Volvo V70: Der König von Kombi-Land

Von Jürgen Pander

Keine Frage: Wie das Billy-Regal von Ikea oder die Zöpfe von Pipi Langstrumpf gehört auch der Volvo V70 zu den Klassikern aus Schweden. Beim Autosalon in Genf wird die dritte Generation des Kombis debütieren – natürlich eine halbe Nummer größer als der Vorgänger.

Unter Kombi-Fans gilt Volvo als Traditionsmarke. Bereits im Jahr 1953 brachten die Schweden mit dem Modell PV 445 ein Auto mit verlängertem Gepäckabteil auf den Markt und waren vor allem in den siebziger Jahren für Kombitypen bekannt, die ebenso eckig wie voluminös waren. Da sich längst die Lifestyle-Mode der Idee des ausgebauten Autohecks bemächtigt hat, sehen moderne Kombiwagen kein bisschen mehr nach Hobbylaster aus. "Die Einstellung zum Kombi hat sich deutlich geändert", stellt Volvo-Vorstandschef Ferdrik Arp fest und rühmt den neuen V70 als besonders "luxuriös, sportlich und praktisch".

Das neue Auto bemüht sich, die kantigen Vorgänger vergessen zu machen. Zwar bietet der Wagen keineswegs eine "völlig neue Fahrzeug-Architektur", wie die Schweden kess behaupten. Aber immerhin legten Designchef Steve Mattin und sein Team das Winkelmaß zur Seite und gestalteten einen geschmeidig anmutenden Bug, eine klassisch, schnörkellose Seitenansicht und ein leider etwas wirr geratenes Heck. Dort, am Ende des Autos, herrscht optische Unruhe, zu der auch die inzwischen grotesk großen Rückleuchten beitragen.

Prima gelungen sind dagegen, sofern die ersten Bilder nicht täuschen, das Cockpit und die Armaturentafel des neuen Modells. Das wirkt perfekt durchkomponiert, sieht wunderbar aufgeräumt aus und überaus modern, ohne auch nur eine Spur modisch zu sein. "Im neuen Volvo V70 reisen sämtliche Passagiere, auch im Fond, sowie das Gepäck erster Klasse", wirbt Arp für das Auto, von dem die Schweden pro Jahr 75.000 Exemplare verkaufen wollen. Gut 15 Prozent des Volumens, so die Schätzung, werden auf den deutschen Markt entfallen. In dieser Größenordnung jedenfalls rangierte der Vorgänger, von dem im vergangenen Jahr 10.254 Modelle in Deutschland neu zugelassen wurden, wie das Kraftfahrt-Bundesamt in Flensburg registrierte.

Eine Weltneuheit in Sachen Kinderschutz

Ab Herbst wird das Auto bei den Händlern stehen. Im Vergleich zum Vorgänger wuchs die Karosserie um zehn Zentimeter in die Länge, was den Fondpassagieren sowie dem Gepäckraum zugute kommt, der um 55 Liter auf nun 540 Liter zunahm und maximal etwa 1600 Liter schlucken wird. Die Rücksitzlehne lässt sich im Verhältnis 40:20:40 sehr variabel flachlegen, um das Fassungsvermögen bedarfsgerecht zu erhöhen. Eine Weltneuheit findet sich auf den äußeren Rücksitzen: Dort gibt es auf Wunsch zweifach in der Höhe verstellbare, integrierte Kindersitze. So können die Kleinen besser aus dem Fenster schauen und sind vor allem im Falle eines Unfalls besser geschützt durch den ebenfalls neuen, um sechs Zentimeter verlängerten Kopf-Schulter-Airbag im Fond.

Eine Neuheit gibt es auch aus dem Motorraum zu vermelden. Hier kann erstmals im V70 auch ein Sechszylinder-Motor untergebracht werden. Die Schweden bieten den Reihen-Sechser als Turbomotor mit drei Liter Hubraum und 285 PS an, und als Saugmotor mit 3,2 Liter Hubraum und 238 PS. Außerdem gibt es den bekannten 2,5-Liter-Fünfzylinder mit 200 PS. Das Diesel-Angebot besteht aus dem ebenfalls längst eingeführten 2,4-Liter-Turbodiesel-Fünfzylinder, der mit 163 oder 185 PS Leistung verfügbar ist.

Ein Rot wie das der Holzhäuser in Smaland

Das Bodengruppe ist in ihren Grundzügen bereits aus den Ford-Modellen S-Max und Galaxy bekannt und kommt auch im neuen Mondeo zum Einsatz. Volvo bietet optional ein aktives Fahrwerk an, das in drei Stufen eingestellt werden kann. In Verbindung mit dem Sechszylinder-Turbomotor wird das Auto über Allradantrieb verfügen; eine elektronische Parkbremse sowie ESP sind serienmäßig an Bord. In Genf wird übrigens nicht nur der V70 stehen, sondern auch der ebenfalls neue, etwas rustikalere und höher gelegte Allrad-Kombi XC 70.

Wer nicht nur ein schwedisches Auto fahren will, sondern auch gleich seine Zuneigung zu Skandinavien zum Ausdruck bringen möchte, kann den V70 im Innenraum im Farbton "Cranberry Rot" ordern. Boel Hermansson, bei Volvo für das Farb- und Materialdesign verantwortlich, erläutert: "Die Inspiration für diesen warmen Rot-Ton kam von den typisch schwedischen, traditionell rot gestrichenen Häusern. Davon ausgehend haben wir eine neue Nuance erschaffen, die genau die richtige Tiefe und Weite für eine internationale Perspektive hatte." Volvo-Fahrer sehen also künftig rot. Wir sind gespannt.

Diesen Artikel...
  • Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.
  • Auf anderen Social Networks teilen

News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Auto
Twitter | RSS
alles zum Thema Genfer Auto-Salon
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2007
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



  • Drucken Senden
  • Nutzungsrechte Feedback

Fotostrecke
Volvo V70: Wachstum in alle Richtungen

Aktuelles zu