Vierte Porsche-Baureihe Sportlich im Quadrat

Porsche drückt aufs Gas. Die Sportwagenmarke aus Zuffenhausen plant eine vierte Baureihe, über die bereits wild spekuliert wird. Fest steht bislang lediglich: Das neue Modell kommt, und es wird vier vernünftige Sitzplätze haben.

Von Jürgen Pander


Porsche-Produktion in Zuffenhausen: Geheimnis um die vierte Baureihe

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Schweigen, Kopfschütteln, Schulterzucken. Wenn Porsche-Mitarbeiter in diesen Tagen auf eine "vierte Baureihe" angesprochen werden, bleiben sie einfach stumm und reagieren damit doch beredt. Denn wer nichts zu verbergen hat, sagt es einfach frei heraus. Also: Da ist etwas, klar. Die Zuffenhausener Sportwagenbauer arbeiten längst an einem neuen Modell. Und dieses Auto dürfte das zurzeit am besten gehütete Geheimnis der Branche sein.

Angeheizt wurden die Spekulationen vor kurzem durch einen Bericht des deutschen Fachmagazins "Auto, Motor & Sport" aus Stuttgart, das kühn behauptete, im Jahre 2008 werde Porsche ein viertüriges, viersitziges Fließheckmodell mit Frontmotor und Heckantrieb unter dem Namen GT Coupé auf den Markt bringen. "Das kann doch nicht wahr sein", stöhnt Porsche-Sprecher Jürgen Pippig dann doch, als er auf den Artikel angesprochen wird. Er werde nichts davon bestätigen, noch irgendetwas dementieren. Im Übrigen werde in der Publikation ein Preis von 220.000 Euro genannt und einen Jahresstückzahl von 20.000. "Na, überlegen Sie doch mal", ruft er beinahe empört, "wenn das wirklich funktionierte, würde es doch bedeuten, dass Ferrari und Co. seit Jahren gröbste Fehler machen."

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Da hat er Recht. 20.000 Autos pro Jahr zum Preis von je 220.000 Euro - das dürfte auch für eine feine Marke wie Porsche ein paar Nummern zu groß sein. Zumal die Verantwortlichen, trotz des großen Erfolgs des Luxus-Geländewagens Cayenne, nur ein wenig in der Firmengeschichte nachlesen müssen, um zu erkennen, wie delikat das Projekt eines viersitzigen, sportlichen Porsche ist.

Bereits in den Sechzigern skizzierte der italienische Karosseriedesigner Pininfarina ein solches Modell unter dem Kürzel B17 - es blieb unvollendet. In den Siebzigern tüftelten die Ingenieure an einem viersitzigen Prototypen des Porsche-Klassikers 911 - ohne Ergebnis. Ein weiteres Jahrzehnt darauf, nämlich 1984, als Ferry Porsche seinen 75. Geburtstag feierte, bescherte ihm die Entwicklungsabteilung tatsächlich einen Viersitzer auf Basis des Modells 928 - er blieb ein Unikat. Anfang der Neunziger schließlich beherrschte das Thema Viersitzer erneut die Firmenpolitik: Der damalige Vorstandschef Arno Bohn ließ an einem Porsche 989 arbeiten - und trieb das Unternehmen beinahe in den Ruin. Als Bohn gehen musste, verschwand auch die Viersitzer-Idee.

Dass sie jetzt wieder auflebt, hat mehrere Gründe. Erstens verdient Porsche seit Jahren richtig gut Geld. Zweitens hat das Experiment Cayenne, der über vier Türen, fünf Sitzplätze und sogar eine große Heckklappe verfügt, ausgezeichnet funktioniert. Drittens betont Porsche-Chef Wendelin immer wieder, wie wichtig es sei, das Unternehmen noch breiter als bislang aufzustellen. Mit anderen Worten: Eine vierte Volumenbaureihe soll her.

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Ob es aber eher ein großkalibriges Coupé, eine sportliche Kombi-Interpretation oder gar eine rasante Limousine wird, ist wohl noch nicht entschieden. Zumal sich aus den Baugruppen der vorhandenen Modelle 911 und Cayenne durchaus unterschiedliche Fahrzeuge zusammenstellen lassen, und das muss schließlich das Ziel sein: einen neuen Porsche zu entwickeln, der aus möglichst vielen Komponenten der bisherigen Autos besteht. Nur in diesem Fall wäre eine vierte Baureihe rentabel und unternehmerisch sinnvoll.

An diesem Punkt setzen auch die Spekulationen an. Wird es ein Frontmotor-Coupé? Wie werden die Türen angeschlagen sein? Wie groß muss der Kofferraum sein? Wird es ein Allradmodell? Bekommt der Wagen einen V8- oder V10-Motor? Aus dem internen Projektkürzel E2 jedenfalls lassen sich keine Hinweise auf das künftige Modell ablesen.

Und überhaupt: "Wir haben im Moment ganz andere Autos im Kopf", sagt Porsche-Sprecher Pippig. Im Juni wird der nagelneue 911 vorgestellt, auf dem Pariser Autosalon Ende September debütiert der neue Boxster. Erst wenn der Rummel um diese beiden Neuheiten abgeklungen ist, wird es Neues zur vierten Baureihe geben. Dann hat das Schweigen der Porsche-Männer ein Ende.



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