen zwischen normalen Pkw und SUV insgesamt rund 20 Prozent der Pkw-Fahrer verletzt werden, sind von den Geländewagenfahrern gerade einmal fünf Prozent betroffen. Ursache sei allein die unterschiedliche Konstruktion der Fahrzeuge. Die Unfallforscher fordern deshalb, dass hohe Geländewagen mit einer Art zweiten Stoßstange, einem sogenannten elastischen Unterfahrschutz, ausgestattet werden. Er soll Energie abbauen und verhindern, dass das SUV tief in den Pkw eindringt. Außerdem sollen die Geländewagen künftig serienmäßig mit Notbremsassistenten ausgestattet werden, so die Forderung der Unfallforscher. Dann würden viele Unfälle deutlich glimpflicher verlaufen.

mik/sid



insgesamt 360 Beiträge
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Seite 1
m-pesch, 29.09.2011
1. ....
Zitat von sysopEs ist, als wenn ein schmächtiger 15-Jähriger gegen einen Sumoringer antreten würde - im Ernstfall hat ein Kleinwagen gegen einen SUV keine Chance. Ein Crashtest der Unfallversicherer hat dies erneut eindrucksvoll unter Beweis gestellt. http://www.spiegel.de/auto/aktuell/0,1518,788907,00.html
Ach ne, dafür haben die einen Chrashtest gebraucht? Kann jeder Abiturient ausrechnen was ungefähr passiert wenn ein 2,5 Tonnen Klotz gegen einen mit nur 1 Tonne knallt. Die derzeitigen Crashtests gegen eine genau definierte Barriere ist reine Augenwischerei weil sie nur das Eigengewicht berechnet und noch nicht einmal Rücksicht auf die maximale Zuladung nimmt. Selbt ein Baum am Straßenrand wirft die Ergebnisse über den Haufen weil er eben nicht so verformbar ist wie die Testbarriere.
mainzelmännchen 1 29.09.2011
2. Kranke Rambos mit unterentwickeltem Sozialverhalten...
...in den Fossilmobilpanzern - und auf der Skipiste: Meist übergewichtig, egoistisch und rücksichtslos - eine Gefahr für ihre Mitmenschen. Daß sie dabei meist auf der Jagd nach Provisionen sind, hier nach Geld, dort nach dem anderen Geschlecht, passt ins Bild.
mcf1975 29.09.2011
3. Der Markt verlangt danach
...heißt es immer wieder. Doch wie fängt sowas an, so ein "Verlangen"? Rennen da Scharenweise Enddreißiger in die Autohäuser und sagen: Ich will ein 2,3 Tonnen Auto! Ich glaube Bedarfserweckung trifft es eher. Das könnte der Gesetzgeber aber einfach unterbinden, indem er das Gewicht für die zuständige Führerscheinklasse auf 1,5 to. limitiert.
Breen 29.09.2011
4. Deldenk
Die Eliten dieser Welt verdienen es, sicher zu reisen. Vom Pöbel, dieser gesichts- und identitätslosen, austauschbaren Masse gibt es ohnehin genug, und wert ist er auch nichts.
Jolly65 29.09.2011
5. ...
Ahoi, große SUV-Kapitäne. Eines Tages wird es eine Pflicht-Plakette für euer Auto geben, darauf wird stehen "Ich bin zwei Tanks". Dennoch werden die echten Tanks alle mehr Panzerschutz und Feuerkraft als eurer haben, das wird immer eine bittere Realität bleiben.
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