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VW-Abgasaffäre: Grüne fordern Nachtests für alle deutschen Dieselautos

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Der VW-Skandal um manipulierte Abgastests ist längst ein Politikum Zur Großansicht
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Der VW-Skandal um manipulierte Abgastests ist längst ein Politikum

Schluss mit der Verbrauchertäuschung bei Spritverbrauch und Abgasausstoß - das fordern die Grünen und bringen einen entsprechenden Antrag im Bundestag ein. Noch diese Woche sollen die Parlamentarier darüber abstimmen.

Die Grünen im Bundestag fordern die Bundesregierung auf, in dem VW-Skandal um manipulierte Abgaswerte tätig zu werden. Die Fraktion bringt an diesem Nachmittag einen entsprechenden Antrag in den Bundestag ein. Die Volksvertreter sollen noch diese Woche dafür votieren, die "Verbrauchertäuschung beim Spritverbrauch und Schadstoffausstoß von Pkw" zu beenden, so der Titel des Antrags, der SPIEGEL ONLINE vorliegt.

Darin kritisieren die Grünen, dass die gängigen Verbrauchs- und Abgasmessungen bei Autos manipulationsanfällig seien und den Verbrauchern keine glaubhafte Auskunft über ihre Autos geben. Die Parlamentarier verweisen auf eine ganze Reihe von unabhängigen Messungen, bei denen nicht im Labor, sondern auf der Straße so genannte Realemissionen untersucht wurden. Mit dem Ergebnis, dass diese Messungen erheblich abweichen. Die Emissionsbeschränkungen für neue PKW durch EU-Verordnungen würden keine Wirksamkeit erfüllen, so die Grünen. Autos seien "lediglich auf dem Papier sauberer geworden".

Die Grünen fordern Nachtests wie in den USA

Dabei erinnern die Grünen daran, dass die Bundesregierung schon seit Jahren gegenüber der EU einräumen muss, dass die in den Städten gemessenen Schadstoffkonzentrationen, vor allem von Stickoxiden, über den Grenzwerten liegen und ein Vertragsverletzungsverfahren bereits eingeleitet worden sei. Der Antrag geht auf Initiative des verkehrspolitischen Sprechers der Partei, Stephan Kühn, zurück. "Die Bundesregierung schaute bislang tatenlos zu", kritisiert er gegenüber SPIEGEL ONLINE: "Die dreiste Mogelpackung von Volkswagen ist dabei nur die Spitze des Eisberges."

Kühn fordert deshalb von der Regierung, dass schnellstmöglich Nachtests vorgenommen werden, um den wirklichen Schadstoffausstoß sowie Spritverbrauch zu ermitteln. Die Grünen fordern in ihrem Bundestagsantrag vor allem, dass die Bundesregierung sich dafür einsetzt, dass ein neuer, realistischerer Testzyklus in der EU bereits 2017 eingeführt wird, und zwar verbindlich und ohne Übergangsfristen.

Gegenüber den anderen EU-Mitgliedstaaten soll sich die Regierung dafür einsetzen, dass für diesen Test die strengstmöglichen Rahmenbedingungen gesetzt werden, unter anderem soll auch mit eingeschalteter Klimaanlage gefahren werden. Nur so seien realistische Verbrauchs- und damit auch Schadstoffwerte zu kontrollieren.

Morgen soll zum Manipulationsskandal von VW auch Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt, CSU, im Verkehrsausschuss des Bundestags Auskunft geben und die Erkenntnisse der Bundesregierung mitteilen. Am Freitag wird es nach Informationen von SPIEGEL ONLINE auf Antrag der Grünen eine aktuelle Stunde im Bundestag zu VW geben.

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 91 Beiträge
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1. Warum nur alle Deutschen?
typomann 22.09.2015
Es ist doch anzunehmen, dass andere Autobauer nicht blöder sind als unsere. Ich bin mir ziemlich sicher, dass sie alle beschissen haben.
2. Warum nur Dieselfahrzeuge?
mtk10 22.09.2015
Ist das Manipulieren von Benzinern denn verboten und wird deshalb nicht gemacht? Ist nur ne einfache Frage und ich vielleicht nur total naiv.
3. ich glaube nicht
treisernr.1 22.09.2015
dass es den gemeinen Verbraucher wirklich interessiert wieviel Sprit sein Auto braucht. Die Regierungen fordern eunfach irgendwelche Fabelwerte an Flottenverbräuchen, also liefern die Hersteller Fabelwerte. Dass es ein VW internes Problem ist glaube ich nicht -wie sonst sollten andere Hersteller zu ihren angeblich so geringen Verbräuchen kommen? Winterkorn soll gefälligst weiter zur Arbeit kommen -er wird dafür bezahlt! Wenn die ihn jetzt absägen geht er zur nächsten Firma (genommen mit Kusshand) und macht da munter weiter. Dass VW da riesig Strafe bezahlen muss glaub ich auch nicht: zu hoch das Risiko dass danach Arbeitsplätze flöhten gehen. Den verantwortlichen Managern wird es in 5 Jahren nicht schlechter gehen als heute. Müssen jetzt alle Betroffenen KFZ-Steuern nachzahlen?
4. Alle Autobauer
iwd 22.09.2015
Sollte man neu testen, damit die Branche endlich mal ein wenig durchgeschüttelt wird. Und dann kann man VW neu bewerten. Ich zweifle das es wenige sind, wo alles korrekt ist.
5. Und was ist mit den Musikdampfern,...
Rotter 22.09.2015
die als völlig überflüssige Dreckschleudern Häfen und Weltmeere beglücken? Hat man die Grünen wieder mit einem Beißholz verwöhnt!
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