Verkehrsregeln: Viele Fahrer ignorieren Schulterblick und Blinken

Fahrstunde: Eine 17-Jährige mit ihrem Ausbilder im niederbayerischen Straubing Zur Großansicht
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Fahrstunde: Eine 17-Jährige mit ihrem Ausbilder im niederbayerischen Straubing

Erst intensiv gepaukt, dann schnell vergessen. Viele deutsche Autofahrer halten sich nicht an Verkehrsregeln. Laut einer Umfrage ignorieren sie Tempolimits, Stoppschilder oder den Schulterblick. Und rund die Hälfte der Befragten glauben, sie würden die Führerscheinprüfung heute nicht mehr bestehen.

Bonn - Viele Autofahrer in Deutschland benötigen offenbar dringend Nachhilfe: Gut die Hälfte (55 Prozent) von ihnen ist sich sicher, dass sie ohne erneute Vorbereitung die Führerscheinprüfung nicht noch einmal bestehen würde. Das ergab eine am Dienstag veröffentlichte repräsentative Umfrage der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) im Auftrag des Autoversicherers DA Direkt. Selbst in der Gruppe der 18- bis 29-Jährigen mit vielen Fahranfängern glauben nur 59 Prozent, dass sie die Prüfung erneut auf Anhieb schaffen würden.

Die Umfrage ergab außerdem, dass sich zahlreiche Fahrer nicht an die Vorschriften halten. Die Hälfte der befragten Piloten hält den Schulterblick für unnötig und missachtet auch Tempolimits. Auch die Regeln zum Halten am Stoppschild oder Blinken beim Ein- und Ausparken ignorieren viele Autofahrer.

Und wie sieht es mit physikalischen Grundlagen aus? Noch schlechter, nur knapp ein Drittel der Befragten konnte den Bremsweg bei einer Geschwindigkeit von 50 km/h korrekt benennen - er beträgt 25 Meter. Die Defizite lägen jedoch nicht in der Fahrschulausbildung, sagte DA-Direkt-Sprecher Bernd O. Engelien. Hier wurden die Anforderungen in der Vergangenheit nicht aufgeweicht. Es sei aber wohl eine Tendenz, dass das Lernverhalten der Fahrschüler insgesamt eher auf Prüfungen und das Kurzzeitgedächtnis ausgelegt sei. "Theoretisches Wissen wie etwa die stabile Seitenlage wird einfach zu schnell vergessen", sagt Engelien.

Dazu kommen zudem eine "trügerische Gelassenheit", die bereits kurz nach der Prüfung einsetzt. Einen Schulterblick machen viele Fahrer nicht mehr, weil sie ihn für überflüssig halten.

