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Porsche 911

VW erstattet Selbstanzeige wegen zu hoher Verbrauchswerte

Neuer Ärger für Volkswagen: Der Wolfsburger Autokonzern hat nach SPIEGEL-Informationen Selbstanzeige erstattet. Grund sind zu hohe CO2-Ausstöße beim Porsche 911.

Von und

DPA

Donnerstag, 31.01.2019   18:28 Uhr

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Der Volkswagen-Konzern hat an diesem Donnerstag Selbstanzeige beim KBA erstattet. Das erfuhr der SPIEGEL aus Konzernkreisen. Es geht dabei um fehlerhafte Verbrauchswerte des Sportwagen-Modells 911, das die Tochterfirma Porsche baut. Betroffen von den falschen Verbrauchsangaben sollen die Baujahre 2016 und 2017 sein.

In der Folge will der Wolfsburger Konzern auch die amerikanischen Behörden EPA und CARB informieren. Warum die Sportautos mehr Benzin verbrauchen und deshalb auch mehr Kohlendioxid ausstoßen, als in der Typgenehmigung vermerkt, ist bislang unbekannt.

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Für VW und dessen Tochter Porsche ist dieser Schritt gravierend. Stellt sich heraus, dass die nachträglich bemerkten Verbrauchswerte mehr als zehn Prozent über der ursprünglichen Angabe liegen, kann nach deutscher Rechtsprechung Schadensersatz von den Kunden geltend gemacht werden - im äußersten Fall sogar der Kauf zu Lasten des Herstellers rückabgewickelt werden. Denkbar sind auch Nachforderungen der Steuerbehörden, weil der Wagen einen höheren CO2-Ausstoß und deshalb höhere Kfz-Steuern fällig werden. Zusätzlich verhängen sowohl die amerikanischen als auch die deutschen Behörden bei Verstößen gegen das Zulassungsverfahren hohe Geldstrafen. In Deutschland können dies bis zu 5000 Euro pro Auto sein.

Falsche Werte für Luftwiderstand

Aus Kreisen des VW-Managements erfuhr der SPIEGEL, dass bei den Verbrauchsmessungen für die Typgenehmigung des 911 ein falscher Wert für den Luftwiderstand verwendet wurde. Da die Verbräuche auf dem Rollenprüfstand ermittelt werden, müssen beeinflussende Faktoren wie Luft- und Rollwiderstand mit einkalkuliert werden.

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Wie groß die Auswirkung des falschen Widerstandswertes auf die im Prüfverfahren ermittelten CO2-Emissionen beim Porsche 911 sind, das sei nun Gegenstand weiterer Messungen. Porsche-Chef Oliver Blume hat offenbar bereits mit Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) telefoniert und die Selbstanzeige erläutert.

Das Bundesverkehrsministerium ist von der Selbstanzeige in Kenntnis gesetzt worden. Porsche nahm auf Anfrage des SPIEGEL so Stellung: "Porsche hat bei internen Untersuchungen Themen im Zusammenhang mit einzelnen, sogenannten Ausrolltests festgestellt. Diese Tests werden angewandt, um fahrzeugspezifische Werte für Rollenprüfstandstests zu ermitteln. Im konkreten Fall geht es um Abweichungen bei der Ermittlung von Windwiderstandswerten und entsprechende Berichte, die den zuständigen Behörden übermittelt wurden. Der Sachverhalt wird derzeit noch untersucht, doch Porsche sieht es als Selbstverständlichkeit und Ausdruck seiner Firmenkultur an, die zuständigen Behörden aktiv zu informieren. Das Unternehmen setzt die internen Untersuchungen in enger Abstimmung mit den Behörden fort."

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