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12. September 2018, 11:03 Uhr

Schadensersatz im Dieselskandal

ADAC unterstützt Klage gegen Volkswagen

Zusammen mit Verbraucherschützern greift der ADAC Volkswagen vor Gericht an. Der Konzern habe Kunden mit manipulierten Motoren betrogen. Autobesitzer können sich der Klage kostenlos anschließen.

Der ADAC und der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) wollen Volkswagen wegen des Abgasskandals verklagen. Weil der Konzern die Abgasreinigung von Dieselautos manipuliert habe, stehe den Besitzern Schadensersatz zu, teilten beide Organisationen am Mittwoch in Berlin mit.

Zum 1. November würden sie eine Musterfeststellungsklage beim Oberlandesgericht Braunschweig einreichen. Ziel ist die Feststellung, "dass Volkswagen mit der Software-Manipulation Kunden vorsätzlich sittenwidrig geschädigt und betrogen hat und betroffenen Käufern Schadensersatz schuldet". Besitzer der betroffenen Autos könnten sich der Klage kostenlos anschließen, teilte der vzbv weiter mit. Der vzbv ist aus prozesstaktischen Gründen offiziell alleiniger Kläger vor Gericht, tritt mit dem ADAC als Kooperationspartner aber gemeinsam auf.

Es geht um Motoren des Typs EA 189

Beteiligen könnten sich kostenlos alle, die ab November 2008 einen Diesel der Marken Volkswagen, Audi, Skoda oder Seat mit Motoren des Typs EA 189 gekauft hätten, für die es einen Rückruf gab. Früheren Angaben der vzbv zufolge könnten bis zu 2,4 Millionen Halter von der Klage profitieren.

Im November tritt das Gesetz in Kraft, das die neue "Einer-für-alle-Klage" ermöglicht. Durchsetzen müssten geschädigte Dieselfahrer ihren Schadenersatz-Ansprüche am Ende zwar einzeln. Würde das Gericht aber grundsätzlich feststellen, dass Volkswagen ihnen Schadenersatz schulde, wäre das einfacher. Zudem steigt nach Einschätzung der Verbraucherschützer und des ADAC der Druck auf den Wolfsburger Autohersteller, betroffenen Dieselkunden finanziell entgegenzukommen.

Bisher hat VW Kläger oft aus dem Prozess "herausgekauft"

"Bisher hatten Betroffene nur die Möglichkeit, auf eigene Faust zu klagen, mit ungewissem Ausgang und erheblichem Kostenrisiko", sagte ADAC-Präsident August Markl. Dabei habe Volkswagen "mit allen Mitteln" versucht, eine höchstrichterliche Entscheidung zu vermeiden. Wann immer sich ein Urteil zuungunsten des Konzerns abgezeichnet habe, habe VW die Kläger mit einem großzügigen Vergleichsangebot mit Stillschweigeabkommen aus dem Prozess "herausgekauft".

Im September 2015 hatte Volkswagen Manipulationen an Dieselmotoren einräumen müssen. US-Umweltbehörden hatten festgestellt und öffentlich gemacht, dass nur bei Tests die Abgasreinigung voll aktiviert war, während der Ausstoß auf der Straße viel höher lag.

nis/dpa/rtr

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