rom/dpa

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insgesamt 114 Beiträge
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1.
Hamberliner 07.08.2012
Zitat von sysopErst intensiv gepaukt, dann schnell vergessen. Viele deutsche Autofahrer halten sich nicht an Verkehrsregeln. Laut einer Umfrage ignorieren sie Tempolimits, Stoppschilder oder den Schulterblick. Und rund die Hälfte der Befragten glauben, sie würden die Führerscheinprüfung heute nicht mehr bestehen. Viele Autofahrer ignorieren Verkehrsregeln - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/auto/aktuell/0,1518,848713,00.html)
Liebe Autofahrer, das Blinken hilft dem Motorradfahrer, den Ihr mangels Schulterblick nicht gesehen habt, sein bisschen Leben zu retten, also seid bitte so nett 2 Sekunden vorm Spurwechsel und vorm Linksabbiegen (z.B. in eine Einfahrt) zu blinken. Auch dann wenn im Spiegel keinerlei Auto zu sehen ist.
2. Dafür braucht es keine Umfrage...
dt1011047 07.08.2012
Man muß nur als Radler im Stadtverkehr unterwegs sein - dann nimmt man das nicht nur einfach wahr, sondern merkt auch, wie ärgerlich diese Rücksichtslosigkeit ist, die viele Fahrer als unnötige Maßregelung empfinden. Da hilft dann auch kein Hinweisen drauf, denn die meisten Leute sind nicht gar nicht im Klaren, was sie für ein Ärgerniß damit für anderen sind, wenn sie nicht blinken (erst blinken beim Abbiegen ist z.B. nicht hilfreich - aber wer _vorher_ schon blinkt, der erlaubt anderen, sich darauf einzustellen). Ich fahre Auto und Rad, und empfinde es (leider) immer als Ärgerniß, wenn andere mich dadurch _unnötig_ behindern. Und da die Einsicht nicht von selbst kommt, wäre ich auch dafür, daß hier mal erzieherische Maßnamen seitens der Polizei forciert werden. Damals gab's noch die Sendung "Der 7. Sinn" - die hatte genau diese Aufgabe, und sie m.E. auch gut ausgeübt. Heute gibt's das nicht mehr, und die Leute werden bequemer und scheren sich weniger. Ein wenig Erinnerung von Zeit zu Zeit kann da nicht schaden, finde ich.
3.
Arno Nühm 07.08.2012
Zitat von sysopNoch schlechter, nur knapp ein Drittel der Befragten konnte den Bremsweg bei einer Geschwindigkeit von 50 km/h korrekt benennen - er beträgt 25 Meter.
Das muss man auch nur im Matheunterricht können. Im fahrenden Auto hat man eh keine Zeit zu berechnen, auch nicht nach Faustformel. Da braucht man ein Gefühl für seinen Wagen und den Verkehrsfluss und das kriegt man eben nur durch Fahrpraxis. Ansonsten: Blinker setzen tut nicht weh, Schulterblick (den meisten) auch nicht.
4. Fürhrerschein auf Lebenszeit
Duis 07.08.2012
Das Problem könnte natürlich auch sein, dass es in Deutschland den Führerschein auf Lebenszeit gibt und sich 99% der Fahrer nicht bewusst sind, dass sie ein 1,5 Tonnen Geschoss mit immer besseren technischen Sicherheitssystemen bewegen. Die Leute kommen sich, dank Werbung and marketing, in Autos immer sicherer vor und bekommen immer weniger von der Straße mit (sei es akustisch mit schallisolierung oder optisch mit mangelnder vorraussicht). Kein wunder dass man sich da wie auf einer wolke schwebend fühlt.
5. Problem der Fahrschulen
My2Cents 07.08.2012
Ich könnte ja jetzt den Oberlehrer raushängen lassen... Tatsache scheint für mich jedoch zu sein, dass es jedoch den Fahrschulen bei der Vermittlung der Rechtslage daran fehlt, schlüssige Begründungen für die jeweiligen Regelungen mitzuliefern, damit sie den Fahrschülern einleuchten und sie sie somit aus eigener Einsicht heraus befolgen. Beispiel "Blinken": Viele denken ja, dass das Blinken nur dazu dient, die Regeln der StVO zu erfüllen. Deshalb blinken sie entweder gar nicht oder erst, wenn sie eh schon z. B. zum Spurwechsel angesetzt haben. Damit ist dann ja das "Gesetz erfüllt". Dass das Blinken - und dabei insbesondere das zeitlich vorzeitige Blinken - den Sinn hat, umliegende Verkehrsteilnehmer (auch wenn man sie gerade selbst nicht sieht oder in seine eigenen Fahrtberechnungen einbezieht) über die eigenen Absichten zu informieren, damit sie ihren Fahrplan entsprechend innerhalb der nächsten Sekunden anpassen können (entsprechend "Route wird neu berechnet" beim Navi), das wissen viele Autofahrer nicht. Es wurde ihnen nie beigebracht und selbst reflektiert haben sie es auch nicht. Dementsprechend wird es oft knapp und ärgerlich für alle anderen. Davon unabängig bin ich klar dafür, Führerscheine generell nur für einen begrenzten Zeitraum (sagen wie 4 Jahre) zu vergeben und danach wieder eine praktische und theoretische Prüfung sowie einen Erste Hilfe-Kurs zur Verlängerung ablegen zu müssen. Kostet nur die Prüfungsgebühren (schließlich können ja alle, die einen Führerschein haben, schon Auto fahren, oder?) und dauert nur ein paar Stunden. Das sollte uns aber allen ein sicherer Verkehr wert sein.
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