Vollgas in Genf Bestien der Autobahn

Sie schlucken Sprit in gigantischen Mengen, auf der Autobahn möchte man sie auf keinen Fall im Rückspiegel sehen - doch für viele Autonarren sind die PS-Monster das Größte. SPIEGEL ONLINE zeigt die verwegensten Supersportwagen des Autosalons in Genf.

Von Jürgen Pander


Man könne, verspricht der Firmenchef Roland Gumpert, bei ausreichend hoher Geschwindigkeit mit diesem Auto in einem Tunnel sogar an der Decke fahren. Und wenn man sich den Wagen ansieht, glaubt man das. Zwölf Modelle des Gumpert Apollo, eines Ultrarenners der im thüringischen Altenburg montiert wird, wurden im vergangenen Jahr verkauft. In diesem Jahr sind bereits vier Autos weggegangen – zum Stückpreis von mindestens 239.500 Euro und mit einem 650 PS starken V8-Biturbo-Motor von Audi im Heck.

In Genf wurde nun die noch extremere Variante des Extremsportlers vorgestellt, der Apollo Sport, erkennbar an einem monströsen Heckflügel und einem Schnorchel aus Sichtcarbon über dem Dach. Die Maschine, die durch den schmalen Schlund beatmet wird, leistet nun 700 PS, peitscht den Wagen in knapp unter drei Sekunden aus dem Stand auf Tempo 100 und treibt ihn auf mehr als 360 km/h. Weil die Hetzerei nervenzehrend genug ist, erhält das Auto serienmäßig eine Klimaanlage, ein Navigationssystem und eine Rückfahrkamera. Alles in allem kostet der Rennwagen mit Straßenzulassung dann 299.500 Euro – für ein derartig exklusives Auto ist das fast schon ein Schnäppchenpreis.

Koenigsegg CCX mit ökologischem Mäntelchen

Ganz so günstig ist der schwedische Supersportwagen Koenigsegg CCX nicht. 750.000 Euro netto kostet das Auto, dafür aber gibt es nicht nur 1008 PS und die theoretische Möglichkeit, mit mehr als 400 km/h über die Erdoberfläche zu jagen, sondern auch noch ein ökologisches Mäntelchen. Denn der V8-Kompressormotor läuft mit E85, also einem Gebräu aus 15 Prozent Benzin und 85 Prozent Ethanol. Ein Sprecher des Unternehmens aus Ängelholm meldete bereits am Tage der Premiere auf dem Autosalon, dass bereits nach wenigen Stunden zwei Autos vorbestellt waren.

Auf derart entschlussfreudige Kunden wartet die italienische Firma Pagani noch, die in Genf ein Modell des Zonda R präsentiert. Die Weiterentwicklung des bisherigen Supersportlers Zonda wird ab rund 700.000 Euro netto verkauft, seine Jahresproduktion von 15 Exemplaren ist für 2007 bereits ausverkauft. Aber nun soll ja bald, sofern sich Interessenten melden, der Zonda R gefertigt werden. Ein 6-Liter-V12-Motor aus dem Hause Mercedes soll 750 PS entwickeln und für furiose Fahrleistungen sorgen. Etwa 1,2 Millionen Euro, so ein Firmensprecher, soll das Auto kosten, wenn es denn in einigen Monaten fertig ist.

Optisch ähnlich spektakulär, aber technisch deutlich zahmer ist der neue Donkervoort D8 GT konzipiert. Das Auto der niederländischen Firma aus Lelystad bei Amsterdam wird jetzt in Genf präsentiert, aber erst ab dem nächsten Jahr ausgeliefert. Als Antrieb wird ein 1,8-Liter-Vierzylinder von Audi eingesetzt, der je nach Kundenwunsch zwischen 180 und 270 PS mobilisieren wird. Zirka 90.000 Euro soll die bescheidenste Version der rasenden Zigarre kosten; was kein schlechter Preis ist für ein Auto, von dem maximal 40 bis 60 Exemplare pro Jahr gebaut werden.

Schwertfisch-Styling des Transmontana

Weil im Segment der völlig abgehobenen Sportwagen Exklusivität und Individualität beinahe ebenso wichtig sind wie Motorleistung, gibt es für nahezu jeden Geschmack das passende Vollgasgerät. Wer zum Beispiel in Formel-1-Manier in der Mitte des Autos sitzen möchte, wird bei der katalanischen Firma Tramontana fündig, die in Genf die Serienversion ihres Boliden vorstellt, der im vergangenen Jahr an gleicher Stelle als Studie zu sehen war. Geblieben ist das ulkige Schwertfisch-Styling des ehemaligen VW-Designers Josep Rubau, bei dem die beiden Insassen hintereinander sitzen.

Den Motor kaufen die Iberer bei Mercedes zu, einen V12-Biturbo mit einer Leistung von 550 PS. Das reiche, klärt Firmensprecher Xavier López auf, "für eine Höchstgeschwindigkeit von 355 km/h". Zwölf Autos pro Jahr würden Tramontana gerne bauen und verkaufen, im September soll die Produktion in Girona beginnen. Sofern sich bis dahin mindestens ein Kunde gefunden hat, der 700.000 Euro netto in dieses Automobil investiert. Doch dem Andrang am Messestand nach zu urteilen, dürfen die Verantwortlichen da guter Dinge sein.

Leichter Vollgas-Bolide Lotus 2 Eleven

Ähnlich skurril wie der Tramontana sieht auch das Morgan Aeromax Coupé aus, das die Briten in Genf zeigen und das ab 2008 ausgeliefert werden soll. Der Wagen ist auf 100 Exemplare limitiert, 71 Autos sind bereits verkauft – zum Preis von rund 142.000 Euro das Stück. Als Motor kommt ein 4,8-Liter-V8-Aggregat von BMW zum Einsatz, der Rest ist überwiegend Leichtbau in einem typischen, etwas spleenigen Design. Auch aus Großbritannien kommt der ebenfalls konsequent auf Leichtbau getrimmte Lotus 2 Eleven, der ab dem Sommer ausgeliefert wird. Nur 860 Kilogramm wiegt das Sportgerät, das von einem 1,8-Liter-Motor mit 255 PS angetrieben wird und in 3,9 Sekunden aus dem Stand auf Tempo 100 jagt.

Da wird sich womöglich auch mancher Lamborghini-Fahrer umgucken, es sei denn, er sitzt im neuen Gallardo Superleggera, einer um gut 100 Kilogramm abgespeckten und um zehn auf 530 PS aufgezwirbelten Variante des bekannten Modells. Rund 180.000 Euro wird das Auto kosten, im April startet der Verkauf. Lamborghini-Chef Stephan Winkelmann sagt, der Wagen sei ein weiterer Schritt auf dem Weg, "der profitabelste Supersportwagenhersteller der Welt zu werden". Der exklusivste sei man schon jetzt. Wobei das nur stimmt, wenn nicht gerade ein Koenigsegg, Pagani, Tramontana, Donkervoort, Morgan, Lotus oder Gumpert Apollo in der Nähe sind.



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