Volkswagen Der VW-Abgasskandal in Zahlen

Im September hat VW den Einsatz einer Betrugssoftware gestanden - seitdem ist kaum ein Tag ohne neue Meldung zur Wolfsburger Blamage vergangen. Wie soll man da den Überblick behalten? Indem man einen Blick auf diese Zahlen wirft.

Stilisiertes VW-Logo: Einer schweigt
REUTERS

Stilisiertes VW-Logo: Einer schweigt


Den Auftakt im Autojahr markieren traditionell zwei wichtige Messen in den USA - die Automesse in Detroit und die Technologiemesse CES in Las Vegas. Bei beiden dürfte es nur am Rande um neue Modelle und Vernetzung im Pkw gehen, sagt Analyst Jürgen Pieper vom Bankhaus Metzler: "Das Thema VW wird im Vordergrund stehen".

Für VW ist der Markt in den USA doppelt schwierig: Denn in den Vereinigten Staaten, dem zweitgrößten Pkw-Markt der Welt nach China, verkauft die Kernmarke VW nur wenige Autos. In 2014 waren es lediglich 367.000 Modelle. 2015 wird der Absatz voraussichtlich stagnieren, sagen Experten voraus. Vermutlich auch, weil das Image in den USA zuletzt stark gelitten hat: Denn dort begann der VW Abgasskandal.

Am 18. September kam die entscheidende Nachricht aus den USA. Die US-Umweltbehörde ordnete den Rückruf von 500.000 Dieselautos an: VW habe in den Autos einen illegalen Softwarebefehl programmiert. Dieser erkennt, wenn die Abgaswerte des Fahrzeugs auf den Prüfstand getestet werden und sorgt dafür, dass sie sauber sind. Auf der Straße aber bläst der Wagen dann viel mehr Stickoxide als erlaubt in die Luft. Klarer Fall von Betrug. Der damalige VW-Chef Martin Winterkorn musste kurz darauf gehen.

Sein Nachfolger Matthias Müller kündigte für die Messen in den USA nun eine Mischung aus gesenktem Kopf und erhobenem Haupt an. "Ich werde mich natürlich noch einmal für die Dinge entschuldigen, aber ich werde auch optimistisch den Blick nach vorne richten", sagte er. An der Diesel-Offensive in den Vereinigten Staaten will Müller festhalten - trotz Dieselgates.

Welche Dimension der Abgasskandal mittlerweile erreicht hat, lässt sich an diesen Zahlen ablesen:

... nach dem Auftritt von VW-Chef Martin Winterkorn auf der IAA macht die US-Umweltbehörde EPA das Geständnis des Autoherstellers öffentlich, in Dieselfahrzeugen eine Betrugssoftware verwendet zu haben. Es ist der 18. September 2015.

... Stickoxide wie erlaubt stieß der VW Passat bei Tests unter Realbedingungen aus. Diese Werte hatte die West Virginia University im Auftrag der Umweltorganisation ICCT ermittelt und damit die Abgasaffäre ins Rollen gebracht.

... Dieselautos von VW sind weltweit von der Abgasaffäre betroffen. International wird der Skandal als #Dieselgate bekannt. VW spricht von der "Diesel-Thematik".

... Euro Börsenverlust erleidet VW zwischen dem 18. und 21 September. Die VW-Aktie stürzt um mehr als 22 Prozent ab.

... war Martin Winterkorn Vorstandsvorsitzender der Volkswagen AG. Am 23. September tritt er im Zuge der Abgasaffäre von seinem Posten zurück.

... ist der neue VW-Chef Matthias Müller alt. Eigentlich "zu alt" für den Job, wie er selbst sagt. Vor seiner Berufung an die Konzernspitze war Müller Chef des Sportwagenbauers Porsche.

... Euro hat VW für die Bewältigung der Folgen des Abgasskandals zurückgestellt.

... von VW sind in Deutschland von der Abgasaffäre betroffen und werden zurückgerufen. Darunter befinden sich auch Modelle der Tochtermarken Skoda, Audi und Seat.

... von VW haben einen höheren CO2-Ausstoß als offiziell angegeben. Zunächst hatte VW am 3. November von sich aus zugegeben, dass die Angaben zu den Kohlendioxidemissionen bei 800.000 Fahrzeugen verfälscht worden seien - nach dem Abgasskandal das nächste Desaster für den Hersteller. Am 9. November ließ der Konzern dann verlauten, dass es sich um eine vorschnelle Meldung gehandelt habe: Nachmessungen hätten ergeben, dass es nur bei 36.000 Autos Abweichungen gebe. Diese seien außerdem so gering, dass die vorgeschriebenen Grenzwerte eingehalten würden.

... Euro Verlust schreibt der VW-Konzern infolge des Abgasskandals im dritten Quartal 2015. Es ist das erste Minus seit 15 Jahren.

