VW-Abgasskandal Was Verbraucher wissen müssen

Für betroffene Kunden könnte die Abgasmanipulation bei Volkswagen hohe Folgekosten haben. Verbraucherzentralen fordern deshalb von VW, alle Kosten im Abgasskandal zu übernehmen. So sichern Sie Ihre Rechte.

Kraftwerk mit Botschaft an die Mitarbeiter: VW braucht "Euch"
DPA

Kraftwerk mit Botschaft an die Mitarbeiter: VW braucht "Euch"


Die Verbraucherzentralen pochen darauf, dass der VW-Konzern alle Kosten übernimmt, die für Autofahrer durch den Abgasskandal anfallen. Der Chef des Verbraucherzentrale Bundesverbands (vzbv), Klaus Müller, rief Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) auf, dies per Weisung an das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) verpflichtend in die Wege zu leiten. Nach wie vor fehle eine eindeutige Erklärung des Autoherstellers dazu, heißt es in einem Schreiben Müllers an Dobrindt.

Zusagen gebe es lediglich dafür, die vom KBA angeordnete Nachrüstung von 2,4 Millionen Dieselfahrzeugen zu tragen und drohende höhere Kfz-Steuerzahlungen wegen falscher CO2-Werte zu übernehmen. Völlig im Unklaren gelassen würden geschädigte Autobesitzer weiterhin über Neben- und Folgekosten des Rückrufs wie Verdienstausfall, Mietwagen und geringere Wiederverkaufswerte. Dies gelte auch für den Ersatz von Schäden durch Falschangaben bei CO2-Werten. "Damit Verbraucher nicht auf dem Schaden sitzen bleiben, muss das KBA eine Kostentragungspflicht anordnen", bekräftigte vzbv-Chef Müller.

Gegenüber SPIEGEL ONLINE gab sich VW bemüht, den Schaden für die Betroffenen möglichst gering zu halten. Man werde versuchen, Kunden "für den Zeitraum der Nachbesserungsarbeiten im Bedarfsfall eine individuelle Ersatzmobilität kostenfrei anzubieten", hieß es auf Anfrage dazu aus Wolfsburg. Ein Anspruch auf einen Ersatzwagen lässt sich daraus allerdings nicht ableiten.

Über die Frage der Folgekosten hinaus sehen Juristen für betroffene VW-Kunden noch weitere Fallstricke.

Das ist nun wichtig:

  • Sicherung der eigenen Gewährleistungsansprüche: Käufer eines Neuwagens haben zwei Jahre lang nach Auslieferung ein Recht auf Gewährleistung - auch Sachmangelhaftungsfrist genannt. Bei gebrauchten Fahrzeugen beträgt die Frist mindestens ein Jahr durch den Händler. Bei vielen Kunden drohe aber nun die Gewährleistungsfrist abzulaufen, bevor VW die Autos nachbessern kann.

  • Verzicht auf Verjährung einholen: Damit die Rechte der VW-Kunden erhalten bleiben, raten Juristen wie der Münchner Rechtsanwalt Markus Klamert von KMP Rechtsanwälte VW-Besitzern dazu, einen Verzicht auf Verjährung von Volkswagen oder dem Verkäufer einzuholen. So werde die Gewährleistung weiterhin aufrechterhalten. Entsprechende Formulare liegen bei den VW-Händlern aus, der Konzern hat sich dazu bereit erklärt, auf die Verjährung bis zum 31. Dezember 2016 zu verzichten. Auch der ADAC hat auf seiner Internetseite ein Musterschreiben zur sogenannten Verjährungshemmung für alle betroffenen VW-Fahrer veröffentlicht. Wer nicht auf die Musterschreiben von VW oder dem ADAC zurückgreifen möchte, sollte einen Anwalt kontaktieren, um seine Ansprüche durchzusetzen. Allerdings sollte zuvor überprüft werden, ob der Kunde eine Rechtsschutzversicherung hat und diese auch die Anwaltskosten übernimmt.

  • Gutachten in Auftrag geben: Klamert rät allen betroffenen VW-Kunden, ein Gutachten über den Istzustand des Fahrzeugs in Auftrag zu geben. "Nur wenn vor der Nachbesserung dokumentiert wird, wie der jeweilige Pkw in der Motorleistung, im Abgasverhalten und in der Endgeschwindigkeit zu bewerten ist, kann nach erfolgtem Versuch der Mängelbeseitigung für den einzelnen Kunden belegt werden, ob die Mängelbeseitigung erfolgreich ausgeführt wurde", heißt es dazu in einem offenen Brief an VW. KMP Rechtsanwälte vertreten nach eigenen Angaben mehr als hundert Betroffene im Abgasskandal. Er fordert VW in dem Schreiben dazu auf, die Kosten für die Beweissicherung zu übernehmen.

Eine Ermittlung der Abgaswerte wird für die meisten Privatpersonen schwer möglich sein, da es kaum zugängliche Prüfstände für Abgasmessungen gibt. Immerhin eine Leistungsmessung lässt sich in vielen Werkstätten für etwa 80 Euro durchführen. Ob diese Kosten von VW übernommen werden, ist allerdings nicht klar. Man werde "eine Einzelfallprüfung" vornehmen, sagte VW dazu auf Anfrage. Experten befürchten nämlich, dass durch die Nachbesserung der betroffenen VW-Modelle zwar die Abgaswerte erreicht werden, dies aber zu Lasten der Leistung und der Höchstgeschwindigkeit geht.

mhu/dpa

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insgesamt 48 Beiträge
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Seite 1
condor99 18.11.2015
1.
Was ist eigentlich mit diesen tausenden Ölheizungen. Jahrzehnte alt und ohne Filter da regt sich keiner auf.
frankubags 18.11.2015
2. aussitzen...
habe VW in Verdacht dass die versuchen werden vurles aus zu sitzen. Vergleiche mal das TSI Steuerkettendrama.
wakaba 18.11.2015
3.
Nun gibts bürokratischen und legalesischen Stacheldraht. Die Sachlage ist klar. VAG hat betrogen. Die Ware fehlerhaft. Das Serienprodukt millionenfach nicht die zugesicherten Eigenschaften seit 2007. Dazu Steuerbetrug. Der Wertverlust der Autos ist gigantisch. VAG Strategie: Rauszögern, weiterlügen. Der Laden ist unrettbar. Abwickeln.
bloedelkies 18.11.2015
4. Was alle Steuerzahler wisssen sollten
Diesel wird subventioniert. Diese Subvention wird von allen Steuerzahlern getragen, auch von denen, die weder Diesel fahren noch überhaupt ein Auto haben. Ohne diese Subvention müsste Diesel teurer sein als Benzin. Dies wäre u.a. schlecht für den Absatz von TDIs und der so beliebten Diesel-SUVs. Die Frage ist, ob wir alle diese Subvention und ihre Folgen weiter tragen wollen. Diesel-Interessenten, -Käufer und Besitzer sollten genau hinsehen, ob sich der Diesel bei der eigenen Jahreskilometerfahrleistung wirklich lohnt.
toll_er 18.11.2015
5. ältere Fahrzeuge
Hm, das mit dem Aussetzen der Verjährungsfrist, gilt das nur für Fahrzeuge, die noch keine 2 Jahre alt sind? Oder kann man diesen Antrag auf Aussetzung auf für betroffene Fahrzeuge z.B. Baujahr 2010 stellen?
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