Abgasskandal VW droht Scheitern bei Passat-Nachrüstung

Im Abgasskandal erwartet VW neues Unheil: Bei der Nachrüstung von Passat-Modellen könnten Verbrauchsgrenzen erneut gerissen werden. Dann wäre ein weiterer Rückruf nötig.

VW-Passat bei einem Autohändler in den USA
AFP

VW-Passat bei einem Autohändler in den USA


Der geplante Rückruf des Passats könnte sich verzögern - und den geplagten VW-Konzern in weitere Schwierigkeiten bringen. Grund sind mögliche höhere Verbrauchswerte nach der Umrüstung. "Es steht Spitz auf Knopf", zitiert die Nachrichtenagentur dpa aus Konzernkreisen. Es liefen derzeit aber noch weitere Messungen.

Das Bundesverkehrsministerium teilte mit, nach dem bereits begonnenen Rückruf für den Pick-up Amarok seien die Freigaben für weitere betroffene Modelle beim Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) in der Prüfung. "Die Freigaben erfolgen dann, wenn nachgewiesen wurde, dass die Fahrzeuge hinsichtlich aller Belange dem genehmigten Typ entsprechen", sagte ein Ministeriumssprecher in Berlin.

Selbst ein minimal höherer Verbrauchswert wäre nicht zulässig, da bei den Nachrüstungen eine "Null-Toleranz-Linie" gilt. Die Eigenschaften des Fahrzeugs sollen sich mit dem nötigen Update der Motorsoftware nicht ändern. Sollte der Passat nach der Umrüstung einen höheren Verbrauch haben, müsste Volkswagen die bisher geplante Nachrüstungsaktion bei dem Modell noch einmal überarbeiten.

Ein VW-Sprecher in Wolfsburg sagte, wann der Rückruf starten könne, sei derzeit offen. Die "Bild"-Zeitung hatte berichtet, die Umrüstung der Passat-Modelle verzögere sich. Der KBA-Sprecher sowie VW hatten aber die Darstellung zurückgewiesen, dass es nicht sicher sei, ob der Motor nach der Umrüstung die Schadstoffnorm Euro 5 erfülle.

brt/dpa

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insgesamt 88 Beiträge
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Seite 1
barlog 16.03.2016
1.
Hä? Wenn VW die Vorgaben an Abgaswerte etc. auch ohne Betrugssoftware durch Umrüstung bei gleichbleibendem Verbrauch einhalten könnte, warum hätten sie sich dann auf dieses nahezu selbstmörderische Risiko mit dieser kriminellen Software einlassen sollen? Wo ist hier die Logik?
Christian Guenter 16.03.2016
2. Schlimm
Das die Verbrecher in Deutschland nicht angeklagt werde .
der_bulldozer 16.03.2016
3. Genau das ist die Logik
Erst hat VW mit der Software geschummelt und versuchen sie die nächste Schummelei mit einer Nachrüstung, die angeblich keine Verschlechterung der Werte bedeutet. Leider wurde VW schon erwischt, bevor die Rückrufaktion begann.
rathat 16.03.2016
4. Keiner hat's geahnt.
Wenn es VW heutzutage möglich gewesen wäre, durch ein einfaches Software-Update die Abgasgrenzwerte bei gleichzeitig niedrigem Verbrauch einzuhalten, welches noch dazu innerhalb von 3 Monaten entwickelt wurde, warum sollte das nicht schon bei Typenzulassung des Motors möglich gewesen sein? Jetzt entpuppt sich der Betrug als das, als das es gedacht war: als großangelegte Wettbewerbsverzerrung. Denn Verbrauch und Preis sind Verkaufsargumente, welche wirklich niedrig sein müssen, die Abgasgrenzwerte müssen eingehalten werden - auch wenn es nur ein Mal ist, nämlich auf dem Prüfstand. Wenn sich dann ein deutsches Gericht nicht anerkennt, dass eben nicht nur der Staat, sondern auch der Kunde beim Kauf betrogen wurde, dann ist das unerträglich. Selbst wenn VW es dieses Jahr noch schaffen sollte, 40% der EA189 Fahrzeuge nachzurüsten (was mit dem jetzt verzögerten Rückruf unwahrscheinlicher wird), fährt immer noch ein Großteil mit zu hohem Stickoxidausstoß und ist weiterhin für viele hundert Tote mehr allein in Deutschland verantwortlich. Zudem scheint es für VW ebenso keine weiteren Probleme zu geben, dass die jetzt zurückgerufenen Fahrzeuge schon bis zu 10 Jahre gefahren sind, ohne die Typenzulassung einzuhalten und u.A. dafür gesorgt hat, dass seit einigen Jahren die Stickoxidgrenzwerte in deutschen Städten regelmäßig überschritten werden. Zumindest scheint das KBA hier allen Vorurteilen zum Trotz ohne Kungeleien zu agieren. VW selbst würde hingegen lieber die Welt per Software Update an seine Fahrzeuge anpassen, die hat aber leider keine OBD2 Dose.
Stefan_G 16.03.2016
5. zu #1
Zitat von barlogHä? Wenn VW die Vorgaben an Abgaswerte etc. auch ohne Betrugssoftware durch Umrüstung bei gleichbleibendem Verbrauch einhalten könnte, warum hätten sie sich dann auf dieses nahezu selbstmörderische Risiko mit dieser kriminellen Software einlassen sollen? Wo ist hier die Logik?
Gut beobachtet. Die Aufgabe gleicht dem schon in der Antike bekannten Problem der "Quadratur des Kreises", was mit den Mitteln der Geometrie nicht bewerkstelligtwerden kann. Die 4 Ecken des VW-Quadrats heißen - NOx-Ausstoß - Rußausstoß - Verbrauch - Leistungsentfaltung Beim Amarok hat man sich anscheinend für das Übel "Mehrverbrauch" entschieden. Wenn das KBA das jetzt für den Passat nicht zulässt, bleibt eigentlich nur noch die "Minderleistung" (z.B. 70 statt 150 PS), denn wenig NOx UND wenig Ruß bekommt man ohne Ad Blue-Anlage nicht unter einen Hut.
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