Verkehrssicherheit Zugedröhnt am Steuer

Laut Statistik bauen die Deutschen heute weniger Unfälle unter Alkoholeinfluss als vor zehn Jahren, werden aber immer öfter mit Drogen am Steuer erwischt. Eine Tendenz zu "Pills" statt Pils und Pot statt Port? Die Zahlen zeigen überraschende Entwicklungen.


Bonn - Auf manche Klassiker und Newcomer könnte gerne verzichtet werden. In den Statistiken der Polizei beispielsweise gehören Verkehrsunfälle unter Alkoholeinfluss zu den traurigen Klassikern - es gab sie schon vor Jahrzehnten, und auch heute noch kommt so mancher Fahrer benebelt von der richtigen Spur ab. Ähnlich ungern gesehen ist der Newcomer Drogen. Wurde das Thema noch vor einigen Jahren meist ignoriert, ist das Fahren unter Drogeneinfluss heute ein ständiges Reizthema im Bereich der Verkehrssicherheit.

Mit der Tüte hinterm Lenkrad: "Früherkennung der Pupillen" entlarvt Drogensünder
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Mit der Tüte hinterm Lenkrad: "Früherkennung der Pupillen" entlarvt Drogensünder

"Grundsätzlich ist es so, dass sich die Zahl der Unfälle unter Alkoholeinfluss rückläufig entwickelt", erläutert Erwin Grosse vom Bund gegen Alkohol und Drogen im Straßenverkehr (BADS) in Hamburg. "In Hinblick auf den Drogenkonsum am Steuer ist festzustellen, dass die Zahl der erwischten Fahrer und auch die Zahl der Unfälle zunimmt." Doch während sich das eine nach Entwarnung und das andere nach drohender Gefahr anhört, zeigen die reinen Zahlen ein anderes Bild - denn in der Negativ-Statistik hat das Problem Alkohol immer noch einen beachtlichen Vorsprung.

Immerhin hat es bei den Alkoholunfällen mit Personenschaden in den vergangenen zehn Jahren einen Rückgang um etwa ein Drittel gegeben. Laut Sven Rademacher, Sprecher des Deutschen Verkehrssicherheitsrates (DVR) in Bonn, kam man im Jahr 1996 auf 34.468 Alkoholunfälle, bei denen Personen zu Schaden kamen. Im Jahr 2005 waren es 22.004. Alles in allem ein Fortschritt, während auf der anderen Seite die Zahl der Drogenunfälle tatsächlich zunahm - allerdings auf niedrigerem Niveau.

"Im Jahr 1995 gab es laut Statistik 607 Unfälle unter dem Einfluss so genannter anderer berauschender Mittel, bei denen Personen zu Schaden kamen", berichtet Sven Rademacher. Die Zahl erreichte 2004 mit 1521 ihren bisherigen Höchsttand und sank dann im Jahr 2005 wieder auf 1373. Bei den durch Unfälle Getöteten entwickelten sich die Zahlen entsprechend. Bei Unfällen unter Drogeneinfluss starben 1995 laut Statistik 17 Menschen, im Jahr 2005 waren es 51. Unfälle unter Alkoholeinfluss führten 1996 noch zu 1472 Todesopfern, 2005 waren es 603.

Verbesserte Drogenkontrollen

Uneins sind sich Experten über die Hintergründe der Entwicklungen: "Dass die Zahl der Fahrer unter Drogeneinfluss steigt, heißt im Endeffekt nur, dass man bei den Kontrollen mehr erwischt hat", sagt Bastian Roet, Verkehrssoziologe des Automobilclubs von Deutschland (AvD) in Frankfurt/Main. Denn während die Alkoholkontrolle seit langer Zeit zum Standard-Sortiment der Polizei gehört, ist die Verfolgung der Drogendelikte im Straßenverkehr noch Neuland - bei dem man allerdings recht schnell dazu gelernt hat.

"Bei Drogenkontrollen ist man darauf angewiesen, dass die Polizisten auf diesem Gebiet gut geschult sind", erklärt Erwin Grosse. Dies sei tatsächlich immer öfter der Fall, so dass entsprechende Vergehen auch öfter festgestellt werden. Hintergrund ist zum einen die "Früherkennung der Pupillen" - also die Fähigkeit, an den Pupillen der Fahrer Verdächtiges in Hinblick auf Drogeneinfluss wahrzunehmen. Zum anderen sind auch verstärkt Testgeräte im Einsatz, die schnell entsprechende Werte feststellen können.

Unbeantwortet ist nach Ansicht der Experten immer noch die Frage, ob die Zahl der Fahrten unter Drogeneinfluss tatsächlich zunimmt, oder ob die besseren Kontrollmethoden lediglich öfter solche Verkehrssünder auffliegen lassen. Beim Alkohol dagegen lässt sich die Entwicklung einfacher nachvollziehen. "Als die Grenze von 0,8 Promille galt, war jedem klar, dass er ein paar Gläser trinken konnte. Bei 0,5 Promille dagegen ist das Risiko größer, die Grenze zu überschreiten", meint Erwin Grosse. "Ideal wäre aber ein Grenzwert von 0,0 Promille - dann gäbe es auch keine Nachweisschwierigkeiten."

Erfolge kann es aber auch durch neue Ideen geben. So weist Bastian Roet auf ein Projekt aus Schweden hin, mit dem man speziell junge Fahrer ansprach: "Es wurde für die Idee geworben, dass eine Gruppe jeweils einen Fahrer auswählt, der verspricht, an dem Abend keinen Alkohol zu trinken", so Roet. Im Gegenzug zahlten dann die restlichen Mitglieder der Gruppe ihrem Fahrer zum Beispiel den Eintritt in den Club oder die Disko und kamen auch für dessen - nicht alkoholische - Getränke auf. "Das Projekt hatte Erfolg. Wenn man so etwas bei uns versucht, sagt vielleicht schon mal jemand wegen der zu erwartenden Vorteile freiwillig 'heute fahre ich'."

Heiko Haupt, gms



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