Protokoll des VW-Rückrufs, Teil 7 Gut, dass ich auf die Anwälte gehört habe

VW beginnt mit der Nachrüstung seiner Skandalautos. Auch Michael Müller fährt einen Wagen mit erhöhten Abgaswerten. Er hat etwas sehr Wichtiges richtig gemacht.

Leistungsmessung beim VW Touran - jetzt will auch der ADAC prüfen
Spiegel Online

Leistungsmessung beim VW Touran - jetzt will auch der ADAC prüfen


Michael Müller* ist SPIEGEL-Mitarbeiter. Er fährt einen VW Touran 1,6 TDI mit 105 PS, Baujahr 2011. Sein Wagen ist mit der betrügerischen Software des VW-Konzerns ausgestattet und muss nachgebessert werden. In loser Folge wird er für SPIEGEL ONLINE berichten, wie VW jetzt mit seinen Kunden umgeht.

Endlich ist er losgegangen - der VW Rückruf. Zwar rollt mit dem Pick-up Amarok derzeit ein Modell in die Werkstätten, das im Vergleich zu meinem Touran oder einem Passat nur in homöopathischen Dosen verkauft wird. Aber immerhin: ein Anfang wäre gemacht!

Und offenbar auch ein ganz erfolgreicher: In den Foren, die ich hin und wieder lese, finden sich bisher keine Klagen. Offenbar hat VW die Software des Pick-ups so verändert, dass die Fahrer aller Voraussicht nach keine negativen Folgen zu fürchten haben, was auch ein VW-Techniker, der anonym bleiben will, gegenüber der "Bild"-Zeitung bestätigte. Bei den reinen Software-Updates 'sollte es nicht zu Einbußen bei Leistung und Verbrauch kommen ', sagte er dem Boulevardblatt. Wenn man böse wäre, könnte man auch sagen: VW beherrscht alle Software-Tricks - im Guten wie im Schlechten. Schließlich war es eine Schummelsoftware, die erst den VW-Abgasskandal ausgelöst hat.

Bei meinem Touran wird Umprogrammieren nicht reichen, um den Wagen wieder sauber zu bekommen. Es muss ein sogenannter Strömungstransformator her. Und da lässt mich ein Satz des anonymen Technikers in der "Bild" zu etwaigen Leistungseinbußen und höheren Verbräuchen aufhorchen: 'Wie das beim Einbau des Strömungstransformators aussieht, das wissen wir nicht zu hundert Prozent.'

VW bietet offenbar bis zu 40 Prozent Rabatt auf Neuwagen

Nur gut, dass ich dem Rat von Rechtsanwälten gefolgt bin, vor dem Umbau eine Leistungsmessung durchzuführen. Die Idee macht nun Schule. Mit dem ADAC kündigte jetzt auch der vielleicht mächtigste Anwalt des deutschen Autofahrers an, stichprobenartig Verbrauchs- und Leistungswerte bei Fahrzeugen seiner Mitglieder vor und nach dem Werkstattaufenthalt zu überprüfen. Das hilft beiden Seiten: Autofahrern und ADAC. Denn auch der Motorclub hat nach seinem Skandal über manipulierte Abstimmungen bei Preisverleihungen etwas positive Werbung bitter nötig.

Volkswagen buhlt hingegen mit fetten Rabatten um Kunden. Laut einer Analyse von "Auto Motor Sport" gab es Ende Januar bis zu 40 Prozent Nachlass auf ausgewählte Modelle. Das lässt mich nicht schwach werden. Ich möchte am liebsten Zeuge des Umbaus werden und Live verfolgen wie der Strömungstransformator im Touran montiert wird. Bei mir wird das wohl noch dauern - voraussichtlich geht es erst im dritten Quartal mit den 1,6-Liter-Motoren los.

* Der Name wurde von der Redaktion geändert, um sicherzugehen, dass VW den Kollegen nicht anders behandelt als andere betroffene Kunden.

Aufgezeichnet von Margret Hucko

Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 177 Beiträge
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Seite 1
gerdpostel 11.02.2016
1. Vielen Dank
Danke für diesen vielsagenden Artikel. Der hat die Menschheit wirklich weit nach vorn gebracht. Super recherchiert und mega wichtig für alle Betroffenen. Danke, danke.
edhoc 11.02.2016
2. Name ändern reicht?
Zitat: "Der Name wurde von der Redaktion geändert, um sicherzugehen, dass VW den Kollegen nicht anders behandelt als andere betroffene Kunden." Reicht das Ändern des Namens? Wie viele Spiegel Mitarbeiter gibt es, die einen VW Touran 1,6 TDI mit 105 PS, Baujahr 2011, fahren? Vielleicht hat der Spiegel-Mitarbeiter mal gegenüber seiner Werkstatt erwähnt, dass er Spiegel-Mitarbeiter ist? Schwupps - schon könnte der Spiegel-Mitarbeiter identifiziert werden und - rein theoretisch - anders behandelt werden.
schokohase123 11.02.2016
3. Kopfschütteln
Der ganze Artikel baut auf den Aussagen eines ominösen VW-Mitarbeiters auf, der zudem noch aus dem fragwürdigsten Schmierblättchen des Landes zitiert wird? Das hat die journalistische Qualität eines Glückskekszettels und erreicht lediglich einen Effekt: Die momentan typische, Aber nichtsdestotrotz widerliche "Na da wird auch nicht alles mit rechten Dingen zugehen"-Haltung zu fördern. Man zitiert aus dem Bodensatz deutscher Journaille, so kann keine Qualität entstehen.
Harald Schmitt 11.02.2016
4. Jammern auf hohem Niveau
Langsam geht einem das tierisch auf den Sack. Was soll denn das Plasteteil im Ansaugweg an leistung kosten oder Mehrverbrauch verursachen? Wo ist denn bisher der Schaden für die Autokäufer, sie dürfen weiter fahren, es ist nichts explodiert, die Politik macht auch weiterhin nichts ausser Augen zu und durch. So wie die Karre aussieht ist die auch schon etwas betagter und hat jahrelang ihren Dienst verrichtet. Also was oll das Rumgejammer? Wo sind die Berichte über Mercedes, Opel, Renault, Fiat und andere Marken die auch alle auffällig sind??? Wo bleiben die Gesetze für strengere Kontrollen auch mal von unabhängiger Stelle oder KBA??? Wozu haben wir ein KBA, wenn die Hersteller die Tests selbst in Auftrag geben und die Prüfinstitute das Geld benötigen??? Was macht denn der Dobrind eigentlich ausser dem Mautdebakel hört man ja gar nichts von dem, während die Infrastruktur immer weiter verfällt. Jedes Jahr Berichte über Megastaus und so viele Baustellen wie nie zuvor?!?!
SeltenPoster 11.02.2016
5. Schummelsoftware...
Wie kommt es eigentlich, dass nun, nachdem das ganze Ausmaß des Skandals bekannt ist, immer noch von Schummelsoftware die Rede ist? Geschummelt wird von Kindern vielleicht beim Kartenspiel -- was VW da getan hat, das hat mit 'Schummeln' nichts zu tun. Insofern nennen Sie das doch bitte auch so: Betrugssoftware.
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