Abgasmanipulationen VW soll Katalysator für US-Modelle entwickelt haben

Volkswagen braucht dringend einen Plan, um nach dem Abgasskandal die US-Behörden zu beschwichtigen. Der scheint mittlerweile zu stehen: Laut "Bild am Sonntag" haben Ingenieure einen neuen Katalysator entwickelt, der in mehr als 400.000 Fahrzeugen eingebaut werden soll.

VW-Logo in Manhattan: Eine Art Außenminister für die USA?
DPA

VW-Logo in Manhattan: Eine Art Außenminister für die USA?


Als Reaktion auf den Abgasskandal hat Volkswagen Chart zeigen einem Medienbericht zufolge einen neuen Katalysator für Fahrzeuge in den USA entwickelt. Er solle in rund 430.000 Fahrzeuge eingebaut werden, die mit der ersten Generation des Dieselmotors EA 189 unterwegs sind, berichtete die "Bild am Sonntag" ohne Angabe von Quellen. Die US-Umweltbehörde EPA, die die Manipulation von Abgaswerten bei VW im September aufgedeckt hatte, müsse diesen Plänen zur Umrüstung zustimmen.

VW kommentierte den Bericht nicht. Eine mit der Angelegenheit vertraute Person sagte der Nachrichtenagentur Reuters, ein neuer Katalysator sei Teil der vorgeschlagenen Lösung.

VW steht wegen der Dieselaffäre am Pranger. Die US-Justizbehörden werfen dem Konzern mangelnde Kooperation vor und verlangen Transparenz. "Unsere Geduld geht zu Ende", warnte der New Yorker Bundesanwalt Eric Schneiderman erst am Freitag. Knapp 600.000 Autos verschiedener Konzernmarken fahren in den USA mit der manipulierten Abgassoftware. Weltweit sind elf Millionen Diesel betroffen.

Während in Europa bald der Rückruf von Fahrzeugen beginnt, hat sich VW in den USA noch nicht mit der EPA über einen Plan geeinigt. Am Mittwoch trifft VW-Chef Matthias Müller EPA-Chefin Gina McCarthy.

Um Vertrauen zurückzugewinnen, will VW einem weiteren Bericht zufolge in den USA auch eine Art Außenminister einsetzen. Es solle eine hoch angesehene Persönlichkeit beauftragt werden, die einen Neuanfang glaubwürdig verkörpere, berichteten "Süddeutsche Zeitung", NDR und WDR unter Berufung auf Konzernkreise.

Die treibende Kraft hinter dem Plan soll die frühere SPD-Politikerin und Verfassungsrichterin Christine Hohmann-Dennhardt sein, die bei VW zu Jahresbeginn das neue Vorstandsressort für Integrität und Recht übernahm. Die Juristin war in ähnlicher Funktion bei Daimler Chart zeigen tätig und half dort, eine Schmiergeldaffäre zu bewältigen. VW lehnte auch zu diesem Bericht einen Kommentar ab.

Unter dem Dieselskandal leidet der Absatz von VW: Der Konzern lieferte 2015 weltweit 9,93 Millionen Fahrzeuge aus - ein Minus von zwei Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Zudem drohen milliardenschwere Klagen. Vor wenigen Tagen reichte das US-Justizministerium im Namen der EPA Klage gegen den Autobauer wegen des Verstoßes gegen das Luftreinhaltungsgesetz ein. Die geforderten Geldstrafen summieren sich auf bis zu 46 Milliarden US-Dollar.

dab/Reuters



Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 38 Beiträge
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guenterm2 10.01.2016
1. VW wird angeprangert...
...die anderen Verschmutzer BMW, Mercedes laesst man laufen.
cindy2009 10.01.2016
2. @guenterm2
Was haben die anderen Hersteller gemacht, dass man sie nicht laufen lassen sollte?
die-physiker 10.01.2016
3. US Fahrzeuge
Man sollte schnell versuchen ähnliches bei US Unternehmen aufzudecken, welche es sicher auch nicht geschafft haben die anscheinend weltfremden Gesetze einzuhalten. Wenn nicht nur ein ausländisches sondern auch ein US Unternehmen unter Gefahr steht Probleme zu bekommen wird das Ergebnis des Gerichtsverfahrens sicherlich milder aufallen.
mittekwilli 10.01.2016
4. Katalysator
Diese Bestrebung gibt es schon lange. Der Motor muss aber durchgehend im mageren Bereich laufen.
rathat 10.01.2016
5. @guenterm2
Sie relativieren und verharmlosen alle Opfer und alle Schäden, die durch den VW Betrug Menschen und Umwelt zugefügt wurden, wenn Sie jetzt von 'anprangern' schrieben und mit dem Finger auf andere zeigen. Es ist schlimm genug, dass Fahrzeuge aller Hersteller im realen Betrieb mehr CO2 und NOx ausstoßen, als im Labor - wenn sich aber dann ein Autokonzerns die Dreistigkeit leistet, wegen eben dieses Umstandes, auch noch die Labormessungen zu verfälschen, dann ist das abartig. Und zur Erinnerung: es war ein BMW X5, den man in den USA zu Vergleichsmessungen hinzugezogen hat und dieser hat die zulässigen Grenzwerte - im Gegensatz zum VW - nur bei Bergauffahrten höherer Steigung überschritten; bei VW in jedem Betriebsmodus.
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