Volkswagen-Gala "Wir zeigen, wo der Hammer hängt"

Weltpremiere für VW Scirocco, Audi A4 Avant, Seat Bocanegra - vor 1200 Gästen feierte Volkswagen zum Auftakt des Genfer Salons seine Modellneuheiten und vor allem sich selbst. An großen Sprüchen ließen es die Konzern-Manager nicht fehlen.

Von Jürgen Pander


Schon aus der Distanz war der Veranstaltungsort nicht zu übersehen: eine weiße Halle, extra für diesen Abend in einem Gewerbegebiet aus dem Boden gestampft, mit einer fast 60 Meter breiten Bühne und davor einer Tribüne für 1200 Gäste. Die waren eigentlich gekommen, um die Pkw-Premieren der acht Konzernmarken vorab zu sehen. Doch die Autos waren zunächst zweitrangig - der VW-Konzern wollte vor allem Selbstbewusstsein demonstrieren.

"Ich komme direkt aus Stockholm", begrüßte Volkswagen-Konzernchef Martin Winterkorn das Publikum, "dort haben wir heute Morgen die Scania-Übernahme unter Dach und Fach gebracht." Zugleich war VW selber im Laufe des Montags de facto übernommen worden - Porsche hatte gestern angekündigt, die Mehrheit an dem ungleich größeren Wolfsburger Konzern erwerben zu wollen. "Es freut uns sehr", kommentierte Winterkorn die Nachricht trocken.

Das danach beginnende Défilée der Novitäten wäre vielleicht auch für Porsche-Leute interessant gewesen, denn es bot einen Überblick über das Portfolio des "faszinierendsten Automobilunternehmens der Welt", wie Winterkorn weihräucherte.

So fuhr Bentley-Chef Franz-Josef Paefgen im Bentley Brooklands auf die Bühne, der bereits im Vorjahr vorgestellt wurde und mit rund 350.000 Euro das teuerste und exklusivste Modell der englischen Marke ist. Dann rollte Audi-Chef Rupert Stadler im Audi A4 Avant auf die Bühne, lobte den rot lackierten Wagen über den grünen Klee und sprach, nachdem Technik-Vorstand Michael Dick den Diesel-Sportwagen R8 V12 TDI ins Rampenlicht chauffiert hatte, völlig unbescheiden: "Wir zeigen wieder einmal, wo eigentlich der Hammer hängt."

Es folgten dann der Lamborghini Gallardo LP 560/4 mit nun 560 PS und einer Höchstgeschwindigkeit von 325 km/h sowie das hinlänglich bekannte 1000-PS-Auto Bugatti Veyron 16.4, diesmal komplett in schwarz. Bereits 220 Exemplare der mehr als eine Million Euro teuren Supersportwagen sind verkauft, vermeldete Bugatti-Chef Paefgen. Sehr viel bodenständiger wurde es zwischendurch dank des neuen Skoda Superb (Basispreis 22.990 Euro), des Erdgas-Familienautos Caddy Maxi Eco-Fuel der VW-Nutzfahrzeug-Sparte und der Seat-Studie Bocanegra. Dieser Wagen auf VW-Polo-Plattform trägt bereits wesentliche Züge des künftigen Seat Ibiza, der im Sommer als Fünf- und im Herbst als Dreitürer debütieren wird.

Schluss- und Höhepunkt der Zeremonie war der neue VW Scirocco. Das Auto soll die Grundidee des vor 34 Jahren ebenfalls auf der Messe in Genf vorgestellten Ur-Scirocco wieder aufnehmen - also die des Volks-Sportwagens. Ende August soll das viersitzige "Kombi-Coupé" ab zirka 22.000 Euro bei den Händlern stehen. Mit wahlweise drei Benzinmotoren und einem Dieselaggregat, die zwischen 122 und 200 PS leisten, mit Sportfahrwerk, ESP, sechs Airbags, Klimaanlage und Lederlenkrad. Gegen Aufpreis sind auch ein Siebengang-DSG oder ein Panorama-Glasdach verfügbar.

"Für mich ist das die Demokratisierung des Sportwagens", sagt VW-Designchef Klaus Bischoff. Die viel eher an einen Kombi als an ein rassiges Coupé angelehnte Karosserieform begründet er so: "Ein VW muss immer ein Kompromiss aus Sportlichkeit und Funktionalität sein, denn ein purer Sportwagen wäre nicht glaubwürdig." Auffällig am durchaus geschmeidig geformten Scirocco, der die Technik des aktuellen Golf erhält und die Achskonstruktionen des Passat, ist die fast vollständige Abwesenheit von Chrom. "Glänzendes Schwarz ist unser neues Chrom, das wird man künftig öfter an neuen VW-Modellen sehen", sagt Bischoff über die neue Optik.

Gebaut wird der neue Scirocco im portugiesischen VW-Werk Setubal. Daher saß auch Portugals Wirtschaftsminister Francisco Nunes Correia unter den Ehrengästen, ebenso wie Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch. Der genoss offenbar die pompöse Veranstaltung. Die zelebrierten die Wolfsburger übrigens auch mit einer guten Portion Trotz. Denn nachdem VW im vergangenen Jahr die allererste Pressekonferenz auf der Messe abhalten durfte, hatten die Organisatoren des Autosalons diesmal einen Termin um 17.45 Uhr vorgesehen - also am Ende des ersten Pressetages. VW winkte verärgert ab - und baute stattdessen extra diese Halle im Nirgendwo eines Gewerbegebiets hinter dem Flughafen.

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