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15. Februar 2013, 09:21 Uhr

Autogramm Volvo V40 Cross-Country

Landlust light

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Sind ein massives Design und eine erhöhte Sitzposition wirklich alles, was SUV-Modelle derzeit so erfolgreich macht? Wenn das stimmt, hätte der neue Volvo V40 Cross-Country gute Karten. Wären wirklich Allradantrieb und Geländetauglichkeit gefragt, könnte er einpacken.

Der erste Eindruck: Irgendwie mau, dieses Auto. Wer noch den ersten Volvo Cross-Country auf Basis des V70 vor Augen hat, der ist von diesem Wagen hier erst einmal enttäuscht. Mit den silbrig kolorierten Planken am Blech und den dunklen Außenspiegelkappen sieht der Neuzugang aus Schweden in etwa so abenteuerlich aus wie ein frisch frisierter Reinhold Messner in Abendgarderobe.

Das sagt der Hersteller: Echte Offroad-Ambitionen will Volvo mit diesem Auto gar nicht bedienen, dafür haben die Schweden ja den Geländewagen XC60 und den noch größeren XC90 im Angebot. "Wer einen höher gelegten Kombi begehrt, legt stattdessen Wert auf ein paar Designretuschen sowie eine höhere Sitzposition für den bequemeren Einstieg und den besseren Ausblick", sagt Volvo-Sprecher Michael Schweitzer. Der wesentliche Unterschied des Cross-Country zum normalen V40 sind folgerichtig vier Zentimeter Höhenunterschied.

Das ist uns aufgefallen: Wie wenig Volvo beim Cross-Country tatsächlich an Fahrten abseits der Straße gedacht hat. Die vermeintlichen Schutzplanken vorn, hinten und an der Flanke sind allesamt aus Plastik und nach einem Ausflug ins Unterholz vermutlich genauso verkratzt wie normale Stoßfänger und Schweller. Und auch die Technik spricht nicht wirklich für einen Offroad-Einsatz. Denn Allradantrieb gibt es nur für den stärkeren der beiden Benziner.

Die Cross-Country-Variante basiert auf dem im September eingeführten V40, der eine erfrischende Alternative im Feld der ansonsten kreuzbraven Kompaktklasse-Kombis ist. Das liegt an der mutig und markant geformten Karosserie sowie am Innenraum, der nordisch nüchtern und nobel möbliert ist. Darüber hinaus punktet der mit schwedischen Urtugenden wie einer umfangreichen Sicherheitsausstattung, einem angenehmen Ambiente und genügend Platz.

Wer partout einen Allradantrieb wünscht, muss die Modellversion T5 mit einem 2,5 Liter großen Fünfzylinder-Benziner unter der Haube wählen. Der Motor geht mit kernigem Klang und 360 Nm Drehmoment zu Werke. Entsprechend durstig aber ist der Fünfzylinder - er schluckt schon auf dem Prüfstand 8,3 Liter. Außerdem geht ihm bei Vollgas überraschend schnell die Puste aus. Klar - neutral betrachtet sind 210 km/h Höchstgeschwindigkeit wahrscheinlich mehr als genug. Gleichzeitig ist dieses Spitzentempo für einen Kompaktwagen mit 254 PS dann doch eher wenig.

Außerdem - und jetzt wird es wirklich kurios - verringert die Allrad-Technik die Bodenfreiheit. Und zwar so, dass der Raumgewinn zwischen Asphalt und Auto auf magere zwölf Millimeter im Vergleich zum ganz normalen Kombi schrumpft.

Das muss man wissen: Der Cross-Country wird seit dem Jahreswechsel verkauft und kostet genau 1800 Euro mehr als das jeweilige Grundmodell ohne SUV-Geplänkel. Insgesamt drei Diesel- und zwei Benzin-Motorisierungen sind im Angebot, das billigste Modell kostet 26.780 Euro, es ist die Variante D2 mit 115-PS-Diesel; am teuersten ist der von uns gefahrene T5 zum Preis von 35.780 Euro. Weil sich am Auto im Grunde wenig ändert, sind auch die Verbrauchswerte beinahe gleich und beginnen bei 3,8 Litern für die sparsamste Version.

Das werden wir nicht vergessen: Das blöde Gefühl beim Marsch durch die Tiefgarage. In einer langen Reihe mit einigen anderen V40 geparkt, hat sich der Cross-Country im Schummerlicht so gut getarnt, dass man ihn nicht an seiner Trekking-Kluft, sondern nur am Flackern der Blinker beim Druck auf die Fernbedienung erkennen konnte. Ein bisschen mehr optische Differenzierung darf man wohl erwarten.

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