VW Touareg Neustart in nobel

Bislang war der VW Touareg ein SUV für Fahrer zwischen Baumarkt und Ponyhof. Doch wenn jetzt die dritte Auflage kommt, muss er auch das Luxusmodell Phaeton ersetzen. Deshalb macht er auf Premium.

Tom Grünweg

Aus Peking berichtet


Zehn Flugstunden östlich von Wolfsburg ist die VW-Welt noch in Ordnung. Schummel-Diesel sind in Peking kein Thema, die Stimmung auf dem größten Automarkt der Welt ist trotz der strengen Vorgaben zur Elektrifizierung ungetrübt. Mit 3,2 Millionen Zulassungen im vergangenen Jahr kommt VW auf einen Marktanteil von 13 Prozent und sichert sich damit die Pole Position auf dem wichtigsten Automobilmarkt der Welt, sagt VW-Chef Herbert Diess. "Keine Autofirma war jemals so erfolgreich, weder hier noch in einem anderen Land."

Wo also, wenn nicht in Peking, kann VW mal wieder die Muskeln spielen lassen und zur großen Party bitten: 1000 Gäste aus aller Welt haben die Niedersachsen eingeflogen, Peking-Ente und Champagner aufgetischt, um den neuen Touareg zu enthüllen.

Dass VW für den "Geländewagen" so ein großes Fass aufmacht, muss man verstehen: Erstens, weil die Niedersachsen davon in China mehr Exemplare verkaufen als irgendwo sonst auf der Welt. Und zweitens, weil der SUV für die Marke künftig eine neue Rolle spielt: "Der Touareg markiert nicht nur die Spitze unserer SUV-Offensive, sondern er ist auch das Flaggschiff unserer Marke", sagt Diess. "Er kombiniert modernste Technologie mit höchster Handwerkskunst - und den Komfort einer Luxuslimousine mit den Eigenschaften eines echten Geländewagens. Das macht den Touareg zu einem wichtigen Meilenstein in der größten Produktoffensive, die es bei VW je gegeben hat."

Den neuen Anspruch erkennt man zwar auch an Details wie den feinen Nähten, dem hochwertigen Zierkonsolen und dem kühlen Metall der wenigen Schalter. Denn damit bietet der Touareg ein Ambiente auf Audi-Niveau. Aber man erkennt es vor allem am sogenannten Innovation-Cockpit, das Produktmanager Philip Jung schon aus den Zeiten kennt, als er noch den Nachfolger des Phaeton entwickelt hat.

Futuristisches Cockpit gegen Aufpreis

Während die große VW-Limousine Geschichte ist, lebt das Infotainment-Konzept nun im Touareg weiter: Dafür verschmelzen das digitale Cockpit, wie man es aus Golf und Co. schon kennt, und ein gewaltiger 15 Zoll großer Touchscreen zu einer futuristischen Bedienlandschaft, die selbst Teslafahrer staunen lässt. Von den Kunden eines BMW X5 oder eines Mercedes GLE ganz zu schweigen. Und das System sieht nicht nur spektakulär aus, sondern ist auch kinderleicht zu bedienen.

Mehr denn je kann man dieses Cockpit individuell konfigurieren und sehr viele Anzeigen und Menüpunkte dort ablegen, wo man sie gerne hätte. Dumm nur, dass die Technik Aufpreis kosten wird und der Touareg mit den konventionellen Bildschirmen nur noch halb so viel Eindruck schindet.

Doch auch mit anderen Optionen will VW den Touareg zu höheren Weihen führen: Mit intelligenten LED-Scheinwerfern mit jeweils 128 Leuchtdioden, autonomen Assistenzsystemen für Staus und Baustellen oder das Rangieren mit dem Hänger, und nicht zuletzt einem Nachtsichtsystem, das es nun zum ersten Mal auch bei VW gibt.

Fahrgefühl wie in einer Limousine

Vor allem aber soll das Fahrgefühl einen Unterschied machen, sagt Jung: "Wir wollten die Limousine unter den SUV", beschreibt der Produktmanager die Zielvorgabe und eine erste Testfahrt mit den Prototypen gibt ihm Recht: Luftfederung, Achtgang-Automatik, Hinterachslenkung und aktiver Wankausgleich - so fährt man mit den Erlkönigen ausgesprochen komfortabel durch die Lüneburger Heide.

"Wer beim SUV den Sport betont, ist mit anderen Modellen sicher besser bedient", räumt Jung ein. Trotzdem fühlt sich der Touareg freilich nicht behäbig an. Erstens weil er rund 100 Kilo weniger wiegt, obwohl er um acht Zentimeter auf 4,88 Meter gewachsen ist. Und zweitens weil die einschlagenden Hinterräder virtuell den Radstand verkürzen und den Wagen fast so handlich wirken lassen wie einen Tiguan.