... hat der Plan des neuen VW-Chefs Müller, den er am 28. Oktober verkündet. Die Punkte sind ziemlich weit gefasst und wenig detailliert: Müller verspricht demnach (1.) Hilfe für die Besitzer manipulierter Dieselfahrzeuge, (2.) Aufklärung der Manipulationen, (3.) einen Konzernumbau mit Sparprogramm, (4.) eine Unternehmenskultur mit neuem Führungsverständnis und (5.) eine "Strategie 2025" - Profitabilität und Kundenzufriedenheit statt "höher, schneller, weiter".

... könnte der zusätzliche Stickoxid-Ausstoß aller vom Abgasskandal betroffenen VW-Autos fordern. Das geht aus einer Hochrechnung von Wissenschaftlern des Massachusetts Institute of Technology (MIT) und der Universität Harvard hervor. Grundlage der Rechnung ist die Annahme, dass die VW-Autos 40-mal mehr Schadstoffe ausstoßen als erlaubt. Zwischen 2008 und 2015 hätten sie damit rund 36.700 Tonnen an zusätzlichen Stickoxiden in die Luft gepustet. Die Stickoxide machen die Wissenschaftler für Atem- und Herzkreislaufkrankheiten verantwortlich.

... aus dem VW-Konzern werden am 4. November 2015 in Nordamerika mit einem Verkaufsstopp belegt. Es handelt sich um Autos mit Drei-Liter-TDI-Motoren, darunter auch der Porsche Cayenne. Grund dafür ist eine von US-Behörden nicht zugelassene Software-Funktion zur Abgaskontrolle. Eine weitere Peinlichkeit für den Konzern, denn anfangs wurde vehement bestritten, dass auch Porsche in den Skandal verwickelt ist.

... "Wiedergutmachung" in Form eines Gutscheins bekommen VW-Kunden in den USA, die vom Abgasskandal betroffen sind.

... gegen VW wird ein Gericht in Kalifornien verhandeln. Bei den Zivilklagen geht es vor allem um Vorwürfe von Autobesitzern wegen Betrugs und Vertragsbruchs. Es klagen aber auch Anleger, die beim Absturz der VW-Aktie verloren haben sowie Landkreise und Gemeinden wegen Umweltverschmutzung.

... Euro nimmt VW als Kredit auf. Mit dem Geld sollen die Folgekosten des Abgasskandals abgefedert werden. 13 Banken sollen Volkswagen jeweils Darlehen von 1,5 oder 2,5 Milliarden Euro gewähren.

... haben Umweltschützer während des Klimagipfels in Paris aufgehängt. Darauf waren Dieselmodelle von VW abgebildet und die Aufschrift "Tut uns leid, dass wir erwischt wurden" zu lesen.

... kostet das Bauteil ungefähr, das in die vom Abgasskandal betroffenen 1,6-Liter-Motoren eingesetzt wird. Der sogenannte Strömungstransformator soll im Zusammenspiel mit einem Software-Update dafür sorgen, dass die Fahrzeuge die Schadstoff-Grenzwerte auf legalem Weg einhalten.

... haben von einer Amnestieregelung Gebrauch gemacht. Der Deal: Sie geben Wissen zum Abgasskandal preis, ohne arbeitsrechtliche Sanktionen befürchten zu müssen.

... hat der Ex-VW-Aufsichtsratsvorsitzende Ferdinand Piëch bislang öffentlich zum Abgasskandal geäußert.

cst/dpa



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insgesamt 18 Beiträge
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Seite 1
helro56 31.12.2015
1. gegen diesen Betrug vorzugehen, hilft nur eines...
VW zu meiden und keinen mehr zu kaufen!! Ich fahre selbst einen VW Passat älteren Baujahrs und habe mich oft über die unverschämten Preise für Ersatzteile geärgert! Fazit: es war mein letzter VW !!
ngo1989 31.12.2015
2. VW ist und bleibt gut
VW baut trotzdem gute Autos die Qualität stimmt und wenn man sich so eine billig kacke aus China holt und meint die seien besser hat man kein Ahnung. Echt lächerlich die deutschen machen ihre eigenen Leute fertig und machen sich auch noch lustig das gibt es in anderen Ländern nicht unglaublich!!
radiantcat 31.12.2015
3. vw
Ueber sowas waechst schnell Gras.Welcher Hersteller haelt die veroeffentlichten Abgas-und Verbrauchswerte auf der Strasse ein ? Niemand.
Oxymoron1985 31.12.2015
4. Richtig
Zitat von radiantcatUeber sowas waechst schnell Gras.Welcher Hersteller haelt die veroeffentlichten Abgas-und Verbrauchswerte auf der Strasse ein ? Niemand.
Ich verstehe die ganze Aufregeung seit dem ersten Tag nicht, jeder der glaubt sein Auto würde 2,9 Liter auf 100 km verbrauchen ist entweder wirklich dämlich oder will bewusst die Realität nicht sehen.
joG 31.12.2015
5. Der Skandal ist eher....
....dass deutsche Staatsanwälte weder die Betügereien aufdeckte noch mit erkennbarem Einsatz ermittelt wie weit und tief die Beteiligung am Verbrechen die Unternehmung durchdrang. Es erinnert sehr an Siemens. Nur hier ist es weitaus peinlicher, weil der Interessenkonflikt so überaus sichtbar ist.
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