Zwar kann man den Preis für die Markteinführung im Juni bislang nur schätzen. Doch unter rund 60.000 Euro wird der Wagen kaum zu bekommen sein. Volkstümlich ist an diesem Volkswagen deshalb nur der Name . VW rückt wieder ein Stückchen weiter weg von der einstigen Kernzielgruppe. Die hätte sich wohl eher ein SUV wie den Atlas gewünscht, mit dem die Niedersachsen den US-Markt aufrollen wollen und dafür jenseits des Atlantiks sogar ganz auf den Touareg verzichten: noch größer, noch praktischer, und vielleicht nicht ganz so überkandidelt, aber dafür kaum halb so teuer.

Minimum sechs Zylinder

Ja, so ein Auto könnte man vielleicht auch in Deutschland gut verkaufen, räumt Automobilwirtschaftler Ferdinand Dudenhöffer ein. "Doch dummerweise gibt es das schon bei Skoda und demnächst bei Seat", sagt der Professor an der Universität Duisburg-Essen. Er hält den Premium-Anspruch von VW deshalb für gerechtfertigt: Nicht umsonst habe der Vorgänger mit einem Zulassungsmittel von 8000 Autos im Jahr auf Augenhöhe mit BMW oder Mercedes gelegen. Und als Ergänzung zu T-Roc, Tiguan und Tiguan Allspace ergebe das durchaus einen Sinn: Damit hat VW ein breites Angebot, kann viele Gleichteile nutzen und zahlreiche unterschiedliche Bedürfnisse befriedigen.

Und die Erfahrung von Jung gibt ihm recht: "Wir bieten den Komfort von Mercedes oder BMW und bleiben eine Preisstufe darunter", sagt der Produktmanager. Das komme nicht zuletzt bei Gewerbetreibenden und Freiberuflern gut an, die sich vor ihren Kunden im Touareg nicht für einen offensichtlich überteuerten Firmenwagen rechtfertigen müssten.

Dabei hält VW selbst unter der Haube den Premium-Anspruch durch und erteilt Vierzylindern erst einmal eine Absage. Los geht es stattdessen mit zwei V6-Dieseln von 3,0 Litern Hubraum und 231 oder 286 PS. Nach den Sommerferien folgen ein gleich großer Benziner mit 340 PS und im nächsten Frühjahr ein V8-Diesel, der aus 4,0 Litern 421 PS schöpft und mit immensen 900 Nm punkten will.

Für Deutschland ist es damit erst einmal getan. Doch in China ist VW ein bisschen weiter. Denn um dem größten Markt zu gefallen und dort die Stimmung nicht zu verderben, steht der Touareg in Peking bald auch als Plug-in-Hybrid mit 50 Kilometern elektrischer Reichweite bei den Händlern. Schließlich soll die Party dort auch dann noch ein bisschen weitergehen, wenn der VW-Tross wieder nach Wolfsburg geflogen ist.



insgesamt 75 Beiträge
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lobivia 23.03.2018
1. Schönes Auto!
Viel Spaß in Dubai!
ptb29 23.03.2018
2. Es ist und bleibt ein Volkswagen
Man bezahlt für den Namen viel zu viel Geld. Dafür kann man bestimmt bessere Autos kaufen.
DerHerrMustermann 23.03.2018
3. Wieder mal...
...ein Modell wider jede Vernunft. Sicher, der neue Touareg wird sich ebenso wie die X-Modelle von BMW verkaufen wie geschnitten Brot, aber im Grunde entlarvt sich die Diesel-hysterische Kundenschar nur wieder selbst mit dem anhaltenden SUV-Hype. Lauthals beklagt man zu hohe Stickoxid-Werte in den Großstädten, fährt dann aber das Kind mit dem SUV bis vor die Schultüre. Ebenso schreit man nach den dringenden benötigten und Vernunft versprechenden Elektroautos, nur will die leider in der Praxis niemand fahren, weil die Reichweite zu wünschen übrig lässt und es an Lade-Infrastruktur fehlt. Darum werden die Autobauer wohl auch künftig nachfrageorientiert ihre Modellpolitik ausrichten. Sprich: Dicke Karren mit viel PS, mit denen man durch den Großstadtdschungel walzen kann.
anzel 23.03.2018
4.
Entschuldigung, aber Blödsinn. Die Fahrzeuge werden am gleichen Standort gebaut, wie der Q7 und der Cheyenne. Ist halt von Vorteil von Skoda bis Bugatti alles im Konzern zu haben. Der Innenraum ist sehr schön gestaltet. Die Infotainment-Schirme sind sehr gut integriert, anders als Die furchtbar hässlichen, aber ach so modernen aufgesetzten Schneidebretter, die Mercedes so als Speerspitze ihrer digitalen Welt im Angebot haben. Der neue Polo z.B. ist der gesamten Konkurrenz um 1 Jahr voraus, so gut wie jeder Hinsicht. Aber immer schön weiter bashen...
der_geraet 23.03.2018
5.
Nichts gegen das Automobil oder den Touareg an sich, aber ich kann dieser sich ewig drehenden Spirale aus Wahnsinn und der Gigantomanie nichts mehr abgewinnen. Alleine das man 1000 Leute nach China fliegt damit sie dort Ente fressen & das Auto bejubeln..
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